Das Projekt „Jugend hackt!“ klingt ein bisschen bedrohlich. „Hacker“ ist kein positiv konnotierter Begriff. Dabei ist das, was „Jugend hackt!“ macht, eine ziemlich gute Sache: Hier wird der Programmier-Nachwuchs gefördert und dabei versucht, die Welt ein bisschen besser zu machen. Wir haben Nana Schön, Botschafterin des Programms, interviewt.

„Jugend hackt!“ ist zwar noch recht jung: Die erste Veranstaltung fand 2013 in Berlin statt. Seitdem ist das Projekt stetig gewachsen. 2015 war der Andrang so groß, dass die Jungs und Mädels von „Jugend hackt!“ nicht nur in Berlin bleiben wollten, sondern sich in alle Himmelsrichtungen ausgeweitet haben. Ist auch ganz praktisch, wenn man nicht ganz bis nach Berlin reisen kann oder möchte. Im Juni findet „Jugend hackt!“ etwa in Hamburg und Frankfurt Main statt, im Oktober und November gibt es das Programm erstmalig auch in der Schweiz und Österreich.

So sieht das aus, wenn gemeinsam an einem Projekt getüftelt wird
So sieht das aus, wenn gemeinsam an einem Projekt getüftelt wird Foto: Leonard Wolf

„Jugend hackt!“ findet also wahnsinnig viel Anklang – kein Wunder: die Grundidee ist und war, den Programmiernachwuchs hierzulande zu fördern. Dieser scheint zahlreich in den Startlöchern zu brodeln – es bewerben sich immer viel mehr Kids, als tatsächlich mitmachen können. Einmal im Jahr findet in Berlin ein Wochenende lang ein Treffen mit 120 Jungs und Mädchen statt. Gemeinsam programmieren sie unter dem Motto „Mit Code die Welt verbessern“ in Berlin an unterschiedlichen Ideen herum. Dabei werden sie tatkräftig vom Team unterstützt – dieses arbeitet hauptsächlich ehrenamtlich. Nana Schön ist eine der Mentorinnen. Außerdem ist sie dieses Jahr Engagement-Botschafterin und ermutigt so andere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aller Art, sich zu engagieren. Wenn Nana mal nicht programmiert, steht sie als Mathe- und Physiklehrerin vor Schülern.

lunamag: Nana, es herrscht das Vorurteil, dass Programmieren und Informatik eher von Nerds betrieben wird.

Nana: Das halte ich für ein altes Vorurteil. Und wie Vorurteile so sind: sie haben nichts mit dem zu tun, was dahinter steckt.

Was steckt denn dahinter?

Programmieren ist wahnsinnig kreativ. Man kann eine Welt erschaffen, Probleme lösen, sich Spiele ausdenken und bei all dem seine ganz eigenen Vorstellungen umsetzen.

Das tut ihr auch bei „Jugend hackt!“, richtig?

Genau! Das Motto „Mit Code die Welt verbessern“ wird dabei nicht aus den Augen verloren. Wir entwickeln Apps oder Programme, mit denen jemandem geholfen wird oder die sich um die Umwelt kümmern.

Wie genau passiert das?

Bei unseren Events in Berlin kommen die ganzen Kids zusammen. Manche haben vielleicht schon Ideen, andere schließen sich den Projekten an, die sie interessieren. Am Ende arbeiten immer etwa 5 Kinder und Jugendliche an einer Idee. Wir MentorInnen sind dabei die ganze Zeit vor Ort und unterstützen die Kids. Der Höhepunkt ist die Präsentation an Schluss: Hier zeigen alle, woran sie die letzten Tage gearbeitet haben.

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Beim Abschluss-Event von „Jugend hackt!“ gibts auch Konfetti (Bild: Leonard Wolf)

Was fasziniert dich an „Jugend hackt!“?

Die Atmosphäre ist klasse! So viele tolle Leute an einem Ort, die alle kreativ und talentiert sind! Es entwickeln sich auch tolle Freundschaften und ich bin immer wieder erstaunt, was hierbei für tolle Projekte entstehen.

Um noch ein Vorurteil zu bedienen: Sind es mehr Jungs als Mädels, die bei euch an den Start gehen?

Nein, wir achten darauf, dass genauso viele Mädchen wie Jungs dabei sind. Aber auch darüber hinaus ist es tatsächlich ein reines Vorurteil, dass eher Jungs gerne und gut programmieren. In der Schule, bei „Jugend hackt!“ aber auch bei „CoderDojo“ (einem weiteren Projekt, das die Jüngsten bei ihren Gehversuchen in der Programmierwelt unterstützt, Anm. d. Red.) bemerke ich immer wieder, dass die Mädels da ganz vorne mit dabei sind. Häufig sind es die gesellschaftlichen Erwartungen, die Mädchen und Jungs kategorisieren. Schade, dass immer noch geglaubt wird, Computer sei Jungskram.

Wir sind begeistert von den tollen Projekten der Nachwuchs-Hacker und dem Engagement der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Wer Lust bekommen hat, auch bei „Jugend hackt!“ mitzumachen oder sich über die Events informieren möchte, schaut sich hier um.

Bilder und Titelbild: Open Knowledge Foundation Deutschland/ Leonard Wolf