Die Welt wächst zusammen und somit auch die Bevölkerung. In vielen Familien werden also gleich mehrere Sprachen gesprochen. Was sollten Eltern beachten, wenn sie ihre Kinder multilingual erziehen?

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Yenia mit ihrer Verlobten Paola und dem gemeinsamen Töchterchen Mia

In der Welt zu Hause
Yenia spricht mit ihrer zweijährigen Tochter Spanisch, Englisch und Deutsch. Diese drei Sprachen kommen in der Wirklichkeitswelt Yenias und ihrer Familie am häufigsten vor und Töchterchen Mia bekommt alles mit. „Sie kann ganz problemlos zwischen den Sprachen wechseln und versteht eigentlich alles.“ Grundsätzlich ist es immer positiv, wenn Kinder von ihren Eltern mehrere Sprachen lernen. So bekommen sie eine Sprache ganz natürlich mit und lernen diese organisch. Mehrsprachig aufzuwachsen ist also etwas völlig anderes, als später in der Schule oder Studium eine Sprache mithilfe von Vokabeln und Grammatikheft regelrecht zu ‚pauken‘.
Yenia Zaba ist selbst viel in der Welt herumgekommen und lebt mittlerweile in den Niederlanden. Ihr Job beim Streaming-Dienst Netflix hat sie hierher gebracht. Sie hat es immer genossen, sich problemlos auf unterschiedlichen Sprachen unterhalten zu können und so auch auf der Welt willkommen zu sein.

Probleme und Chancen von Mehrsprachigkeit
Auch Dr. Katharina Bremer, Studiendozentin am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg, ist der Meinung, dass Mehrsprachigkeit viele Möglichkeiten birgt. Sie forscht zum Erstspracherwerb bei Kindern und weiß, dass das Erlernen einer Sprache nicht mit einem herkömmlichen Lernprozess zu vergleichen ist. „Eine Sprache zu lernen, bedeutet immer auch die Aufnahme in die entsprechende Sprachgemeinschaft – mit ihren sozialen Normen, ihrer Kultur, auch: ihrer Tradition z. B. in Form von Geschichten, die jeder kennt usw.“ merkt sie an.
Dennoch warnt Bremer davor, dass sich Kinder für den Erwerb einer Sprache auch aktiv mit dieser auseinandersetzen müssen. Es muss genug qualitativ hochwertiger Input für das Kind da sein. Geschieht dies nicht, warnt Bremer vor einem Phänomen der „doppelten Halbsprachigkeit“. Dies würde bedeuten, dass Kinder keine der Sprachen, die sie stets hören, richtig beherrschen.

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Peppa Pig läuft auf Netflix

Mit den Möglichkeiten aber auch Problemen setzen sich aktuell auch Forscher und Medien auseinander. Yenia etwa erzählt davon, wie sie gemeinsam mit Mia englischsprachige Kinderserien schaut und hinterher mit ihr über beispielsweise „Peppa Pig“ redet. „Mia und ich schauen die Serie natürlich auf Englisch, also reden wir danach auch auf Englisch darüber.“ Netflix etwa bietet vielfältige Möglichkeiten, zwischen den Sprachen zu wechseln. Auch die Altersstufen sind variabel. „So kann Mia auch problemlos selber aussuchen, was sie schauen will. Dennoch kann ich eingrenzen, was sie sich anschaut.“ Da Yenia am Tablet genau einstellen kann, in welcher Altersgruppe sich Mia durchtippt, ist also keine Gefahr geboten, dass sie etwa im falschen Programm landet. Außerdem wird im Kinderbereich von Netflix keine Werbung gezeigt, die Oberfläche wurde kindgerecht gestaltet und bietet den Kids viele Freiräume. Allerdings wurde auch darauf geachtet, dass Inhalte zur Verfügung gestellt werden, die der gesamten Familie Spaß machen. Somit soll unterstützt werden, dass über das Gesehene gesprochen wird und Kinder nicht einfach nur passiv vor dem Bildschirm „hängen“.

