„Das geht auch wieder vorbei!“ hören Eltern oft, wenn sich ihr Kind momentan mitten in der Trotzphase befindet. Doch leider hilft dieser gutgemeinte Satz herzlich wenig, wenn sich der Nachwuchs gerade lautstark heulend auf die Straße wirft oder den halben Supermarkt zusammenbrüllt, weil es die gewünschte Eissorte nicht gibt. Wie wir mit halbwegs unbeschädigten Nerven die Trotzphase überstehen können und bei Wutanfällen und Zornausbrüchen gelassener bleiben? Wir haben ein paar Tipps für gesammelt.

Was ist nur mit den Kleinen los? Eben lagen sie noch zufrieden und fröhlich im Kinderwagen, ließen sich bespielen und bespaßen und im Zweifelsfall mit einem Keks beruhigen, und nun? Alles vorbei! Statt friedlicher Spielplatzbesuche gibt es Terroralarm im Sandkasten, wenn ein anderes Kind die Schaufel wegnimmt. Und wenn Mama nach Hause gehen will, gibt es massive Proteste und Geschrei.

Trotzphase oder Autonomiephase nennen Entwicklungspsychologen diesen Abschnitt, der meist zwischen den zweiten und dritten Lebensjahr einsetzt und bis zum vierten oder fünften in der Regel vorbei ist. Er ist wichtig, weil Kinder ihre Grenzen austesten, ihren Willen ausprobieren, sich behaupten, aber auch lernen müssen, mit Enttäuschung und Frustration umzugehen.

Für Eltern ist die Trotzphase vor allem eine echte Geduldsprobe. Aber das hilft:

Tief durchatmen

Es klingt banal. Aber zwischendurch mal tief Luft holen und sich klarmachen, dass es vorbeigeht, hilft bei akuten Trotzanfällen. Das Kind brüllt gerade den halben Supermarkt zusammen? Egal. Das kennen sowohl andere Eltern als auch das Personal. Und es muss einem auch nicht peinlich sein. Schließlich liegt man ja nicht selber mit roten Kopf zwischen den Regalen und schreit wie am Spieß.

Stoisch bleiben

„Ja, du willst lieber noch auf dem Spielplatz bleiben, ich weiß. Aber wir gehen jetzt nach Hause.“ Stoisch bleiben und sich gar nicht erst auf Diskussionen einlassen, ist in so einem Fall das Beste. Das Kind darf gern äußern, dass es gern noch weiterspielen möchte – aber letzten Endes bestimmen die Eltern. Und das ist auch völlig in Ordnung.

Das Kind machen lassen

Selbermachen ist ebenfalls ganz wichtig in dieser Phase. Das Kind will unbedingt das Klettergerüst bezwingen? Lass es das versuchen! Bleib dabei und gib wenn nötig Hilfestellung. Aber lass es machen. Es will beim Kochen helfen und unbedingt am Herd stehen? Okay. Aber Vorsicht vor heißen Herdplatten. Kinder brauchen ein wenig Hilfe, aber wollen auch das Gefühl haben, etwas allein zu schaffen.

Klare Regeln formulieren

Je klarer Eltern in ihrer Sprache und ihrem Verhalten sind, umso leichter fällt es dem Kind, Regeln zu akzeptieren. Zum Beispiel beim Essen: Frag nicht ob dein Kind „vielleicht lieber“ dieses oder jenes haben will. Biete zwei Sachen an, es gibt das eine oder das andere. Und fertig. Deutliche Formulierungen und ein sicheres Auftreten sind ganz wichtig. Wenn Eltern selber unsicher sind, nutzen Kinder das aus.

Mit dem Partner an einem Strang ziehen

Ebenso wichtig ist, dass ihr euch mit eurem Partner einig seid und am selben Strang zieht. Es hilft nicht, wenn der Trotzkopf beim einen seinen Willen durchsetzt und beim anderen nicht. Da heißt es dann am Ende nur: „Mama ist eine doofe Kuh!“ oder „Bei Papa darf ich das aber!“ Sprecht euch ab, welche Regeln in jedem Fall gelten. Das ist gerade in der Trotzphase enorm wichtig.

Mit anderen Eltern reden

Ihr denkt, ihr seid die einzigen, die so ein kleines schreiendes Monster zuhause haben, dass euch in regelmäßigen Abständen fast zur Weißglut bringt? Weit gefehlt! Sprecht andere Eltern einfach mal offen auf die Trotzphase eures Kindes an und fragt, wie das bei ihnen so abläuft. Ihr könnt sicher sein, dass viele ähnliche Erfahrungen machen. Und offen reden und auch mal drüber lachen entlastet ungemein.

Sich Hilfe holen

Die Zornesaubrüche eures Kindes sind massiv, beängstigend oder wollen auch nach einigen Wochen noch nicht aufhören? Dann zögert nicht, euch auch professionelle Hilfe zu holen. Eurer Kinderarzt vermittelt euch an einen Kinderpsychologen, der in schweren Fällen während der Trotzphase mit Rat und Tat zur Seite stehen kann und auch mit eurem Kind spricht.

„Gelassen durch die Trotzphase“ von Annette Kast-Zahn (Coverfoto: GU)

Auch Ratgeber, wie beispielsweise das Buch „Gelassen durch die Trotzphase“ von Annette Kast-Zahn (erschienen bei GU, 12,99 Euro) helfen, diese heikle Phase besser zu überstehen.

Slider Bild:  Frank Mckenna on Unsplash