Alle reden über „hygge“. Aber was bedeutet das eigentlich? Wir verraten euch alles über das dänische Glücksprinzip und wie ihr es in eurer eigenen Familie leben könnt.

Ach, die Dänen! Fast jedes Jahr erreichen sie im Ranking der glücklichsten Länder weltweit den ersten oder zumindest einen der ersten Plätze. Aber was genau macht sie so glücklich? Ein entscheidender Faktor für ihr Wohlbefinden ist das Phänomen „hygge“. Wann immer es geht, macht man es sich in diesem kleinen Land „hyggelig“. Doch was genau verstehen die Menschen in Dänemark darunter? Es nur mit „gemütlich“ zu übersetzen, wird dem Ganzen nicht gerecht.

Der Anthropologe Jeppe Trolle Linnet, ein Spezialist in Sachen „hygge“, erklärt: „Wenn Dänen davon sprechen, dass ein Zusammentreffen hyggelig ist, heißt das auch, dass niemand unterschiedliche Meinungen über Politik, die wirtschaftliche Entwicklung oder Kindererziehung diskutiert. Konflikte oder konfliktbeladene Ansichten gelten nicht als hyggelig. Wenn jemand nicht dieser Meinung ist und doch eine Diskussion beginnt, kann man sich darauf verlassen, dass sie schnell mit einem Spruch beendet wird. Oft kommt dabei der typisch dänische, etwas sarkastische Humor mit ins Spiel.“

Ganz entscheidend für das Prinzip „hygge“ ist außerdem ein vertrautes, familiäres Umfeld. Hier sind ein paar Tipps, wie ihr als Familie den „Danish Way of Life“ für euch entdecken könnt:

Erst mal runterfahren
Damit überhaupt eine gemütliche Atmosphäre entstehen kann heißt es zu allererst: Handy, Tablet etc. ausschalten. Es wird ab sofort nur über Schönes und Angenehmes gesprochen. Streitthemen werden bewussst vermieden. Für uns Eltern heißt das, dass bestimmte Fragen verboten sind, wie zum Beispiel:  „Wie war es in der Schule?“ oder „Warum hast du schon wieder nicht daran gedacht, deine Schultasche in dein Zimmer zu räumen?“ Auch wichtig: Jeder darf ausreden. Das Prinzip „hygge“ steht nämlich auch für Achtsamkeit – sich und anderen gegenüber. Gemeinsames Erzählen und aufmerksames Zuhören ist also ein erster Schritt.

Zusammensein ist das Schönste
Familie ist den Dänen sehr wichtig. Und so ist ihr Lebensglück auch eng damit verbunden. Jeppe Trolle Linnet sagt: „Der Familienzusammenhalt ist ein vielversprechender Ansatz, um das Phänomen hygge in seiner grundlegendsten Form zu verstehen. Wenn wir etwas als hyggelig bezeichnen, wird immer auch eine gewisse Vorstellung von Heim und Familie mitgedacht.“
Also egal, was wir mit unseren Lieben machen, ob wir uns bei einem Brettspiel amüsieren, zusammen Essen oder einen gemeinsamen Spaziergang unternehmen – all das verdient das Prädikat „hyggelig“.

Gemeinsam schaffen wir mehr
Kinder machen gerne etwas in der Gruppe. Sie sind von klein auf echte Teamworker. Damit entsprechen sie ohne sich zu verbiegen dem dänischen Hygge-Prinzip. Etwas gemeinschaftlich erledigen gehört nämlich unbedingt dazu. Zusammen Kekse backen, den Tisch decken, einen Sonntagsbrunch oder einen Grillnachmittag zu dem man Freunde eingeladen hat vorbereiten – all das finden Kinder toll und lieben es, dabei zu helfen und kleine Aufgaben zu übernehmen. Die Kleinen für diese Helferdienste und für ihre tolle Zusammenarbeit immer wieder ausdrücklich zu loben, bestärkt sie außerdem positiv.

Ich bin kurz mal weg
Ein „hyggeliges“ Familienleben kann natürlich nicht entstehen, wenn die Eltern gestresst sind. Mama oder Papa dürfen sich also ohne schlechtes Gewissen für eine Stunde ausklinken und ein entspannendes Bad nehmen oder einfach nur einen kleinen Mittagsschlaf halten. Danach können die Kinder dann wieder mit ganz relaxten Eltern rechnen.

Zurück zur Natur
Ja, die Dänen lieben die Natur und leben mit ihr. Schlechtes Wetter ist für sie kein Hinderungsgrund Zeit im Freien zu verbringen, schließlich gibt es entsprechende Kleidung. Mit den Kindern ohne zu Murren auch bei Nieselregen raus in den Wald zu gehen, mit ihnen am Fluss Steine ins Wasser werfen und sich so richtig auszupowern beim Fangen oder Verstecken ist eine gute Voraussetzung, damit es später Zuhause so richtig schön „hyggelig“ werden kann.

Kommt zusammen und habt Spaß
Geht es euch auch so? Eigentlich will man öfter Gäste einladen. Gerade mit Kindern ist es viel praktischer und entspannter wenn Freunde nach Hause kommen und man gemeinsam isst und quatscht, die Kinder können spielen und wenn sie abends müde sind, werden sie einfach ins Bett gebracht. Was hindert uns das öfter zu tun? Der Gedanke, dass bei einer Einladung alles perfekt sein muss! Die Wohnung aufgeräumt, sauber, adrett, das Essen superlecker und angerichtet wie im Kochbuch… Puh, anstrengend! Für die Dänen ist bei Einladungen weniger wichtig, wie Instagramtauglich das Drumherum aussieht. Worauf sie Wert legen, ist das Miteinander. Zeit mit Freunden verbringen als Schlüssel zu mehr Lebensglück? Klingt so einfach wie einleuchtend! Und alle werden sich eher an einen schönen Nachmittag oder Abend erinnern, als daran, ob die Wohnung perfekt dekoriert war.

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