Text: Isabelle Jänchen

Über einige wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen Bescheid zu wissen und einen Notfall bei Kleinkindern sofort zu erkennen, kann im Ernstfall Leben retten. Was mache ich, wenn mein Baby einen Pseudo Kruppanfall hat? Wie reagiere ich, wenn sich mein Kind verschluckt?

Aber auch über Gefahrenquellen, die explizit den Sommer betreffen, lohnt es sich sich stets im voraus zu informieren. In diesem Beitrag bekommt ihr einen Überblick über Ernstfälle und was ihr tun könnt. 

1. Pseudo Krupp

Pseudo Krupp tritt im Alter von 0-6 Jahren bei Kindern und vorwiegend während der Wintermonate auf. Der Husten ist teilweise blechernd, bellend, trocken und es wirkt, als würde das Kind keine Luft bekommen. Pseudo Krupp geht oftmals mit Fieber, Schnupfen und anderen Erkältungssypmtomen einher, da er durch Viren, Bakterien oder Allergien hervorgerufen wird.

Für den Fall der Fälle können diese Tipps helfen:

    • Eine Zwiebel mit Schale vierteln und in die Nähe des Kindes stellen, in der Nacht am besten neben oder unter das Bett. Auch selbstgemachter Zwiebelsaft zum Einnehmen hilft Groß und Klein bei Erkältungen. Hierfür Zwiebeln grob in Stücke schneiden, mit Zucker vermischen und über Nacht stehen lassen. Hier entsteht ein Sirup, der Wunder bewirkt.
    • Das Kind so gut wie möglich mit dem Oberkörper hochlagern.
    • Fenster öffnen und frische Luft reinlassen. Wenn das nicht hilft, das Kind in eine warme Decke einpacken und rasch raus auf den Balkon. Das hilft beim Abschwellen der Schleimhäute.
    • Thymian-Myrte-Balsam aus der Apotheke besorgen.
    • Kortisonzäpfchen vom Arzt für besonders schwere Anfälle verschreiben lassen.

2. Fieberkrampf

Im Alter von acht Monaten bis etwa fünf Jahren bekommen einige Kinder einen sogenannten Fieberkrampf. In diesem Alter ist die Anfälligkeit für Krämpfe um einiges höher als im fortgeschrittenen Alter.

Die Symptome: Das Kind verliert das Bewusstsein, es wird blass, verdreht die Augen, verkrampft sich und fängt an zu zucken. Im Normalfall dauern diese Krämpfe zwischen zwei und drei Minuten. Er hinterlässt weder einen geistigen noch einen körperlichen Schaden und tritt am Tag nur einmal auf. Bei einem erstmalig auftretenden Fieberkrampf sollte auch hier umgehend der Notarzt verständigt werden. Es gibt keinerlei Maßnahmen, um den Krampf zu beenden, auch eine Vorbeugung ist nicht möglich. Das Kind sollte während des Krampfes lediglich vor Verletzungen geschützt werden, indem man es auf den Arm nimmt oder auf den Boden legt.

Irrglaube: Der Fieberkrampf wird nicht durch hohes Fieber, sondern durch den heftigen Temperaturanstieg ausgelöst. So kann es auch zu einem Fieberkrampf bei einer Körpertemperatur von unter 39° kommen. Wenn man weiss, dass so etwas vorkommen kann, aber vorbeigeht, können viele Eltern beruhigter in die Situation gehen.

3. Verschlucken eines Fremdkörpers

Alle Eltern kennen es: Das Kind verschluckt etwas und einem selbst bleibt direkt das Herz stehen. Ein Schockmoment für alle Beteiligten. Die Luftröhre von Kleinkindern hat in etwa den Durchmesser eines Stifts. Wenn das Kind etwa eine Nuss, eine Weintraube, eine Murmel oder beispielsweise auch Legoteile verschluckt, kann es zu einer lebensgefährlichen Situation kommen.

Folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen sollten dann eingeleitet werden:

  • Zunächst sollte man das Kleinkind, wenn sofortiges Klopfen auf den Rücken nichts bewirkt, bäuchlings über das Knie legen, den Kopf stützen und fünf kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter geben. Dies für kurze Zeit wiederholen.
  • Wenn das nichts bringt, ruft man den Notruf und wendet den Heimlich-Handgriff an. Dieser Griff sollte nur dann angewendet werden, wenn alle Maßnahmen vorher erfolglos blieben. Hierbei wird das Kind von hinten umfasst, man verschränkt die Hände unter dem Brustbein, der Daumen ruht in der Handfläche, und zieht dann fünfmal ruckartig nach oben hinten.
  • Wenn das Kind nicht mehr atmet, sollte umgehend eine Herz-Muskel-Massage erfolgen, und zwar solange, bis Besserung eintritt oder – im Ernstfall –  bis der Rettungsdienst eintritt. Genaue Anleitungen bekommt man beim Kinderarzt oder in Onlinekursen (Bsp.: Erste Hilfe für Kinder).

