10 Fragen an
Die deutsche Künstlerin Sandra Monat hat einen Hang zu schrägen Typen. Sie entwirft und fertigt in ihrer Kunstwerkstatt herzensart im nordrhein-westfälischen Siegburg Wikinger, Cowboys und andere wilde Jungs aus Stoff oder verschiedenen Materialien.
Die rauen Kerle sind inzwischen zahm geworden und die kratzigen Bärte sind flauschiger Kinnpracht gewichen. Weich und kuschelig, so fühlen sich die heutigen Wikinger an. Sie tragen Namen wie Arni Twillson und Snorri Knotterson und werden heute mehr geliebt als gefürchtet.
Wann hast du herzensart gegründet und wie bist du auf diesen Namen gekommen?
Mein Atelier wurde vor fünf Jahren gegründet. Zwei Jahre zuvor habe ich mich bereits als Malerin selbständig gemacht und die ersten Ideen zu Papier gebracht. Vor fünf Jahren bekam ich dann eine Nähmaschine geschenkt, habe meine Entwürfe an ihr ausprobiert und bin sofort dem dreidimensionalen Arbeiten verfallen. Immer mehr tolle Ideen sausten durch meinen Kopf. Ich merkte, dass ich genau das fortan machen und meine Ideen weiterentwickeln wollte. Dann habe ich nach einen Namen gesucht, der das zum Ausdruck brachte, was ich dabei empfand. Der Name herzensart ist meinem Mann eingefallen. Kunst mit Herz oder mit Herz Kunst machen - der Name passte perfekt zu mir und wurde zu meinem Markennamen.

Ich fertige kleine Persönlichkeiten aus Stoff und Papier nach meinen eigenen Designs.
Wer arbeitet mit Dir zusammen?
Ich arbeite alleine - wobei das so nicht ganz stimmt - ich habe hilfreiche Unterstützung durch Friederike!, mein blaues Findelschaf. So gesehen sind wir ein Einefrau-Einschaf-Betrieb.
Friederike!, ein hölzernes Schaf, wurde einfach ausgesetzt, du hast sie aufgenommen, ihr ein neues blaues Fell gegeben und nun inspiriert sie Dich, aber wie passen Schafe und Wikinger zusammen? Müsstest Du nicht eher Schafe entwerfen?
Friederike! war tatsächlich Teil des ganzen Entstehungsprozesses von herzensart. Sie war es, die anfänglich im Blog unsere Firma und neue Kreationen vorgestellt hat. Inzwischen ist sie sehr in den Hintergrund getreten. Aber sie wacht noch im Atelier über Wikinger, Cowboys und Co, damit ich nach Feierabend beruhigt nach Hause fahren kann. Und erinnert mich daran, mir das Spielen zu erlauben. Ich habe zwar schon das ein oder andere Tierchen gefertigt, aber es sind mehr die "kleinen Leute", die mich immer wieder reizen.
Welche Materialien verwendest du für deine Figuren?
All meine Figuren entstehen zuerst auf dem Papier. Wenn ich eine neue Idee habe, halte ich sie in Skizzenbüchern fest. Erst dann fange ich mit der Umsetzung in Stoff oder Papier an. Ich wühle und krame in meiner Stoffsammlung und überlege, welche weiteren Materialien wie Knöpfe, Bänder oder Perlen ich verwenden möchte. Für meine Collagen habe ich inzwischen etliche Papiere und Kartonagen gesammelt, teilweise mit Unterstützung von Freunden und Internetfreunden, die mir auch schon mal Materialien bringen oder per Post schicken. Das macht mich jedes Mal sehr glücklich!
Wikinger, Ritter, Cowboys ... Du entwirfst ja größtenteils männliche Charaktere. Wie kommt das? Hast Du als Kind auch lieber mit Jungs gespielt?
Hm, ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass ich meine erste richtige Freundschaft im zarten Kindergartenalter mit einem Jungen eingegangen bin. Einen kleineren Bruder habe ich auch, mit dem ich viel gespielt und gestritten habe. Mir wird oft gesagt, für Mädchen gäbe es viel mehr schöne Sachen als für Jungs, aber dieser Gedanke hat mich bislang nie angetrieben. Offensichtlich habe ich einen Faible für wilde Kerle.
An welchem Ort oder bei welcher Beschäftigung hast Du die meisten Ideen?
Neue Ideen überfallen mich überall, beim Einkaufen oder mitten in der Nacht. Oft aber sitze ich abends oder am Wochenende ganz entspannt mit ein paar Büchern und dem Skizzenblock auf dem heimischen Sofa und versuche festzuhalten, was mir am Tag alles eingefallen ist. Die Wikinger entstammen vermutlich meinen Kindertagen: Ich war ein großer Wickie Zeichentrick-Fan.
Du entwirfst auch andere Figuren. Darunter auch Schutzengel und Traumwächter. Glaubst Du selbst auch an die kleinen Helfer?
Ich glaube nicht, dass mir ständig kleine Männchen um den Kopf schwirren. Ich glaube an die Kraft von Symbolen, die für etwas bestimmtes stehen können, etwas in uns berühren, uns hoffen und glauben lassen und uns so irgendwie vor negativen Einflüssen schützen.
Du hast sogar Figuren nach Japan und Kanada verkauft. Was meinst Du, was mögen die Kunden so sehr an deinen wilden Figuren?
Ich denke, sie schätzen es, ein handgefertigtes Einzelstück zu erwerben. Ein Unikat, in dem viel Zeit und Liebe steckt. Die Figuren erinnern sie vielleicht an ihr inneres Kind erinnert und regt die eigene Kreativität an.
Woran arbeitest Du gerade? Gibt es neue Projekte, neue Ideen für weitere Figuren?
Ja, neben dem wilden Westen beschäftigt mich gerade auch Little Britain. Es entstehen Bobbys und königliche Palastwachen, kleine Scotland Yard-Autos und selbst Jack the Ripper ist wieder auferstanden. Ich würde gerne mal eine größere Installation zu einem Thema fertigen. Little Britain könnte eines davon werden. Es gibt aber noch unzählige andere Charaktere und Themen, die nur darauf warten zum Leben erweckt zu werden. Seit einiger Zeit lasse ich nach meinen Originalcollagen oder Zeichnungen in kleinen Auflagen ein paar Produkte produzieren. Die Wikinger bspw. finden sich inzwischen auf Tellern, Stempeln und Karten. Es gibt viele Ideen für Neues, aus Budgetgründen muss ich mich jedoch meist länger gedulden als mir lieb ist.











