Emotionale Intelligenz bei Kindern ist für die Entwicklung entscheidend. Schließlich wollen wir Eltern, dass aus den Kleinen mitfühlende Erwachsene werden, die Probleme erkennen und selbständig lösen können. Hier sind sechs einfache Erziehungs-Tipps, wie ihr den EQ eurer Kinder fördern könnt…

Warum EQ Kinder glücklich werden lässt

Natürlich sollen unsere Kinder in ihrer Intelligenz gefördert werden. Doch emotionale Intelligenz beeinflusst die Gesundheit, das Glücksempfinden und letztlich auch den Erfolg im Leben viel unmittelbarer als gute Leistungen. EQ sorgt für ein stabiles Selbstwertgefühl, was einen großen Anteil daran hat, sich zu einer selbstbewussten Persönlichkeit zu entwickeln. Außerdem sorgt emotionale Intelligenz dafür, dass man früh lernt richtig zu kommunizieren – was wiederum ein wichtiger Faktor ist für harmonische Beziehungen.

Warum Emotionale Intelligenz so wichtig ist für unsere Kinder könnt ihr auch hier nachlesen. 

Gefühle erkennen und benennen

„Bist du wütend, traurig, enttäuscht?“ Ach, immer diese typischen Elternfragen. Doch gerade diese sind wichtig damit Kinder lernen, ihre Gefühle zu erkennen und sie auch zu benennen. Schon beim Angucken von Bilderbüchern kann man zusammen darüber reden, warum die Hauptfigur im Buch gerade traurig ist (Spielzeug verloren), oder wütend (bekommt nicht das, was sie will). Bereits Dreijährige verstehen diese Gefühlsregungen und entwickeln Empathie.

Fragen, die Empathie fördern:

  • Elena weint, siehst du das? Hast du eine Idee, warum sie weint?
  • Robert sieht sehr wütend aus. Was hat ihn wohl so wütend gemacht?
  • Du bist aufgeregt. Kannst du mir sagen warum?

Aussagen, die Empathie verhindern:

  • Stell dich nicht so an. Du hast gar keinen Grund wütend zu werden.
  • Hör auf zu heulen. So schlimm ist das nicht!
  • Reg dich nicht so auf. Dein Verhalten ist lächerlich!

Mit Gefühlen umgehen lernen

Negative Gefühle wie Wut, Ärger, Frustration, Enttäuschung aushalten können, dazu gehört eine ganze Menge. Auch hier ist der wichtigste Tipp für Eltern: Verständnis zeigen. Ein Kind für negative Emotionen zu kritisieren oder gar zu bestrafen, hat nur gegenteilige Auswirkungen. Allerdings heißt das nicht, dass wir Eltern jedes Verhalten akzeptieren müssen: „Ich verstehe, dass du dich ärgerst, aber schubsen geht nicht.“ Besser ist es zusammen mit dem Kind zu überlegen, was es in der Situation tun könnte.

Grundsätzlich sollten wir als Eltern die Botschaft vermitteln, dass jedes Gefühl in Ordnung ist, nicht aber jedes Verhalten rechtfertigt. Trotzdem sollten wir dabei auf das Alter des Kindes achten und nicht zu viel erwarten. Ein Dreijähriger kann nicht das gleiche Maß an Empathie haben, wie ein Sechsjähriger.

Misserfolge dürfen passieren

Ganz wichtig für die emotionale Entwicklung unserer Kinder ist, dass sie lernen mit Misserfolgen umzugehen. Es aushalten zu können, dass ein anderes Kind in Sport bessere Leistungen erzielt, ein Bild perfekter malen kann oder dass die eigene Mannschaft beim Fußball verliert, ist entscheidend für spätere Jahre.

Wenn ein Kind nicht die Leistung erbringt, die es von sich selbst erwartet, ist es natürlich traurig und enttäuscht. Was es jetzt braucht ist Trost und Zuspruch. „Du hast viel länger an dem Bild gearbeitet und hast dir wirklich Mühe gegeben. Das kann man deutlich sehen.“ oder „Du hast das Tor verfehlt, aber nur knapp. Lass uns nächste Woche üben, damit du beim nächsten Mal besser triffst“ – das sind Botschaften, die Kindern in dieser Situation helfen.

Zuhören fördert den EQ

Gehört und verstanden werden ist für Kinder jeden Alters wichtig. Auch wenn wir vielleicht den Wunsch, den es an uns heranträgt nicht sofort erfüllen können (oder wollen), sollten wir klar machen, dass wir zugehört haben. „Ich habe gehört, dass du jetzt ein Eis willst, aber vor dem Essen finde ich das nicht gut. Wir können eines zum Nachtisch essen.“ Wenn wir zuhören, zeigen wir unserem Kind Respekt. Das wiederum lehrt die Kinder Respekt, was ein wichtiger Faktor für den EQ ist.

In diesem Punkt können wir uns sehr viel vom dänischen Erziehungsstil abschauen. Mehr darüber erfahrt ihr in dem Interview mit Iben Dissing Sandahl, die das Buch „Warum dänische Kinder glücklicher und ausgeglichener sind“ geschrieben hat (erschienen im Mosaik Verlag).

Das Gute im Schlechten erkennen

Wir können auch negative Situationen umdeuten, indem wir unsere Einstellung dazu ändern. Das Fußballspiel ist wegen schlechtem Wetter gecancelt worden? Dann gibt es stattdessen eben einen Nachmittag mit Brettspielen. Alle Kinokarten sind schon ausverkauft? Dann machen wir es uns auf dem Sofa gemütliche mit einem Film und Popcorn.

Es ist genau diese Haltung, die wir unseren Kinder mitgeben und die es ihnen später erleichtert, mit stressbeladenen Situationen positiv umzugehen. Was außerdem positive Auswirkungen auf die Stimmung in der Familie hat ist, sich gegenseitig darauf zu verständigen, dass Klagen und Meckern ein No-Go sind. Situationen mit Humor zu nehmen und auf Meckern zu verzichten, wirkt sich sehr schnell auf die Zufriedenheit der Familie aus.

Emotionale Intelligenz

Freiheit erfahren

Unsere Kinder werden beinahe rund um die Uhr betreut. Freies Spiel findet so gut wie gar nicht statt, da wir vielfach sogar die Freizeit organisieren und mit Playdates oder anderen Aktivitäten verplanen. Dabei stärkt nichts so sehr den EQ wie die Erfahrung von Freiheit.

Bring deine Kinder so oft wie möglich in die Natur, wo sie sich ausprobieren können, mit natürlichen Materialien kreative Spiele ausdenken und gegenseitig ihre Grenzen austesten können. Ein Waldkindergarten ist dafür zum Beispiel ideal.

Kinder brauchen keine von Erwachsenen angeleiteten Spiele oder Aktivitäten. Sind sie in der Gruppe, fallen ihnen die kreativsten Dinge ein: Hütten bauen, Detektiv spielen oder „verschollen auf einer einsamen Insel“… Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Je mehr Kinder die Möglichkeit haben solche Erfahrungen zu machen, desto mehr profitiert davon die Entwicklung ihrer emotionalen Intelligenz.

Noch mehr kinderleichte Erziehungstipps findet ihr hier.

 

Bilder: unsplash