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Noch einen Schritt weiter geht das Lernprogramm „Lingumi„. Mit diesem Programm sollen bereits Vorschulkindern Fremdsprachen näher gebracht werden. Lingumi fördert mit seinem spielerischen Ansatz die sprachliche und kognitive Entwicklung von zwei- bis fünfjährigen Kindern. Zusammen mit ihren Eltern lernen die Vorschulkinder in der Interaktion mit taktilen Elementen und einer Augmented Reality Technologie Fremdsprachen kennen. Entwickelt wurde das Programm unter anderem von Toby Mather. Mather studierte an der University of Oxford Literatur und Fremdsprachen. Seine Tätigkeiten als Lehrer und als Mitarbeiter von Online-Learning-Plattformen haben ihn besonders sensibel für das „Lernen an Oberflächen“ gemacht.  Sein Expertenwissen teil er gerne mit uns:

Tipps und No Gos beim Sprachenlernen mit Tablet und App von Toby Mather:

Toby Mather von Lingumi
Toby Mather von Lingumi

Um den Jüngsten Fremdsprachen per Bildschirm näher zu bringen gibt es ein paar hilfreiche Tipps, die es zu beherzigen gilt, sowie vermeidbare No Gos:

„Früh übt sich“ vs. Zu früh beginnen

Erste Schritte in einer neuen Sprache können bereits im Kleinkindalter gemacht werden. Zu früh sollte allerdings nicht begonnen werden. Geben Sie Ihrem Kind die Zeit, sich zunächst in der realen Welt zurechtzufinden, bevor Sie sich mit ihm vor den Bildschirm setzen. Im Alter von etwa zwei Jahren können Sie behutsam damit beginnen, Ihr Kind altersgerecht an digitale Medien heranzuführen.

Spielerisch lernen vs. Kinder unter Druck setzen

Wir Erwachsene müssen uns mit trockenen Grammatikübungen herumschlagen, um eine Sprache zu lernen – Kleinkinder überspringen dies aufgrund ihrer kognitiven Fähigkeiten spielerisch und sollten nicht zur Grammatikkunde gezwungen werden! Stattdessen lernen die Jüngsten Sprachen am besten durch spielerische Interaktion und dem Einbinden vieler Sinne. Kleinkinder haben allerdings nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne und sollen nicht unter Leistungsdruck gesetzt werden. Deshalb haben wir unser Sprachenlernset Lingumi so konzipiert, dass die einzelnen Lerneinheiten maximal 15 Minuten dauern und der Nachwuchs auch nicht mehr als insgesamt eine Stunde am Tag mit Lingumi spielen kann.

 Gemeinsame Interaktion vs. Kinder vor dem Bildschirm „parken“

Kinder lernen Sprache am besten, wenn sie aktiv mit ihr interagieren. Ihr Nachwuchs ist also darauf angewiesen, mit Ihnen oder anderen Personen in der jeweiligen Sprache zu kommunizieren. Es bringt nichts, Kleinkinder einfach nur vor dem Bildschirm zu „parken“ und sie fremdsprachiges Fernsehen schauen zu lassen. Das Gegenteil ist der Fall: Je mehr Zeit Kleinkinder unbeaufsichtigt vor dem Fernseher verbringen, umso langsamer sind sie in ihrer Sprachentwicklung, wie zwei koreanische Wissenschaftler herausgefunden haben.

Steter Tropfen höhlt den Stein vs. Sofort Ergebnisse erwarten

Das Geheimnis beim Sprachenlernen ist – ähnlich wie beim Klavierlernen – die Kontinuität: Übung macht den Meister! Erwarten Sie also nicht sofort nach der ersten Lerneinheit Ergebnisse, sondern geben Sie Ihrem Kind die Zeit, sich an die Sprache heranzutasten und sorgen Sie für Regelmäßigkeit. Kurze regelmäßige Lerneinheiten ermöglichen, dass sich die Lernerfolge festigen und langfristig im Gehirn gespeichert werden.

Titelbild: Christopher Futcher/ istock.com