Britta Teckentrup ist eine der bekanntesten deutschen Illustratorinnen. Wir sprachen mit der Künstlerin darüber, woher sie ihre Ideen nimmt, was ein gut illustriertes Kinderbuch ausmacht und wie man Illustrator wird.

Was finden Sie wichtig bei einer Kinderbuchillustration?

Das perfekte Buch ist für mich persönlich eines, das den Kern der Kindheit sowohl im Kind als auch im Erwachsenen anspricht, eine tiefe Emotion.

Wie viele Kinderbücher illustrieren und schreiben Sie im Jahr?

Zu viele, weil ich so schlecht Nein sagen kann. Es sind schon so acht, neun, zehn, aber ich versuche nicht zu viele aus einem Bereich zu machen. Das heißt, es gibt ein paar für die ganz Kleinen aus Pappe, dann ein paar Herzensprojekte und ein paar ganz „klassische“ Kinderbücher.

Ihre Illustrationen haben oft einen fast nostalgischen Touch, als wären sie in den 1970er Jahren entstanden…

Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich in den 70ern aufgewachsen bin. Im Moment liegt dieser Stil ein bisschen im Trend, aber ich arbeite schon immer so. Und natürlich stelle ich mir oft die Frage, warum ich so arbeite, wie ich arbeite, aber das liegt bestimmt auch daran, dass ich im Kindesalter so geprägt wurde und unbewusst Dinge aufgreife, zum Beispiel wie die Muster damals aussahen, die Tapeten, und auch dass die Kinderbücher vielleicht etwas düsterer waren.

Hat dieser Stil einen bestimmten Namen?

Nein, das ist eine Mischung aus digitalen und handgemachten Collagen. Ich sitze erst im Chaos mit ganz vielen Monotypien und ganz viel bedrucktem Papier, dann schneide ich mir Formen aus zum Beispiel Bäume und Figuren. Die scanne ich anschließend wieder ein und bearbeite sie weiter.

Warum ist gerade das Buch „Nachts, wenn alles schläft…“ ein Herzensprojekt von Ihnen?

Die Bilder zu dem Buch habe ich schon vor vier oder sogar fünf Jahren angefangen zu malen. Sie haben mich also eine ganze Weile begleitet. Ich habe sie in meinem Kopf immer weiter entwickelt und auch die Geschichte hat ganz verschiedene Stadien durchlaufen, darum ist es ein Herzensprojekt.

Haben Sie schon einmal ein Buch für Ihren Sohn gemacht?

Speziell für ihn noch nie. Aber ich habe einmal ein Wimmelbuch gemacht und da musste ich ihn und seinen Freund als Charaktere einbauen (lacht).

Woran merkt man, dass man Talent zur Illustratorin hat?

Ich habe das gar nicht gemerkt. Es ist einfach passiert. Ich bin nach dem Abitur nach England gegangen und habe dort einen einjährigen Foundation Kurs belegt, in dem man alles ausprobieren kann von Freier Kunst, Illustration, Fotografie über Modedesign. Man macht in jedem Bereich ein Projekt und kriegt so für sich raus, welches Fachgebiet man weiter machen möchte.
Damals wollte ich eigentlich Freie Kunst studieren, habe mich aber mit 18, 19 nicht getraut und erst einmal Illustration studiert. Danach machte ich noch den Master in Freier Kunst.

Nach meiner Erstausstellung im Rahmen meines BA’s kamen bereits viele Kinderbuchverlage auf mich zu und wollten mit mir ein Buch machen. Die haben wohl schon viel früher in meinen Arbeiten erkannt, was ich noch gar nicht gesehen habe.
Danach habe ich ganz lange beides gemacht: freie Kunst und Illustration. Erst seit drei oder vier Jahren kommt das so zusammen, wie eben bei diesem Buch „Nachts wenn alles schläft…“, so dass ich das gar nicht mehr getrennt sehe, sondern als eine Einheit.

Die schönsten Vorlesebücher fürs Zubettgehen findet ihr hier.

 

Britta Teckentrup
Die Illustratorin Britta Teckentrup; @privat

Britta Teckentrup wurde 1969 in Hamburg geboren, studierte am Saint Martins College of Art und am Royal College of Art in London Kunst und Illustration. Nachdem sie 17 Jahre in England verbracht hat, lebt sie heute mit ihrem Sohn Vincent und ihrem Mann in Berlin. Es sind bereits über vierzig Kinderbücher von ihr in mehr als zwanzig Ländern erschienen.

Aufmacherbild: Illustration Britta Teckentrup aus dem Buch „Nachts, wenn alles schläft“, Prestel Verlag