Wir Deutschen gehören ja nicht unbedingt zu den glücklichen Nationen der Welt. Die Autorin Maike van den Boom wollte wissen, was andere Länder besser machen und was wir von ihnen lernen können. Dazu bereiste sie die 13 glücklichsten Staaten der Welt und schrieb „Wo geht’s denn hier zum Glück?“, das jetzt auch als Taschenbuch erschienen ist.

Wie werden wir glücklich?
Im World Happiness Report, den Wissenschaftler der New Yorker Columbia Universität seit 2012 jährlich veröffentlichen, liegt Deutschland immer relativ weit hinten. Wir sprechen mit Maike van den Boom darüber, warum das so ist, was andere Länder besser machen und vor allem auch, wie wir das Glück unserer Kinder befördern können.

#1 Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig
Van den Boom ist davon überzeugt, dass es Faktoren gibt, die auf alle „Happy Länder“ zutrifft. Einer davon ist gegenseitiges Vertrauen. „Werden Deutsche gefragt, ob sie ihren Mitmenschen vertrauen können, antworten 38 Prozent mit Ja. In Dänemark dagegen glauben an die 70 Prozent an gegenseitiges Vertrauen. Dementsprechend einfacher und unbeschwerter ist dort das Zusammenleben“, erklärt Maike van den Boom. Die Dänen sind in der Beziehung tatsächlich lässig und umkompliziert. Es reicht ein Handschlag als Arbeitsvertrag, will man ein Haus kaufen, gibt es ein formloses Schriftstück, viele lassen ihre Haustüren tagsüber offen stehen. „Wenn ich anderen nicht richtig vertraue, will ich natürlich mehr Regeln haben und brauche jede Vereinbarung schwarz auf weiß“, meint van den Boom.

#2 Ohne Mitmenschlichkeit fehlt Glück
Maike van den Boom ist überzeugt, dass auch Mitmenschlichkeit die allgemeine Glücksbilanz stärkt. „In Südamerika habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich nicht nur der Familie und den Freunden verbunden fühlt, sondern jedem, dem man auf der Straße begegnet. Die Leute sehen sich als Gemeinschaft. Und auch in Skandinavien gilt der Grundsatz: Du bist genauso viel wert wie ich. Keiner stellt sich dort über den anderen.“ Dieses Wir-Gefühl, glaubt sie, fehle den Deutschen. Und auch die Gelassenheit, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. „Vielleicht ist es der Perfektionismus, der uns im Weg steht. In anderen Ländern muss es eben nicht das perfekt modellierte Kind sein, der perfekte Garten oder das perfekte Auto. In Südamerika haben mir viele Menschen gesagt: Ihr braucht in Deutschland all diese Statussymbole, weil ihr die Zwischenmenschlichkeit verloren habt. Ich denke, da ist sehr viel Wahres dran“, erklärt die Autorin.

#3 Kindern zum Glück verhelfen
Egal, was das eigene Glücksbarometer gerade anzeigt: Alle Eltern wollen aus einem inneren Bedürfnis heraus das Glück ihrer Kinder fördern. Wie lässt sich das erreichen? „Ich denke, es ist wichtig, den Kinder das vorzuleben, was man ihnen mitgeben will. Und natürlich ist es leichter für sie, glücklich zu werden, wenn auch die Eltern glücklich sind“, meint Maike van den Boom. Doch selbst wenn zu Hause alles prima läuft, mit Eintritt der Schule ändert sich das oft, denn immer noch wird hier mehr Wert auf Leistung und Disziplin gelegt als auf Freude am Leben. „Ich hadere oft mit dem deutschen Schulsystem. Meine Tochter geht auf eine Montessorischule und darüber bin ich sehr froh. Dort wird anders unterrichtet“, erklärt van den Boom.

#4 Schule geht auch anders
In Norwegen geben immerhin 95 Prozent der Schüler bei Befragungen an, dass sie sich während der gesamten Zeit ihrer schulischen Ausbildung wohlfühlen. Und wir blicken bei jeder Neuveröffentlichung der PISA-Studie wieder staunend auf unsere nordischen Nachbarn und darauf, was sie besser machen und wie sie es machen. „Bei uns fehlt das Ganzheitliche in der Schule. In Ländern wie Finnland, Schweden oder Norwegen wird die emotionale Entwicklung der Kinder viel stärker berücksichtigt“, kritisiert die Autorin. „Dort gibt es kleiner Klassen und Schulpsychologen, außerdem einen hierarchielosen Umgang zwischen Schülern und Lehrern. Sie pflegen eine Gemeinschaft als Basis, in der die Schüler sich angenommen und akzeptiert fühlen. Es ist erwiesen, dass Lernende in einem solchen Umfeld kreativer sind und schneller zu Lösungen kommen, denn glückliche Menschen nutzen ein viel größeres Potenzial ihrer Gehirnleistung.“

#5 Vertrauen in sich selbst ist für Kinder wichtig
Bei der Erziehung ihrer Tochter versucht Glücksexpertin Maike van den Boom eine Mischung aus Freiheit und Verantwortung weiterzugeben: „Ich denke, dass das Vertrauen in sich selbst glücklich macht. Also lasse ich meine Tochter Sachen machen, bei denen ich selber denke: Oje! Allein mit dem Fahrrad in die Schule fahren zum Beispiel. Für mich ist das schwer auszuhalten, aber da muss ich durch. Lieber hat sie mal ein gebrochenes Bein als ein gebrochenes Selbstbewusstsein, denke ich mir.“
Und was ist ihr noch wichtig in der Erziehung? „Dass meine Tochter Vertrauen in andere Menschen hat. Aber auch Respekt, Ehrlichkeit und Freiheit sind mir sehr wichtig. Sie soll den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen.“ Maike van den Boom stutzt kurz, bevor sie fortfährt: „Mal sehen, wie ich dazu stehe, wenn sie mir kurz vor ihrem Abi erklärt, dass sie die Schule schmeißt (lacht). Aber letztlich hat jeder ein Recht auf seine eigenen Fehler. Und diese Freiheit macht am Ende auch wieder glücklich!“

Maike van den Boom; Cover, Fischer Verlag 2016

„Wo gehts denn hier zum Glück“ ist gerade als Fischer Taschenbuch erschienen und kostet 9,99 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

Aufmacherbild: Wolf Gatow