Der Sommer rückt näher, die Hosen werden endlich wieder kürzer. Neben den ganzen schönen Seiten, die wir am Sommer lieben, bringen heißere Tage auch so einige Gefahrenquellen mit sich.

Was also tun bei:

4. Sonnenbrand

Auch wenn Kinder nicht ungeschützt in der Sonne spielen, kann es auf der zarten Baby- und Kinderhaut schnell wenn auch nur zu leichten Verbrennungen kommen. Hier helfen: Aloe Vera Gel, Après-Sun Spray oder ein kühlendes Schaumspray aus der Apotheke sowie Ringelblumensalbe. Die betroffenen Stellen außerdem mit kalten Umschlägen kühl halten. Unbedingt auch auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme bei den Kindern (und natürlich auch bei sich selbst) achten. Wichtig: Solange die Sonne mit dem Kind meiden, bis die entzündeten Stellen abgeheilt sind. Bei Blasenbildung sollte man mit dem Kind beim Arzt vorstellig werden.

5. Bienen- und Wespenstich

Sofern die Kinder nicht an einer Allergie leiden, können folgende Mittel helfen, die Folgen eines Bienen- oder Wespenstichs zu minimieren. Das Wundermittel Zwiebel hilft nicht nur bei Erkältungskrankheiten sondern wirkt in diesem Fall entzündungshemmend auf die betroffenen Hautstelle ein. Eine Zwiebel halbieren und mit der Schnittstelle auf den Stich legen. Des Weiteren sollte man mit Hilfe von Kühlpads, Eiswürfeln oder speziellen Gels und Salben kühlen. Spezielle Stichheiler aus der Apotheke können bei schneller Anwendung einer Schwellung vorbeugen und den Juckreiz lindern (nur für Kinder ab 12 Jahren geeignet). Bei Wespenstichen sollte das Gift niemals mit dem Mund ausgesogen, sondern lediglich herausgedrückt werden. Abwehrreaktionen wie eine Schwellung oder Juckreiz an der Einstichstelle sind meist harmlos und klingen nach etwa drei Tagen wieder von selbst ab.

6. Zeckenbiss

Wenn es wieder Zeit ist, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und die Kleidungsstücke sich bei Groß und Klein auf das Minimalste begrenzen, sollte man sein Kind nach dem Draussen-Aufenthalt nach Zecken absuchen. Zu groß ist die Gefahr, dass es sich mit einer bakteriellen Lyme Borrelliose oder der als Virus übertragenen FSME (Früh-Sommer-Meingo-Enzephalitis) infiziert. Wenn man sich unsicher beim Entfernen der Zecke ist, lohnt es sich, sich online Videos anzuschauen. Zum Entfernen der Zecke eignen sich am besten eine Zeckenkarte oder bei zu kleinen Zeckenarten eine Pinzette. Wichtig hierbei: Der Zeckenkörper darf weder gedrückt noch gequetscht werden. Nach dem Entfernen sollte die Stelle vorsorglich desinfiziert werden. Je früher die Zecke entfernt wird, desto niedriger ist das Infektionsrisiko. Die Übertragung der Erreger der Borreliose findet erst nach schätzungsweise 8 bis 12 Stunden statt.

7. Wunden Knien

Aufgeschürfte Knie begleiten die Kinder nahezu den gesamten Sommer über. Oft bleibt es bei kleineren Blessuren beim Spielen und nur die obere Hautschicht wird verletzt. In diesem Fall sollte man die Wunde, sofern sie verschmutzt ist, zunächst mit lauwarmem Wasser reinigen. Wunddesinfektionsmittel, am besten eines, das nicht brennt, Pflaster und Einmalhandschuhe sollten jetzt in jeder Hausapotheke griffbereit sein. Für unterwegs lohnt sich eine kleine Notfalltasche. Feuchtpflaster und -kompressen fördern schnelleres Abheilen der Wunden. Auch reine Zink- oder Arnikasalben haben sich bei Kindern als effektive Helfer bewährt. Noch mehr Tipps gibt es findet ihr in unserem Beitrag AUA MAMA – Erste Hilfe bei kleinen Wunden.

Titelbild: Gettyimages