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Der Kindergartenfotograf

Es gibt Dinge, die man als Mutter grundsätzlich besser nicht sagt. Zum Beispiel: Ich mag keine Mütter. Ich mag keine Spielplätze. Ich mag keine Kindergartenfotografen, die nur mistige Fotos machen und dann für teures Geld Fotosets verkaufen, bestehend aus zwei grottenschlechten Motiven (in unserem Fall), grundsätzlich an Tagen, an denen man vergisst, dass heute der Fotograf kommt, Papa das Kind mit dem, was er gefunden hat, bekleidet oder das Kind sich im besten Fall selbst ausgesucht hat, was es anzieht.

Schick in mint und braun

Vor ein paar Jahren, ich glaube, die kleine Chefin war da noch nicht einmal in Planung, erzählte mir eine Freundin, der Fotograf wäre in ihrer Kita gewesen und ihr Mann hätte das Kind an diesem Tag angezogen. So trug sie – mütterlicherseits so genannte Schlumpiklamotten – die älteste Hose und das älteste Shirt aus dem Haushalt. Ob die Farben zu Kind und Bildkomposition passen, darüber kann man sicher streiten. Was man auf diesem Foto (oben) leider nicht sehen kann: Der großartige Metallicschimmerlack, passend zu Felgen, Reifen und Werkstatthintergrund. Vielleicht wird sie später mal Mechaniker? Was man sehen kann: Irgendwie ist alles so blass.

Wieder eine andere Freundin erzählte und zeigte mir die Fotos, die ein sich selbst als Kinderfotograf betitelter Knipser in ihrer Kita gemacht hat. Großartig! Blitz schön so eingestellt, damit es ordentlich harte Kanten gibt, natürlich auch schöne Schatten auf dem Hintergrund, der übrigens leider 'etwas' zu kurz geraten ist, so dass die Erzieher nicht mehr "behintergrundet" sind. Ach, egal, sind nur die Erzieher, retuschieren können die Eltern sicher selbst. Besonders die Mutter, deren Tochter hinter dem grün gestreiften Jungen steht, wird sich sehr über das Foto freuen. Ein Traum von einem Foto! Ich hoffe, es hat wenigstens nichts gekostet!



Und dann gab es da ja noch meine eigenen Erfahrungen. Als ich klein war, bin ich die Treppe runtergefallen, mit dem Ergebnis, dass beide Schneidezähne dabei drauf gegangen sind. Nicht im Sinne von ausfallen, nein, viel besser: Sie wurden grau.
Und dennoch kann ich mich daran erinnern, dass mich der Kindergartenfotograf fast jedes Jahr aufs Neue dazu genötigt hat, mit offenem Mund zu lächeln. Dani Schwarzzahn. Freude rundherum, vor allem bei mir. 

Dani trägt schwarz
Immerhin. Ich habe den Mund auch mal zu. Der Hit sind dafür Hintergrund und Accessoires. Und natürlich auch die Klamotten...
Dani macht den Mund zu

Wie war das bei euch so? Auch ein paar hübsche Erlebnisse parat? Ich hätte noch zu erzählen, dass das letztjährige Gruppenfoto in etwa so aussieht: Zwei lächeln, nämlich die Erzieher. Drei gucken sonst wohin, fünf stieren stinkig ebenfalls irgendwo hin oder in die Kamera, eine heult, einer guckt mit offenem Mund nach oben. Ein wunderbares Foto. Nicht zu vergessen, das Ana's beste Kitafreundin im letzten Jahr vom Fotografen wie ein Junge gestylt wurde und der Seitenscheitel generell ein beliebtes Werkzeug aktiver Kitafotografen zu sein scheint.

so wunderbar ungestellt und total natürlich im Landhauslook

Jetzt mal im Ernst: Muss das so sein? Wollen Eltern ernsthaft solche Bilder? Wieso müssen Kindergartenfotos einen Wasserfall als Hintergrund und einen Holzpfosten zum aufstützen als Vordergrund haben? Wieso braucht das sonst so wilde Kind plötzlich einen Seitenscheitel? Wieso muss ich aus einem frechen Max einen sittsamen Maximilian machen? Warum müssen die Kinder die Arme verschränken? Wofür sind die Kalender und Miniaufkleber? Damit ich meine Möbel damit beklebe? Oder einen neben die Briefmarke klebe, wenn ich Post an Oma schicke (Inhalt: klarer Fall, die Kindergartenbilder...)
Manchmal frage ich mich, ob man solche Fotos nicht einfach nur macht, damit man als Mutter später mal die 18-jährige Tochter mit solchen Fotos aufziehen kann: "Guck Mädle, da trägst du Landhausmode, passend zum Wasserfall." 

Warum kann man nicht einfach Fotos machen, die die Kinder so zeigen, wie sie sind?! Lebendig, lustig, farbenfroh und frech. Oder ist das nicht gewollt? Mag Oma das nicht? Passt das nicht auf den Kamin?
Ich bitte um ehrliche Meinungen, denn: Ich frage mich, ob ich der einzige Mensch bin, der gern andere Fotos und andere Fotografen hätte!?

wie wäre es damit?

Written by: Dani Doege Donnerstag, den 16. Juni 2011 um 07:27 Uhr
 

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