Nicht nur für unsere ästhetischen Vorlieben ist die Wohnumgebung unserer Kindheit wichtig. Sie prägt auch unsere Persönlichkeit. Über die Wirkung des Kinderzimmers und wie Eltern es aus wohnpsychologischer Sicht optimal einrichten können.

Kein Raum lässt uns kalt. Ganz offensichtlich wird das, wenn wir einen dunklen Keller oder eine Kirche betreten. Doch auch jeder andere Raum löst – wenn auch oft unbewusst – Gefühle in uns aus, wirkt körperlich auf uns und beeinflusst unsere Gesundheit. Mit dieser wechselseitigen Beziehung zwischen Mensch und Raum beschäftigt sich die Wohnpsychologie.

Wohnen ist das erklärte Lieblingsthema der Psychologin Dr. Barbara Perfahl

Eine besondere Bedeutung kommt dem Kinderzimmer zu, wie Diplompsychologin Dr. Barbara Perfahl betont. Gemeinsam mit dem Hersteller MIMM Kindermöbel informiert sie über das Thema Wohnpsychologie im Kinderzimmer. „In den ersten Jahren lernen die Kleinen in und anhand ihrer Umgebung die Raumwahrnehmung. Die Räume der Kindheit sind also unsere persönlichen Raum-Prototypen“, erklärt Barbara Perfahl. Deshalb hat die Wohnumgebung, in der man im Alter zwischen drei und sechs Jahren lebt, großen Einfluss auf unsere späteren ästhetischen Vorlieben. Mehr noch: Die Räume der Kindheit prägen unsere Persönlichkeit, da sie Teil unserer Ich-Identität sind. Wie passiert das?

Das Kinderzimmer und der Rest der Wohnung bilden den Rahmen für die motorische und geistige Entwicklung der Kinder. Die Kleinen entwickeln sich, indem sie ihre Umwelt erforschen, mit allen Sinnen erfahren und begreifen. In der Wohnung lernen sie krabbeln und laufen und eignen sich so diese Räume an. In ihnen erlernen sie die Raumwahrnehmung. Perspektiven und Proportionen können sie erst ab einem Alter von etwa vier Jahren verstehen. Deshalb ist die Umgebung in dieser Zeit so prägend. Um die Bedeutung des Kinderzimmers zu erklären, setzen Psychologen auch bei den Gefühlen an, die jeder Raum in uns auslöst. Diese können stark oder schwach, positiv oder negativ gefärbt sein. Über Reizintensität, Farbgestaltung und Ähnliches nehmen Räume Einfluss auf unsere Stimmung und die körperliche Aktivierung und somit auf die Befindlichkeit. „Auch Kinder spüren schon die Wirkung des Raumes, ja, diese kommt bei ihnen sogar viel direkter an, weil sie noch keine Ratio haben, sprich keinen Verstand, der alles bewertet und einordnet“,  so Barbara Perfahl. Aus diesem Grund gibt die Wohnpsychologin folgende Tipps, die Eltern bei der Einrichtung des Kinderzimmers beachten sollten.

Zonen schaffen

Schlafen, Spielen, Zeichnen, Toben: Das Kind macht ganz unterschiedliche Dinge in seinem Zimmer. Diese Aktivitäten können Eltern durch das Einrichten verschiedener Zonen unterstützen. Das Kinderzimmer sollte mindestens drei davon haben. Eine Schlaf- und Ruhezone, die ruhig und geschützt ist. Dann einen Arbeits- oder Lernbereich mit einem Tisch, der so gestaltet ist, dass man sich gut konzentrieren kann. Zum Schluss einen ausreichend großen Bereich zum Spielen am Boden. Schön ist es, wenn die Funktionsbereiche als solche definiert und erkennbar sind. „Auch wenn es kleine Räume sind, kann man die Zonen gestalterisch voneinander abgrenzen. Durch von der Decke hängende Tücher zieht man eine Grenze und schafft einen Raum im Raum. Das Kind soll das Gefühl haben, dass es die Ruheecke verlässt und in die Spielecke geht“, erläutert Barbara Perfahl.

Schreibtisch, Bett und Spielzelt
Schreibtisch „Popsicle“, von Flexa, Bett „Nido“ von Krethaus, Spielzelt „Forest Ranger“ von Lifetime

 

Das richtige Maß

Bei der Einrichtung sollten Eltern auf eine ausgewogene Reizintensität achten. Das Kinderzimmer sollte weder reizarm noch überladen sein. Das bezieht sich auf die Anzahl an Möbeln, Deko und Spielzeugen im Zimmer, aber auch auf eingesetzte Farben und Muster. Barbara Perfahl empfiehlt eine neutrale und optisch ruhige Grundgestaltung, die von einigen optisch anregenden Bereichen ergänzt wird: „Ein neutraler Hintergrund, sprich die Wände in weiß, beige oder grau, ist wichtig. Die Möbelstücke sollten auch überwiegend neutral sein, und bestimmte Zonen dürfen dann echt knallen. Die starken Reize in Form von großen bunten Bildern oder gemusterten Vorhängen gehören aber natürlich nicht in den Ruhebereich.“

Zwischen Flexibilität und Stabilität

Kinder wachsen und entwickeln sich schnell. Deshalb sollte die Einrichtung und Gestaltung des Zimmers flexibel sein und das Kind in den verschiedenen Entwicklungsphasen unterstützen. Mitwachsende Schreibtische und Betten bieten sich dafür an. Dennoch sollten Eltern im Auge behalten, dass das Kinderzimmer einen verlässlichen Rahmen für die rasante Reise des Kindes durch seine Entwicklung bieten muss. Wer auf hochwertige Möbel setzt, die das Kind lange begleiten, kann so äußere Stabilität schaffen, die selbst dann bestehen bleibt, wenn die Familie umzieht. Auch manche Grundelemente wie die Wandfarbe oder die Position der Möbel sollte man nicht zu oft ändern, während einzelne Details ruhig von Zeit zu Zeit angepasst werden dürfen. „Das kann ein Regal sein, das man von Zeit zu Zeit neu dekoriert. Dann habe ich einen Fokuspunkt im Zimmer, der variabel ist, aber die Grundstruktur bleibt gleich,“ erklärt die Wohnpsychologin.

Für alle Sinne

Licht ist ein wichtiges Element der Einrichtung. Mit ihm lassen sich Zonen schaffen und Aktivitäten steuern. Eltern sollten auf eine gute Lichtfarbe und eine ausreichende Grundbeleuchtung achten. Hinzu kommen mindestens drei zusätzliche Lichtquellen. Im Schlafbereich ist anfangs ein dezentes Licht, später auch eine Leselampe gefragt. Der Arbeitsplatz braucht eine gute Schreibtischlampe, und im Spielbereich muss ausreichend Grundhelligkeit herrschen.
Neben optischen Reizen durch verschiedene Farben und Formen muss es im Kinderzimmer auch Anregungen für die anderen Sinne geben. Textilien machen den Raum nicht nur gemütlich, sondern ermöglichen den Kleinen, wenn sie die verschiedenen Stoffe anfassen, auch viele haptische Erfahrungen.

Das Kind bestimmt mit

Bereits sehr früh haben Kinder Vorlieben für bestimmte Farben und wissen, was ihnen gefällt. Deshalb sollten sie ein Mitspracherecht haben, wenn es um die Farben der Kissen oder die Anordnung der Deko geht. Je älter sie werden, desto mehr dürfen sie auch bei größeren Entscheidungen bezüglich der Einrichtung ihres Zimmers mitreden.

Titelbild: MIMM Kindermöbel