„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Der lustige Postkartenspruch bekommt mit Kindern eine ganz neue Bedeutung. Auf der einen Seite will man die Kinder ständig ermutigen, zu malen oder zu basteln (und nicht zuletzt, weil dies ziemlich ruhige Tätigkeiten sind). Auf der anderen Seite kann man die produzierten Werke nicht alle aufbewahren, und man stellt sich die eingangs erwähnte Frage häufiger. Nicht so aber diese kanadische Künstlerin.

Ruth Oosterman findet, alles ist Kunst – ob es von Kindern kommt oder von studierten Künstlern. Auf Facebook sind wir vor kurzem auf ihre Videos  gestoßen, die zeigen, wie sie die Kunst ihrer Kinder in eigene Werke integriert. Die Frage, ob das Kunst sei, stellt sie gar nicht.  Jedes Bild ihrer Kinder wird ernst genommen, auch wenn nicht aus jedem eine Zusammenarbeit entsteht.  Meistens lässt sie Ihren Kindern erst freie Hand mit Pinsel und Farbe, bevor sie dann im zweiten Schritt daraus ein fertiges Bild macht. Manchmal geht der Prozess Hand in Hand, manchmal lässt sie ihre Kinder über eine ihrer Zeichnungen malen.

Ruth Oosterman illustriert Kinderbücher und verkauft Editionen ihrer Bilder im eigenen Onlineshop. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie es ist, mit Kindern Kunst zu machen.

Liebe Ruth, wann hast Du das erste Mal zusammen mit Deiner Tochter gemalt? Wie war diese erste Erfahrung?

Sobald Eve einen Stift halten konnte, haben wir auch zusammen gemalt. Aber erst kurz nach ihrem zweiten Geburtstag haben wir ganz spontan zusammen an einem Bild gearbeitet. „The Red Boat“ war unsere erste richtige Zusammenarbeit.  Es war einfach wunderschön zu sehen, wie Eve malt und wir zusammen etwas schaffen können. Das hat mich sehr für die Zukunft inspiriert!

Kinderkunst

Welche Farben und Materialien benutzt ihr?

Wenn wir zusammenarbeiten, benutzen wir meistens Wasserfarben, ab und zu aber auch Acrylfarben auf großen Leinwänden. Ganz klassisch benutzen wir dazu Pinsel, Schwämme oder auch Spachtel. Aber hin und wieder machen wir uns auch auf die Suche nach alternativen Werkzeugen und Hilfsmitteln, die wir im Haushalt finden. Das zündet noch mal ganz andere Ideen. Eve liebt es aber auch, Sticker, Knöpfe oder Glitzer in ihren eigenen Bildern zu verarbeiten.

Bist Du der Meinung, man sollte Kindern zeigen wie man einen Menschen, einen Vogel oder ein Haus malt?

Ehrlich gesagt, nein! Es liegt so viel Unschuld in ihrer Sicht der Welt, dass ich darauf noch keinen Einfluß nehmen möchte. Jeder Mensch nimmt seine Umwelt anders wahr, und ich möchte, dass meine Kinder das voll auskosten. Sie werden noch ihr ganzes Leben lang etwas beigebracht bekommen und lernen müssen, so dass ich sie in diesem Bereich noch eine Weile sich selbst überlassen will. Wenn sie mich allerdings darum bitten, dann erkläre ich Ihnen natürlich liebend gerne alles zur Farbtheorie oder bestimmten Techniken.

Welche Tipps hast du, wenn man mit seinen kleinen Kindern malen will?

Loslassen! Der erste Tipp, den ich Eltern gebe ist, die Angst vor der Unordnung loszulassen. Die Nervösität wird sich auf das Kind übertragen, und den Spaß für sie erheblich einschränken. Eltern sollten auch nicht ihr eigenes Können als Künstler in Frage stellen, denn dann zweifeln auch die Kinder an sich selber. Außerdem sollte man sich von allen Erwartungen lösen, die man hat, wenn man mit jemand anderem kreativ ist – vor allem mit Kindern! Werft alle Sorgen und Pläne über Bord, und genießt einfach nur den Moment mit eurem Kind. Genießt das Kichern und die Geschichten, die sie dabei erzählen.

Hier noch ein paar ganz praktische Tipps zum Malen mit Kindern von Ruth Oosterman:

1. Bereitet ein warmes Schaumbad zu, kurz bevor ihr anfangt zu malen.
2. Zieht eurem Kind (und am besten auch euch selbst) eine altes T-Shirt oder eine Malschürze an, die ohne Bedenken dreckig werden kann.
3. Deckt auch den Stuhl ab, auf dem das Kind sitzt. Ein altes Laken oder einer abwischbare Tischdecke eignen sich dafür.
4. Benutzt einen Farbkasten mit trockenen Wasserfarben, die ihr mit einer Sprühflasche benässt. So könnt ihr auf ein Wasserglas verzichten, dass eventuell umfallen könnte.
5. Stellt immer nur einen Pinsel oder ein Werkzeug nacheinander zur Verfügung.
6. Klebt das Papier mit Tape am Tisch fest. So kann euer Kind nicht testen, wie weit das Papier eventuell fliegen kann.
7. Feuchtücher oder Küchenkrepp solltet ihr parat haben, um eventuelle Kleckereien direkt aufzuwischen.
8. Wenn ihr fertig seid mit der Malerei, könnt ihr euer Kind direkt in die Badewanne setzen!

Denkt daran, dass es nicht um das Endresultat geht, sondern um den Prozess, den euer Kind möglichst ohne Kritik erleben sollte. Malen fördert die motorischen Fähigkeiten und bietet Gelegenheit, eurem Kind die Farbtheorie näher zu bringen.

Und am allerwichtigsten: habt Spaß dabei!

Vielen Dank Ruth für das Interview!