Haben unsere Kinder wirklich die Freiheit, die sie brauchen? Oder verhindern wir vieles in ihrer Entwicklung, nur weil wir (oft unbegründet) Angst um sie haben? Fünf Strategien, die Kinder mutig und stark machen.

Lass sie eigene Erfahrungen machen

Ob wir Eltern es wollen oder nicht: wir setzen schon im Kleinkindalter Impulse, die unsere Kinder mutig oder ängstlich an Neues herangehen lassen. Wenn die Kleinen anfangen zu laufen, Treppen zu steigen, die Welt zu erkunden, erweitern sie ihren Horizont und lernen ihre eigenen Fähigkeiten und Kräfte kennen. Klar können sie mal auf den kleinen Windelpo plumpsen, oder auch mal beim Rutschen auf dem Spielplatz unsanft landen… Aber sie haben die ersten Schritte allein geschafft – und diese Erfahrung stärkt ihr Selbstvertrauen.
Das lässt sich auch auf ältere Kinder übertragen. Wer seinem Fünfjährigen, der voller Elan das Klettergerüst hochhangelt ängstlich hinterherruft „Pass auf! Sei vorsichtig! Halt dich gut fest!“, der bremst ihn ein. Es kostet natürlich Überwindung, nichts zu sagen. Aber wenn der Kletterer freudestrahlend und stolz wieder herunter kommt, hat es sich doch gelohnt, oder?

Erziehe sie zur Selbständigkeit

 Tom Hodgkinson schreibt in seinem „Leitfaden für faule Eltern“: „Ein zu guter Vater oder eine zu gute Mutter zu sein, zu viel für seine Kinder zu tun, kann, das wurde mir langsam klar, bei Kindern einen chronischen Mangel an Selbständigkeit hervorrufen. Kinder, denen zu viel aus der Hand genommen wird, kommen irgendwann nicht mehr allein zu recht.“
Kinder, die für jeden Handgriff die Unterstützung oder den Beistand der Eltern brauchen, werden nicht irgendwann mutig in die Welt ziehen und alles alleine regeln. Das heißt: Sie brauchen Aufgaben. Zimmer aufräumen, die Schuhe selber anziehen und/oder zubinden, den Hamsterkäfig reinigen, die Schultasche für den nächsten Tag packen, einen Kuchen backen… Egal was es ist: Jede allein bewältigte Aufgabe gibt mehr Selbstvertrauen.

Ertrage das Scheitern

Ja, es tut weh unseren süßen Kleinen dabei zusehen zu müssen, wie sie etwas ausprobieren und es nicht schaffen. Sei es gegen die Freundin beim Memory verlieren, den Baum nicht auf Anhieb hochklettern können, das Tor beim Fußball nicht treffen … Wie gern würden wir sie vor Frust und Enttäuschung bewahren. Ganz falsch! Nur wer lernt mit negativen Erfahrungen umzugehen wird sich im Leben nicht entmutigen lassen. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, die eigenen Emotionen zurück zu stellen, Verständnis für die Situation zu zeigen und praktikable Lösungen anzubieten: „Ich verstehe, dass du dich ärgerst/enttäuscht bist. Was könntest du beim nächsten Mal tun, damit es besser klappt?“

Bring sie in die Natur

Nichts macht Kinder mutiger, als kleine Abenteuer zu erleben. Das geht überall und immer, aber am besten draußen in der freien Natur. Nun hat nicht jeder die Möglichkeit, sie in einem Waldkindergarten unterzubringen oder regelmäßig Ferien auf dem Bauernhof zu machen. Das muss auch gar nicht sein. Alle paar Tage ein ausgedehnter Besuch im Park, im Wald, am See oder Fluss, wo sie möglichst in Begleitung von Freunden herumstromern können, reicht schon aus. Piraten oder Schatzsucher spielen, auf Bäume klettern, ein Lager bauen, einen kleinen Staudamm am Bach bauen… Die Begegnung mit der Natur fördert das Ausprobieren der eigenen Kräfte und Fähigkeiten auf spielerische Weise, macht ausgeglichen und stärkt das Selbstvertrauen.

Schenk ihnen Vertrauen

Kinder haben sehr feine Antennen. Selbst wenn wir versuchen uns zu verstellen, sie merken es trotzdem. Darum sollten wir unsere eigenen Ängste immer mal wieder kritisch hinterfragen. Warum verbiete ich das jetzt? Bremse ich mein Kind zu früh aus? Was könnte im schlimmsten Fall passieren?
Die Autorin Gerlinde Unverzagt schreibt in ihrem Buch „Selber fliegen! Warum Kinder keine Helikopter-Eltern brauchen“: „Vertrauen Sie Ihrem Kind und seinen Fähigkeiten, in der Welt zurechtzukommen. Das Leben besteht aus einer Reihe von Anpassungen und Veränderungen. Kinder gewinnen viel, wenn ihre Eltern ihnen zeigen, dass sie ihnen zutrauen, die notwendigen Hürden zu nehmen.“

 

Bild: Ben White/unsplash