Camping ist nichts für mich – davon war unsere Autorin Simone Nissen überzeugt. Aber da aller guten Dinge drei sind, hat sie noch einen Versuch gewagt. Mit Ehemann Christian, Tochter Anna-Lena (6) und Sohn David (3) fuhr sie ins nordfranzösische Vic-sur-Aisne zum Campen im Safarizelt

Mein Camping-Trauma reicht lange zurück. Als Elfjährige fuhr ich mit der Jugendgruppe meiner Kirchengemeinde zum Zelten ins bayerische Regen. Nomen est omen: Nach zehn Tagen wurde das Lager vorzeitig von der Feuerwehr geräumt, weil sintflutartige Regenfälle den nahe gelegenen Fluss über die Ufer treten ließen. Ich glaube, ich war das glücklichste Kind der gesamten Gruppe. Was insbesondere daran liegen könnte, dass ich wegen eines Magen-Darm-Virus den Großteil des Aufenthalts im Quarantänezelt verbracht hatte – aufgefressen von Langeweile und Heimweh.

Meine Eltern hatten ein Einsehen und ließen mich das Thema Campingurlaub anschließend vergessen. Doch dann kam der Moment, als ich selbst Mutter zweier Kinder war. Mit Blick auf die stark geschrumpfte Familienkasse hielt ich es für eine gute Idee, meinem Mann statt Hotelurlaub einen Campingausflug vorzuschlagen.

Im Internet ersteigerten wir ein Vier-Personen-Zelt und Schlafsäcke und machten uns auf Richtung Niederlande. Mit dem damals zehn Monate alten David und der dreijährigen Anna-Lena auf der Rückbank erschien uns das nur eine Stunde entfernte Nachbarland als perfektes Ziel. Das Projekt lief auch gut an. Holland empfing uns mit strahlender Sonne. Wir fielen am Abend müde und zufrieden auf unsere Isomatten. Außer David: Da er zu klein für einen Eskimoschlafsack war, hatten wir für ihn die Wanne des Kinderwagens zum Übernachten mitgenommen.

Aus genau der meldete er sich nach knapp zwei Stunden. Der nächtliche Weckruf zum Stillen fiel allerdings deutlich kläglicher aus als sonst. Die Temperaturen waren in dieser Nacht in den niedrigen einstelligen Bereich gefallen. Und das im August! Der kleine Mann fror fürchterlich – genau wie ich, als ich ihn in meinen Schlafsack holte, der sich daraufhin nicht mehr schließen ließ. Was soll ich sagen? Am nächsten Morgen beendeten wir vorzeitig Zeltabenteuer Nummer 2.

„Glamping“ verspricht mehr Komfort als herkömmlicher Camping-Urlaub

Dabei wäre es auch geblieben, hätte der aktuelle Trend zum Glamping (= Glamorous Camping) nicht meine Hoffnung geweckt, mit dem Thema Zelten doch noch Freundschaft zu schließen. Die Zelte sind beim Glampen voll ausgestattet mit Bad, Küche, gemütlichen Betten und kleiner Heizung. Hardcore-Camper werden jetzt vielleicht die Nase rümpfen, aber ich finde diese Aussichten durchaus verlockend.

Immer mehr Campingplätze erweitern ihr Angebot um solche Luxuszelte. Wir haben uns für ein Safarizelt auf dem Zeltplatz „La Croix du Vieux Pont“ nahe der nordfranzösische Stadt Soissons entschieden. Anna-Lena und David sind mittlerweile sechs und drei Jahre alt, so dass wir für längere Autofahrten unser Ass im Ärmel zücken können: ein portables DVD-System.

 „Wilde Tiere gibt es hier zwar keine, dafür aber wilde Kinder“

Nach fünf Stunden Fahrt sagen wir Hexe Lilli und Pipi Langstrumpf Lebewohl und schlagen uns in den „Dschungel“. Unser Zelt liegt ein wenig abseits, direkt am dicht bewachsenen Ufer des Flusses Aisne. Als wir uns über einen schmalen Trampelpfad unseren Weg zum Zelt bahnen, haben wir tatsächlich das Gefühl, auf Safari zu gehen.

Wilde Tiere gibt es hier zwar keine, dafür aber wilde Kinder: Mit begeistertem Geheul stürzen sich unsere beiden auf herumliegende Äste und Steinchen und werfen sie in das wunderbar verwildert aussehende Gewässer. Anschließend nehmen sie die riesige Holzterrasse unseres Zeltes in Beschlag und spielen Schiff, während wir das Innere in Augenschein nehmen.

Das Zelt empfängt uns mit einem großen Koch- und Essbereich. Die Küchenzeile ist mir Gasherd und Kühlschrank ausgestatte, der massive Esstisch groß genug für ausgiebige Spieleabende. Dahinter liegt das Elternschlafzimmer mit großem Himmelbett. Eine Bretterwand und ein Vorhang trennen unseren Schlafbereich von dem der Kinder, einem gemütlichen Zimmerchen mit zwei Etagenbetten. Ein Bad mit luxuriöser Dusche macht das Ensemble komplett.

