Was tun, wenn man einen mäkeligen, kleinen Esser zuhause hat der sich am liebsten von Nudeln mit Tomatensoße oder Wiener Würstchen mit Weißbrot ernährt? Wir haben ein paar Tipps, wie ihr die Geschmacksnerven anregen könnt und Streit am Esstisch vermeidet…

Nimm dir ein Beispiel
Erinnert ihr euch an die Sprüche der Großeltern, wenn man etwas nicht essen wollte? „Die armen Kinder in Afrika, die würden sich über so etwas Leckeres freuen“ zum Beispiel? Und wie man genau diese Sprüche selbst als Kind gehasst hat? Das Ergebnis der moralischen Ansprache wird bestimmt nicht sein, dass der Nachwuchs ganz plötzlich seine Liebe zu Rosenkohl oder Brokkoli entdeckt. Vergleiche mit anderen Kindern (egal wo sie leben und wie schlecht es ihnen tatsächlich gehen mag) kann man sich also bei Tisch einfach sparen. Viel besser ist es zu fragen: Findest du nicht auch, dass der Brokkoli ein bisschen nach Mandeln schmeckt? So stehen die Chancen um einiges besser, dass aus Neugier doch einmal gekostet wird.

Bestechung erlaubt
Starkoch Jamie Oliver versucht es bei seinen Kindern mit kleinen Tricks: „Eine gute Taktik ist, die Kinder außerhalb der normalen Essenzeiten davon zu überzeugen, dass etwas ein Leckerbissen ist. Bei meinen Kindern funktioniert das, nachdem sie sich abends im Bad fertig gemacht haben aber noch nicht ins Bett gehen wollen. Dann probieren sie gern mal ein Stück Spargel oder eine Bohne wenn das gleichzeitig bedeutet, dass Daddy davon abgelenkt wird, sie sofort ins Bett zu schicken. Außerdem stelle ich immer schon zehn Minuten bevor ich das Essen serviere eine Schüssel einfachen Salat auf den Tisch – wenn sie hungrig genug sind dann fischen sie sich etwas heraus solange sie warten.“

Young Girl Picking Fresh Carrots From The Garden

Was ist denn das?
„Kinder essen nur das, was sie auch kennen“, sagt TV-Köchin Sarah Wiener, die sich mit ihrer Stiftung und der Initiative „Ich kann kochen“ für gesunde Ernährung von Kindern einsetzt.
Wenn Kinder sehen, wie und wo die Zucchini wächst, wie man Brokkoli erntet oder Karotten zieht, dann haben sie auch mehr Lust, gerade dieses Gemüse einmal zu probieren. Wer Platz auf dem Balkon hat, kann das mit ein paar Erbsen, Bohnen (wachsen sehr schnell) oder sogar mit einer Zucchinipflanze ausprobieren, die fast überall gedeiht. Es lassen sich auch in einem großen, tiefen Topf Kartoffeln anbauen. Gemeinsam säen, ernten und verarbeiten kann ganz neue Geschmacks-Vorlieben bei Kindern entstehen lassen.

istock; 2017

Familienprojekt Einkauf
Wer keine Möglichkeit hat etwas Wachsen zu lassen, der kann zumindest gemeinsam mit den Kindern Gemüse und Lebensmittel einkaufen. Was sie sich selbst an der Theke aussuchen dürfen schmeckt natürlich auch viel besser, als das was Mama fertig auf den Tisch bringt. Auf dem Wochenmarkt ist der Einkauf noch spannender, denn hier gibt es meist viel mehr Auswahl, man kann das Angebot vergleichen – und auf den Geschmack kommen.

Zusammen macht es mehr Spaß
Ja, es ist anstrengend. Und: Ja, die Küche muss danach vielleicht noch etwas gründlicher geputzt werden. Aber gerade bei mauligen Essern lohnt es sich, einen gemeinsamen Kochabend pro Woche einzuplanen. Grundvereinbarung sollte aber sein, dass auch etwas Gesundes oder noch Unbekanntes auf den Tisch kommt und nicht nur immer eine der drei oder vier Lieblingsspeisen. Schmetterlingsnudeln mit Erbsen in Zitronen-Sahnesoße, Gnocchi mit selbstgemachtem Spinat-Kräuterpesto, zum Nachtisch Quark mit frischen Himbeeren oder Blaubeeren… Was gemeinsam geschnippelt, gekocht und angerichtet wurde schmeckt doch gleich viel besser.

istock; 2017

Ein gutes Vorbild
„Welche Nahrung wir mögen und welche wir als ungenießbar ablehnen, ist das Ergebnis unserer Sozialisation innerhalb einer bestimmten Esskultur“, schreibt die Autorin Diana von Kopp in ihrem Buch „Die Kunst des klugen Essens“ (Hanser Verlag). Tatsächlich haben Wissenschaftler genau das bewiesen. Kinder kopieren beim Essen ihre Eltern. Was diese essen, muss gut sein, so die Überlebensregel der Kleinen. Dazu meint Starkoch Jamie Oliver in seinem Blog: „Ihre Kinder kopieren und lernen von Ihnen. Bieten Sie eine Auswahl verschiedener Gerichte bei den gemeinsamen Mahlzeiten an. Wenn die Kinder sehen, dass Sie selbst etwas essen, werden sie das viel eher probieren.“ Viele Rezepte zu einfachen, neuen Gerichten die auch Kindern schmecken findet man auf der Seite des Starkochs jamieoliver.com

Nicht aufgeben
Kinder am Tisch zum Essen zu drängen hat geringe Erfolgsaussichten. Bis sie tatsächlich etwas mögen oder zumindest als angemessenes Nahrungsmittel akzeptieren dauert es oft eine ganze Weile. Jamie Oliver weiß als fünffacher Vater, wovon er spricht: „Es ist für Kinder völlig normal, dass sie Phasen durchmachen in denen sie Sachen mögen oder eben nicht. Auch wenn es frustrierend ist, das gehört mit zum Großwerden. Wenn ein Gericht nicht der Hit ist helfen nur Ausdauer und Geduld. Versuchen Sie es drei, zehn, zwanzig Mal bis Sie vielleicht Erfolg haben. Und machen Sie bloß kein Drama draus. Nicht Gegessenes abservieren ohne einen Kommentar ist der beste Weg. Vielleicht kommen die Kinder noch auf den Geschmack – und wenn sie nie Fan eines bestimmten Gerichts werden ist es auch ok.“

Bilder:istock