Viele Gespräche mit Kindern verlaufen relativ einseitig: Eltern fragen, Kinder blocken oder antworten einsilbig. Christine Weiner arbeitet als Kindercoach und erklärt in ihrem Buch „Erzähl doch mal von dir!“ ebenso einfache wie einleuchtende Grundregeln für einen guten Dialog mit Kindern. Wir haben uns von ihr ein paar Tipps geholt …

Wie bringt man Kinder zum Reden?

Christine Weiner: Das klingt jetzt völlig unspektakulär, aber ich glaube, es funktioniert, indem man Kindern die volle Aufmerksamkeit schenkt. Viele Erwachsene, und damit meine ich nicht nur die Eltern, sprechen zwar mit dem Kind, aber sind gar nicht wirklich dabei. Und Kinder merken das. Kinder haben – wie wir alle – feine Sensoren dafür, ob sich jemand wirklich für sie interessiert oder nicht.

Gerade nach der Schule oder dem Kindergarten will man doch wissen: Wie war es heute?

Ja, aber dabei ist wichtig, nicht einfach draufloszureden, sondern abzuwarten und mit dem Kind zu besprechen, ob es Zeit hat oder ob es gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Wir würden ja auch nicht einfach auf einen Erwachsenen zugehen und anfangen zu reden, sondern vorab fragen, ob er oder sie zu einem Gespräch bereit ist. Wenn das passiert, dann ist die Chance auch relativ hoch, eine Antwort zu bekommen. Ich glaube, die meisten Abfuhren, die Eltern sich holen, haben damit zu tun, dass ihre Frage zum verkehrten Zeitpunkt kommt oder es beiden Seiten an Konzentration fehlt.

Woran kann es noch liegen, wenn Kinder nicht reden wollen?

Ich beobachte, dass viele Erwachsene und Eltern das Gespräch mit Kindern vor allem dann suchen, wenn sie etwas klären wollen. Also wenn etwas „so nicht geht“ oder „anders zu gehen hat“. Die Sätze beginnen dann auch oft mit „Wir sollten mal“ oder „Wir müssten“. In jedem Fall wird dem Kind schnell klar, dass damit keine positive Nachricht verbunden ist. Es kommt in meiner Praxis leider ganz selten vor, dass Erwachsene auf ein Kind zugehen und sagen: „Du, ich will mal mit dir reden, weil ich dir schon die ganze Woche sagen wollte, wie süß ich dich finde.“
Wenn Kinder mitbekämen, dass eine Rückmeldung auch positiv sein kann, dann würden sie auf Gespräche allgemein nicht so ablehnend reagieren. Warum aber sollen sie sich freudig darauf einlassen, wenn es dabei  mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit um ein Maßregeln, ein Verbot, eine Zurechtweisung geht? Natürlich hört man da weg, schaltet ab oder reagiert grummelig.

Das komplette Interview mit Christine Weiner könnt ihr in der Luna 65 lesen. Weitere Themen aus dem Heft findet ihr hier.

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