Gemeinsames Einkaufen, Kochen und Essen ist wichtig – für Eltern und für Kinder. Denn im Alltag bleibt leider oft wenig Zeit für ausführliche Gespräche. Da ist es schön, wenn sich die Familie zumindest einmal am Tag zusammen an den Tisch setzt. Wir haben mit dem Ernährungsexperten Christoph Klotter aus Berlin über das Thema Familienessen gesprochen. 

Luna: Warum sind gemeinsame Mahlzeiten wichtig für Kinder?

Familienessen Familie am Esstisch
Gemeinsam macht Essen mehr Spaß (Foto: Getty Images)

Christoph Klotter: Gemeinsame Mahlzeiten innerhalb der Familie stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. Essen bedeutet Gemeinschaft. Das kennt man ja oft auch aus eigener Erfahrung: Alleine zu essen ist zwar auch okay. Aber gemeinsam schmeckt es einfach besser. Zudem ist es ja auch für die Familie eine schöne Gelegenheit, zusammenzusitzen und sich über den Tag auszutauschen: Was liegt an? Was ist passiert? Wie war es in der Kita oder in der Schule? Da bietet sich ein gemeinsames Abendessen, bei dem alle an einem Tisch sitzen, an.

Trotzdem wird in vielen Familien nur selten gemeinsam gekocht und gegessen. Wie kann man dem entgegensteuern?

Eltern haben eine enorme Vorbildfunktion für das Essverhalten ihrer Kinder, das sollte man nicht unterschätzen. Wenn die Eltern wenig Wert auf gemeinsames Kochen und Essen legen, ist das sehr schade. Viele geben als Grund Zeitmangel an: Da wird dann nach der Arbeit schnell die Pizza in den Ofen geschoben und fertig. Das ist auch mal in Ordnung, aber auf der anderen Seite nimmt Kochen auch nicht wahnsinnig viel Zeit in Anspruch. Es ist zum einen eine Frage des Zeitmanagements, zum anderen eine Frage der persönlichen Einstellung. Hier sollten sich Eltern auch mal an die eigene Nase fassen und überprüfen, wie viel Wert sie auf bewusstes Essen legen. Gegensteuern kann man am besten, indem man sich Rituale schafft. Zum Beispiel gemeinsam mit den Kindern auf den Markt einkaufen gehen und sie anschließend Gemüse schnippeln lassen. Damit sie auch sehen, wie das Essen zustande kommt. Oder wenigstens am Wochenende gemeinsam ausgiebig und in aller Ruhe zusammen frühstücken. Auch mal einen Bauernhof besuchen und den Kindern zeigen, wo Eier, Milch und Fleisch eigentlich herkommen, ist wichtig, gerade für Stadtkinder.

Wie verhalte ich mich, wenn mein Kind ein „Picky Eater“ ist, also beim Essen sehr mäkelig?

Bleiben Sie möglichst gelassen und geduldig. Das ändert sich auch wieder. Meistens sind das einfach Phasen. Zwang und Druck nach dem Motto „Du bleibst jetzt sitzen, bis du aufgegessen hast!“ bringen gar nichts. Dann lieber sagen: „Es ist okay, wenn du das nicht essen möchtest. Aber probiere bitte etwas anderes.“ Solange ihr Kind ausreichend ernährt ist, kann es auch Zeiten geben, in denen es bestimmte Dinge nicht mag. Manchmal kann man auch auf einen Trick zurückgreifen und sagen: „Ich bin mir sicher, dass du das nicht magst.“ Dann reagieren viele Kinder, indem sie doch zugreifen und etwas essen, von dem sie vorher glaubten, es nicht zu mögen.

Wie kann ich meinem Kind gesundes Essen überhaupt schmackhaft machen?

Ernährungsexperte Christoph Klotter
Christoph Klotter ist Ernährungsexperte, Psychologe und Vater von zwei Kindern (Foto: Privat)

Auch hier greift wieder die Vorbildfunktion der Eltern. Wenn sie ihrem Kind gesundes Essen vorleben und sich vollwertig mit Gemüse, Milchprodukten, Fleisch, Fisch und Obst ernähren, ist das der größte Gefallen, den sie ihren Kindern tun können. Kinder lernen vom Vorbild. Wenn die Eltern nur Fast Food essen und Billignahrung vom Discounter kaufen, wird dadurch leider ebenso der Grundstein gelegt, wie wenn die Eltern Wert auf Bionahrung legen und auf dem Markt einkaufen. Eine Studie aus Skandinavien belegt, dass Kinder, die bis zum Alter von drei Jahren gesunde Ernährung gelernt haben, auch zwanzig Jahre später noch gesünder essen als andere. Der Grundstein wird in den ersten Lebensjahren von den Eltern gelegt.

Das komplette Interview mit Ernährungsexperte Christoph Klotter gibt es in der Luna 66!

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