Im eigenen kleinen Reich soll sich der kleine Familienzuwachs rundum wohlfühlen. Aber schon bei der Farbgestaltung im Kinderzimmer fängt das Problem an – rosa Prinzessinenzimmer, blaue Ritterfestung oder doch neutral? Und was macht man, wenn sich dann das Geschwisterchen ankündigt: Beide in ein Zimmer oder doch lieber getrennt? Eloise Kordaris, Art Direktorin bei home24 erklärt, welche psychologischen Aspekte die Farbgestaltung im Kinderzimmer hat, wie man das Kinderzimmer funktionell und zugleich ansprechend einrichtet und verrät, dass die Kreativität der Kleinen mit den richtigen Möbeln gefördert wird.

Luna: Rosa oder Babyblau – wie denkst du über die standardisierte, geschlechterspezifische Farbgestaltung vieler Eltern im Baby- und Kinderzimmer?

Eloise: Es gibt so viele Alternativen zu Babyrosa und Himmelblau. Sie sind oft vielfältiger und eignen sich sowohl für ein Baby, können aber später auch noch einem Kleinkind gefallen. Dazu passen hervorragend Möbel aus hellem Holz oder in Weiß, die sich harmonisch ins Ambiente einfügen. Sie sind zeitlos, zurückhaltend und machen später sämtliche farbliche Änderungswünsche problemlos mit. Überhaupt empfiehlt sich, nicht ausschließlich Baby- bzw. Kindermöbel zu kaufen. Oftmals macht es auch das normale Sideboard, aus dem im Handumdrehen mit einer Auflage eine Wickelkommode wird.

Also sollte man das Kinderzimmer eher schlicht gestalten?

Nein, auf keinen Fall. Ein Kinderzimmer braucht Farben. Nur, was die Möbel angeht, würde ich zurückhaltender sein. Ansonsten fördern Farben gerade in den ersten Entwicklungsjahren das Sehvermögen und die Aufmerksamkeit der kleinen Menschen. Wichtig ist generell, dass es weder zu trist noch zu grell ist, da Farben in besonders starkem Maße die Sinne des Babys ansprechen und anregend wirken.

Was sind denn deine persönlichen Farbvorschläge?

Ich bin ein großer Fan von geschlechtsneutralen Farben, deswegen liebe ich Sonnengelb. Es ist so positiv, heiter und energiegeladen. Das kann sich ja nur auf einen optimistischen Gemütszustand der Kleinen übertragen. Außerdem sagt man Gelb ja auch einen positiven Einfluss auf die Kommunikationsfähigkeit und Intelligenz der Kleinen nach. Zudem fördert die Kombination mit kräftigen und kontrastreichen Tönen wie Rot, Grün oder Blau in den ersten Lebensmonaten den Sehsinn.

Was hältst du von einer Einrichtung nach einem bestimmten Thema, zum Beispiel Comic-Helden?

Davon bin ich überhaupt kein Fan, denn sie bremsen die Kreativität vollkommen aus – genauso wie sämtliche andere Möbel in niedlicher Teddyoptik oder Betten, die wie ein Auto aussehen. Sie lassen ja nur eine schmale Bandbreite von Anwendungsmöglichkeiten zu. Wenn es die Kleinen aber ausdrücklich wünschen, würde ich versuchen, einen Kompromiss zu finden. Vielleicht integriert man am besten ein bestimmtes Teil wie eine Decke oder ein Kissen. So sind beide Seiten glücklich.

Und wie lässt sich die Kreativität dann fördern?

Indem ihr keine Grenzen gesetzt werden. Fantasievolles Spielen funktioniert nur, wenn die Materialien auch dazu einladen. Geeignet sind dafür einfache Spielzeuge wie Bausteine, Puppen und Fahrzeuge: Kinder können hier viel hineininterpretieren. Je unfertiger die Dinge sind, desto ansprechender sind sie für Kinder. Aktuell geht der Trend im Kinderzimmer zu Wandmotiven, Wandstickern oder Bildern mit kinderfreundlichen Motiven. Sie dienen an den Wänden als Blickfang und können so in fantasievolle Geschichten eingebunden werden. Die Möbel rücken dabei eher in den Hintergrund, können aber beim Bauen von Höhlen oder Ritterburgen durchaus mit ins Spiel eingebunden werden.

Eine Höhle lässt sich perfekt unter einem Hochbett bauen. Schlafplatz und Spielmöglichkeit in einem – durchaus praktisch, oder?

Wenn man das auch dieser Sicht betrachtet, ja. Außerdem eigenen sich Hochbetten perfekt bei Platzproblemen. Kinder haben oft das kleinste Zimmer. Deswegen ist es umso wichtiger, den vorhandenen Raum optimal zu nutzen. Weswegen ich Hochbetten nicht ganz so optimal finde: Kinder lieben es, wenn Eltern sich bei der Gute-Nacht-Geschichte mit zu ihnen ins Bett legen. Das wird im Hochbett etwas schwieriger. Im Allgemeinen wird das Hochbett auch gerade vom Hausbett abgelöst. Hier haben die Kleinen einen eigenen Rückzugsort, der ihnen die Geborgenheit spendet, die es braucht, um groß und stark zu werden.

Manche Eltern teilen das Kinderzimmer in verschiedene Zonen ein. Ist das sinnvoll?

Wenn man den Platz zur Verfügung hat, finde ich das eine gute Idee. Diese Überlegung kommt aus dem Feng Shui und beschreibt die Aufteilung des Zimmers in einen ruhigen Bereich zum Schlafen, einen aktiven Bereich zum Spielen und einen zum gemütlichen Wohnen. In den meisten Fällen genügt bereits eine unterschiedliche farbliche Gestaltung der Wände in den verschiedenen Bereichen.

Wenn wir von Bereichen sprechen, würdest du ein Geschwisterpaar in einem Zimmer unterbringen oder sollte jeder sein eigenes Reich bekommen?

Das hängt natürlich ganz stark davon ab, wieviel Platz in der Wohnung zur Verfügung steht. Wer nur ein Zimmer zur Verfügung hat, dem empfiehlt sich, mit Farben oder Raumtrennern verschiedene Bereiche zu kreieren: So hat jeder einen zum Schlafen – und gespielt wird dann zusammen.

Das eignet sich doch aber wahrscheinlich nur, wenn die Kinder altersmäßig keinen großen Abstand haben und ihre Bedürfnisse noch ziemlich ähnlich sind, oder?

Gar nicht unbedingt. Auch wer ein Kind im Vorschulalter und ein Baby hat, kann beide in einem Raum vereinen. Deswegen rate ich auch immer, nicht explizit Kindermöbel zu kaufen, sondern auch mal zu improvisieren. So kann ein Sideboard, in dem das große Kind sein Spielzeug findet, wie oben schon beschrieben durch eine Auflage auch gleichzeitig ein Wickelplatz sein.

 

 

ELOISE KORDARIS
Art Direktorin

Geboren und aufgewachsen in der Metropole New York City, studierte Eloise Interior Design an der renommierten Parsons School of Design. Was folgte, waren zahlreiche Jahre als Set Designerin für Klienten wie Tom Ford oder Estée Lauder. Seit 2015 ist sie für home24 tätig, wo sie für die komplette Art Direktion zuständig ist. Eloise ist Expertin für ganzheitliche Wohnkonzepte und weiß, wie man einem Raum einen völlig neuen Look verleiht. Durch ihre Präsenz auf Messen und stetigen Blick auf das Marktgeschehen ist sie Expertin in Sachen Trends.

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken