Habt ihr euch schon mal „Neue Musik“ angehört? Nein – nicht die neusten Charts! Neue Musik bezeichnet gegenwärtige Strömungen klassischer Musik und kann für die Ohren recht…sagen wir ‚herausfordernd‘ sein. In einem Werbeclip für das neuste Projekt der KNM Berlin wurde nun versucht, einen anderen Zugang zur schweren Kost zu bieten – mit Kids in der Hauptrolle.

Neue Musik hat wenig mit konventionellen Harmonien oder gefälligen Melodien zu tun. Ganz im Gegenteil: Der Klang steht im Vordergrund und wird erforscht und auseinander genommen. Neue Musik will aufrütteln, verwirren, irritieren und zupacken. Das ist insgesamt ambitioniert aber alles andere als massentauglich.
Das neue Projekt der KNM Berlin (Kammerensemble Neue Musik) „Die Welt nach Tiepolo“ sollte nun beworben werden. Eine Studierendengruppe des Instituts für Kultur- und Medienmanagement in Hamburg hat sich dieser Aufgabe angenommen und sich ebenfalls an neuen Klassikern orientiert – wenn auch an Klassikern des alltäglichen Internetlebens. Wir haben mit Jonathan Pengl über den von ihm und seinen Kommilitonen entwickelten Clip für die KNM Berlin gesprochen.

lunamag: Wie seid ihr auf die Idee eures Clips gekommen?

Jonathan Pengl: Wir sind für das gesamte Marketing des KNM-Projekts „Die Welt nach Tiepolo“ zuständig – also auch sämtliche Aktivitäten im Social Media Bereich. Da Neue Musik etwas sperrig ist, ist es gar nicht so einfach, sie auf Facebook unterzubringen. Wir brauchten also etwas, dass das Interesse weckt, aber eben auch so etwas wie „Cat Content“ liefert. Also haben wir uns für einen Clip mit Kindern entschieden.

Kinder bekommen Neue Musik vorgespielt..scheint zu gefallen..
Kinder bekommen Neue Musik vorgespielt..scheint zu gefallen..

Kinder also als Lockmittel?

Ja genau. Allerdings nicht nur. Klar, die Kids im Clip sind süß und kommen super rüber. Aber vor allem bieten sie noch mal einen anderen Zugang zur Neuen Musik, denn sie sind völlig unvoreingenommen. Sie reagieren echt und ungekünstelt. Wenn sie die Musik irritierend finden, zeigen sie es auch.

Anders als Erwachsene?

Erwachsene trauen sich das manchmal nicht. Sie wollen nicht zugegeben, dass sie Neue Musik vielleicht nicht verstehen oder sie ihnen nicht behagt. Kinder sind da ganz anders. Das fanden wir spannend. Vor allem weil die Kinder nach dem Vorspiel genau das beschreiben, was Neue Musik auslösen will: Starke Emotionen!

Wir finden, dass der Neuen Musik ein bisschen Ironie ganz gut steht. Und wir müssen zugeben: Der Niedlichkeits-Faktor der Kids hat uns sofort eingefangen. Aber schaut es euch selber an:

Unsere Lieblingsantwort: Die Musik klingt wie das ungute Gefühl, bevor man seine Klassenarbeit zurückbekommt. Erstens kennt dieses Gefühl jeder und zweitens finden wir, dass hier die durch die Musik ausgelösten Emotionen sehr treffend beschrieben wurden: Eine Mischung aus schrecklicher Vorahnung und Furcht. Aufwühlend eben – genau das, was die Neue Musik also möchte.

Falls ihr testen wollt, ob Neue Musik bei euch ähnliche Emotionswallungen auslöst: Die Konzertreihe geht gerade erst los. Infos findet ihr hier. Ein Konzert für die Kids ist das allerdings nicht. Wobei die KNM-Musiker sich durchaus um den Nachwuchs kümmern: Sie gehen in Schulen und versuchen den Schülern und Schülerinnen Klänge und Töne auf unkonventionelle Art und Weise näher zu bringen. So wird nicht nur das junge Ohr geschult, sondern auch die Experimentierfreude geweckt. Gute Sache!

Bilder und Video: KNM Berlin
Titelbild: unsplash.com/Larisa Birta