„Strong Is The New Pretty“ – so heißt das Projekt der Fotografin Kate T. Parker.  Die in Atlanta lebende Mutter zweiter Töchter porträtiert für ihre Bildserie Mädchen von einer anderen Seite: nicht immer nur lieb und süß, sondern gerne frech, wild und stark. Ihre besten Arbeiten sind nun auch als Bildband erschienen. Grund genug mit Kate T. Parker über das neue Mädchenbild zu sprechen und welche Werte sie ihren eigenen Töchtern mitgibt.

Mädchen sind süß, ja klar. Auch frech dürfen sie sein – wir sind ja nicht von gestern, oder? Aber stark und wild? Das sind immer noch Attribute, bei denen wir an Jungs denken. Zeit, weiter aufzuräumen mit den Schubladen im Kopf. Selbstbewusstsein und Gleichberechtigung beginnen mit den Rollen, die wir als Kinder lernen – oder auch nicht. Lassen wir unsere Kinder sein, wie sie sind? Welches Bild sehen wir in den Medien? Hat sich da wirklich so viel getan? Es gehört mehr dazu, als eine Barbie, die es jetzt – endlich, aber gleichzeitig auch zu spät! – in mehreren (Kleider-)Größen gibt. Es gehört vor allem dazu, dass wir uns wieder in Individualität verlieben – in die unserer Kinder, in unsere eigene. Es geht darum, Kinder darin zu bestärken, zu sich selbst zu stehen – auch wenn es für uns Eltern manchmal unbequem ist.
Kate T. Parker aus Atlanta weiß viel von starken Mädchen. Sie ist eines, sie ist Mutter von zwei Mädchen und sie fotografiert regelmäßig Mädchen für ihre fortlaufende Bildserie. Kate mag Gegensätze, Marathonlaufen und roten Lippenstift – und hat die Energie und den Tatendrang einer Pippi Langstrumpf.

„Stark ist das neue Schön“ – wie bist du auf diese Idee gekommen, Kate?

Vor drei Jahren habe ich angefangen, meine Töchter jeden Tag zu fotografieren, als 365-Tage-Projekt. Sie waren zu diesem Zeitpunkt vier und sieben Jahre alt. Schnell habe ich gemerkt, dass mich die Fotos am meisten bewegen, auf denen sie ganz sie selber waren, nicht versucht haben, für die Kamera besonders schön oder liebenswert zu sein.

Sport ist in Ihren Bildern ein großes Thema; die Mädchen werden beim Fußball und Baseball gezeigt, was im klassischen Verständnis immer noch Jungsdomänen sind. Geht es darum, auch Jungsterrain zu erobern, tough zu sein?

Die Mädchen spielen leidenschaftlich gerne Fußball, wie ich als Kind. Am Anfang war mir das deshalb gar nicht so recht – macht es bloß nicht, nur weil ich es auch gemacht habe, bat ich sie. Aber genau darum geht es eigentlich nicht: Jungen- oder Mädchen- Sportarten oder das, was die Mutter will oder nicht will. Es geht darum, dass die Kinder herausfinden, was sie möchten. Darin ermutigt zu werden, die eigene Persönlichkeit zu leben, egal ob diese eher wild oder zurückhaltend ist oder beides, das ist wichtig. Es gibt so viele verschiedene Arten von Stärke. Sport ist für mich ein spannendes Thema. Dadurch bekommt man Selbstbewusstsein. Gerade fotografiere ich Mädchen beim Ballett.

Was möchten Sie Ihren Töchtern mitgeben, welche Werte sind Ihnen besonders wichtig?

Ich möchte ihnen einfach vorleben, glücklich zu sein. Und sich für daseinzusetzen, was sie tun möchten und was ihnen wichtig ist. Sie sollen lernen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht von den Erwartungen anderer beeinflussen zu lassen. Es gibt kein Rezept dafür, eine Frau zu sein. Genau davon müssen wir weg.

Wie war das in Ihrer Kindheit: Wurden Sie eher frei erzogen?

Ja, ich war ein richtiges Jungsmädchen. Und meine Eltern haben mich immer machen lassen. Es hieß nie: Du darfst deine Haare nicht abschneiden. Ich glaube, wenn man ermutigt wird, so zu sein, wie man ist, dann entwickelt man daraus Stärke und Selbstbewusstsein für das ganze Leben. Ich habe mich immer für meine Leidenschaft eingesetzt, so konnte ich auch als Fotografin Fuß fassen. Fake it, until you make it war mein Motto und ich hatte wenig Angst vor neuen Herausforderungen. Auch wenn ich jetzt mit einem großen Team am Set bin, kommt mir das zugute. Ich weiß, wo die Reise hingeht, und habe keine Angst, den Takt anzugeben. Nur wenn ein Team sich auf den Fotografen verlassen kann, kann es gut arbeiten.

Text und Interview: Sonja Seifert