Möbel, Wände, Fußböden … alles ist aus dicken Holzbrettern gefertigt. Für den Fall, dass der Aisne mal über die Ufer tritt, steht das Zelt auf Stelzen. Das hat den lustigen Nebeneffekt, dass sich durch die Fugen zwischen den Holzplanken des Fußbodens Büsche und Bäume erahnen lassen. Wir sind begeistert. Anna-Lena und David lassen ihr Etagenbetten-Reich wahlweise als Ritterburg, Wohnwagen oder Drachenhöhle fungieren und verbringen Stunden mit Rollenspielen, während wir bei einer Tasse Tee genießen, mal nicht gefragt zu sein.

Für den Fall, dass den beiden die Abgeschiedenheit nicht mehr gefällt, ist es ein gutes Gefühl, die Zivilisation des Zeltplatzes in der Nähe zu wissen. Allerdings sind wir überrascht, wie wenig Bespaßung die beiden während unseres fünftägigen Aufenthalts einfordern. Als uns einsetzender Regen auf die Idee bringt, zum platzeigenen Indoorspielplatz zu gehen, wollen Anna-Lena und David schon nach einer Stunde zurück zum Zelt. Sonst verlassen die Racker solche quietschbunten Plastikhöllen gar nicht mehr freiwillig. Aber offenbar übt unser kleines Refugium aus Holz und Zeltplanen eine noch größere Anziehungskraft auf die beiden aus.

Mir geht es ähnlich. Wenn da nur nicht Petrus wäre, der offensichtlich etwas gegen meine Mutation zum Camper hat. Als in der zweiten Nacht Platzregen gegen unsere Zeltplane prasselt, finde ich das noch irgendwie romantisch – genauso wie die quakenden Frösche und Vögel, die unseren Schlaf begleiten. Als dann aber in der letzten Nacht die Temperaturen in Vergleich zu den anderen Nächten um gut zehn Grad fallen und wir fröstelnd unter unseren dicken Bettdecken liegen, kommen doch wieder Zweifel an solchen Abenteuern auf. Mein Fazit: Glamping ist klasse. Aber vielleicht sollten wir uns bei unserem Wetterglück das nächste Mal nach Südeuropa aufmachen.

Infos zum Campingplatz „Camping la Croix du Vieux Pont“:

Shopping

Der Morgen auf „Camping la Croix du Vieux Pont“ beginnt mit einem Spaziergang über die taufrischen Wiesen zum Bäcker des Zeltplatzes. Dort gibt es Baguettes und Croissants in zahlreichen Varianten. Der Supermarkt gleich nebenan bietet ein kleines Sortiment, mit dem sich theoretisch durch den Urlaub kommen lässt. Für eine solide Grundausstattung ist aber eher der Supermarkt des kleinen Örtchens Vic-sur-Aisne zu empfehlen.

 Ausstattung

Auf dem Gelände gibt es Waschmaschinen und Trockner. Im familienfreundlichen Restaurant des Zeltplatzes lassen sich Kindermenüs bestellen, und es stehen Hochstühle bereit. Der Campingplatz verfügt über drei Pools: zwei überdachte und beheizte Becken samt Wasserrutschen separatem Kinder- und überdachtem Kleinkinderbecken. Der dritte Pool ist eine Outdoor-Lagune mit feinem künstlichem Sandstrand. Strand und Lagune lassen sich von der Terrasse des Restaurants aus gut überblicken. In der Küche gibt es einen modernen Gasherd und genügend Sitzplätze fürs Essen mit der Familie.

Im Multisport-Bereich besteht die Möglichkeit, Sportarten wie Fußball, Basketball und Volleyball nachzugehen. Hinzu kommen: Kinderspielplätze, Indoorspielplatz, Go-Kart-Kurs, Kegelbahn, Lasergame, Minigolf, Bogenschießen, Kletterwand und Mini-Club. Die Mitarbeiter des Beauty-Zentrums bieten verschiedene Behandlungen und Massagen sowie Sauna, Solarium und Maniküre an. Auch ein Friseur ist auf der Anlage zu finden.

Umgebung

Vic-sur-Aisne liegt sehr ländlich zwischen Wiesen und Feldern. Die nächste größere Stadt ist Soissons. Sie befindet sich etwa 15 Autominuten entfernt und lohnt sich für einen Bummel durch diverse Geschäfte und einen Besuch ihrer Kathedrale. Für eine kleine Stärkung können wir die Brasserie „Le Clovis“ an der Rue du Commerce 5 empfehlen. Dort gibt es feine Tees, leckeres Eis und riesengroße Cookies.

Rund 20 Minuten entfernt von Vic-sur-Aisne liegt eines der beeindruckendsten Schlösser Frankreichs. Das Château de Pierrefonds wurde im 12. Jahrhundert erbaut und 1860 von Napoléon III restauriert. Von 2008 bis 2012 war das Schloss Drehort für die Jugendserie „Merlin” mit John Hurt.

Frankreichs Hauptstadt ist rund 100 Kilometer entfernt und ein lohnenswertes Ziel für einen Tagesausflug. Vom Campingplatz aus gibt es einen Shuttleservice nach Paris – und auch zum Disneyland vor den Toren der französischen Metropole.

Mehr Informationen: canvasholidays.de