Glutenfrei, vegan, ganz ohne Zucker? Klingt ziemlich spaßarm, ist dank Autorenduo Deniz Ficicioglu und Felix Bork aber abwechslungsreicher und kreativer, als man denkt. Über ein Kochbuch, das der Allergien und Unverträglichkeiten mit viel Humor den Kampf ansagt.

Und was isst du dann? Kochbuch von Felix Bork

Bauchschmerz, lautes Magengrummeln, dann eine abgehende laute Blähung, die vielleicht noch aufdringlich riecht … Was Schmunzeln hervorrufen mag, wenn es sich um kleine Kinder handelt, ist gar nicht mehr lustig, wenn es um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit bei Kindern geht. „Denn Flatulenzen“, so Autorin Deniz Ficicioglu, „riechen fast immer nur dann, wenn etwas im Darm gärt, was nicht gären sollte, insbesondere dort, wo es gar nicht hingehört.“ Laktose, Soja, Hafer, Sorbit, Fruktose oder Weizen – oft werden schon früh Lebensmittelunverträglichkeiten bei Kindern diagnostiziert. Hier gilt: Agieren statt Reagieren. Beobachtet die Essgewohnheiten eures Kindes und versucht bei häufig auftretenden Blähungen, Bauchschmerz, Übelkeit oder Durchfall festzustellen, mit welchen Nahrungsmitteln die Reaktion zusammenhängen könnte. Wenn es jetzt nach den Herbstferien wieder zurück in die Schule
geht, ist es besonders wichtig, das Essverhalten zu beobachten und an den Stellen zu beeinflussen, an denen es möglich ist.

Eis im Glas ohne Gluten und Zucker Bild: @Felix Bork/Deniz Ficicioglu, Eichborn Verlag

Laktoseintoleranz bei Kindern

Laktoseunverträglichkeit, auch Milchzuckerunverträglichkeit genannt, betrifft mehr Menschen, als man annehmen mag, nämlich die Hälfte der Weltbevölkerung. Infolge des Mangels an dem Enzym Laktase, das der Körper nicht ausreichend herstellt, kann der mit der Nahrung – insbesondere Kuhmilch – aufgenommene Milchzucker nicht aufgespalten werden. Die üble Folge: starke Bauchkrämpfe und Verdauungsbeschwerden. Manche Wissenschaftler vermuten sogar, der Mensch sei von Natur aus gar nicht für den Konsum von Laktose gemacht. Übrigens: Laktoseintoleranz ist nicht zu verwechseln mit einer Milcheiweißallergie, von der meist Säuglinge und Kleinkinder betroffen sind (Symptome: Hautausschlag und Atemnot).

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Die Puffreisfreunde aus Quinoa findet Ihr unter „Süßes“ im Buch „Und was isst du dann?“ Bild: @Felix Bork/Deniz Ficicioglu, Eichborn Verlag

Zöliakie bei Kindern

Der Zungenbrecher unter den Unverträglichkeiten kann bereits im Kleinkindalter auftreten. Bei einer Zöliakie entzünden sich durch Zufuhr von Klebereiweiß über glutenhaltiges Getreide wie Weizen, Roggen, Dinkel und Co. die sogenannten Darmzotten im Dickdarm – die für die Weiterleitung der Nährstoffe aus unseren Lebensmitteln in den Blutkreislauf verantwortlich sind. Beim gesunden Kind erneuern sich die Zellen der Darmschleimhaut rund einmal pro Monat. Bei einer genetisch bedingten Zöliakie lösen sich die Darmzotten bereits frühzeitig ab. Die Konsequenz: Weder Mineralstoffe noch Vitamine schaffen es in den Organismus, der Körper leidet chronisch unter dem Defizit.

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Die Kokos-Erdbeer-Galette aus Klebreismehl findet sich neben zahlreichen Nachtischrezepten im Buch „Und was isst du dann?“ Bild: @Felix Bork/Deniz Ficicioglu, Eichborn Verlag

Fruktoseintoleranz bei Kindern

Der gute Geburtstagskuchen, das Eis im Sommer oder auch die bunte Naschtüte – „der Zucker für die Seele“ ruft nicht nur Glückszustände hervor, sondern manchmal auch starke Blähungen, Kopfschmerzen und seelische Verstimmungen. Grundsätzlich sind beim Verzehr von Fruchtzucker allerdings zwei Arten von Unverträglichkeiten zu unterscheiden: zum einen die Intoleranz, wenn das Kind an einem genetischen Enzymdefizit leidet, zum anderen, viel häufiger auftretend, die Fruktose-Malabsorption. Gelangt durch einen Defekt im Körpersystem zu viel Fruktose in den Dickdarm, wird diese dort zu Wasserstoff, Kohlendioxid etc. abgebaut, was unmittelbar zu den unangenehmen Symptomen führt.

Ein Kochbuch über Leckerstes

Trotz einer ellenlangen Liste zu meidender Lebensmittel ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung möglich und bei Kindern auch zwingend nötig. Dieser Herausforderung nahmen sich Illustrator Felix Bork und Fructopia-Autorin Deniz Ficicioglu an und schufen mit ihrem gemeinsamen Buch „Und was isst du dann?“ tolle Rezepte mit ausführlichen Hintergrundinformationen und humorvollen Illustrationen. Durch ihre Erfahrenheit mit Fruktoseintoleranz und ihren lockeren Umgang mit Unverträglichkeiten motiviert Ficicioglu, anstatt mit Verboten zu frustrieren. Auch Co-Autor Felix Bork ernährt sich seit vielen Jahren rein pflanzlich. So berichtet er in seinem wunderbar verspielten Illustrationsstil von jener Oma, die ihrem Enkel in gewohnter Großelternmanier einen Mett-Igel mit Zwiebelstacheln vorsetzt, obwohl sie genau um seine fleischlose Ernährung weiß. Doch dabei bleibt es nicht: Sämtliche körperlichen Reaktionen, die das zur Folge haben kann, werden in kindlich-humorvollen Bildern illustriert – Bork malt Pupse, Kohletabletten, den nicht existenten Unterschied zwischen Blau- und Heidelbeeren und vergisst dabei auch jene weißen Seiten nicht, an denen sich die Kinder die Finger abwischen können. Informativ und wunderbar herzlich.

Eine Verschwörung der Avocado-Industrie?

„Jeder von uns achtet heute ein bisschen mehr darauf, was er isst. Und das ist vielleicht gar nicht so verkehrt. Auf einmal ist das, was auf dem Teller liegt, wichtiger als das, was auf deinen Turnschuhen steht. Und im Supermarkt gibt es sogar Sachen, die gab es früher nicht. Sogar Mutti isst jetzt Chias“, stellen die Autoren fest. Ob vermeintliche oder tatsächliche Erkrankung: So macht glutenfreies, pflanzliches, zuckerloses Essen auch Kindern Spaß.

Das Buch „Und was isst du dann?“ hat 216 Seiten, ist 2018 im Eichborn Verlag erschienen und kostet 25 Euro.

Sliderbild: Felix Bork & Deniz Ficicioglu (c) Freek Gille
Teaser: (c) Felix Bork