Unsere Magazine | Abonnement | Einzelheftbestellung
HomeMenschen • Ich fotografiere Kinder. Und Du?

Ich fotografiere Kinder. Und Du?

alt

Neulich habe ich ein wenig aus meinem Nähkästchen als Fotograf geplaudert und als Antwort erhielt ich den Ausruf "Mensch, Dani, darüber solltest Du mal schreiben. Ist doch lustig"

 

Ich habe lange überlegt, soll ich, soll ich nicht, ist ja immer so eine Sache, Dinge über seine Kunden zu erzählen. Nicht, dass die einem das am Ende übel nehmen, wo es ja gar nicht böse gemeint ist. Meistens ist es ja doch sehr amüsant was man so erlebt. So ist das wohl im Fotografenalltag. Mal ist es einfach, mal amüsiert man sich, mal schwitzt man ganz schön dabei!

Aber immer hofft man am Ende auf ein gutes Ergebnis, mit dem alle glücklich und zufrieden sind! Und das hoffe ich bei folgender Geschichte jetzt einfach auch :). Wir hatten auf jeden Fall mit dem eigenen Fotoshooting eine Menge Spaß, und so wie es aussieht, züchte ich mir hier grade den nächsten Fotografen heran (bei den meisten Fotos hat Ana selbst abgedrückt und dann geposed). Aber jetzt geht´s los:

 

Spaß haben oder nicht!

 

Wir hatten da beispielsweise mal ein Shooting mit vielen Kindern für ein Modelabel. Ana war da auch dabei und es war eher schwer, sie davon abzuhalten, nicht ständig vor der Linse rumzuhopsen (was auf Dauer mindestens genau so anstrengend ist, wie GAR nichts zu tun). Ana war damals zweieinhalb und die anderen beiden drei und ein Jahr und hatten schon die Schlaftablette im Blick (hinterher stellte sich heraus, die beiden Mäuse waren krank...).

Eine helle Freude also für den Fotografen. Mami wurde dann stinkig, weil es doch nicht so gut lief und man hat als Mutter ja hohe Erwartungen an das eigene Kind, schließlich hatte das Kind doch Papi, Mami und dem Fotografen (aha) versprochen (aha) mal schön zu gucken und ausserdem "gibt es dann keine Überraschung mehr" (aha). Das Ergebnis: Es wurden sehr wenige Fotos der Beiden verwendet und ich weiß leider nicht, ob etwas aus der Überraschung wurde.

Gemein? Ja. Aber Kinder, die nicht fotografiert werden wollen sollte man einfach in Ruhe lassen!

 

Auch ganz weit vorn bin ich, wenn Ana mal fotografiert werden soll. "Ana, Zunge rein." und ich glaube, der Fotograf hätte mich nach dem Dritten Mal gerne rausgeworfen als er mir ein "Neee, lass sie doch." zugerufen hat.

Ich sag das nur um zu zeigen: Ich bin auch nicht besser wenn es um meine Tochter geht, die sich einfach gerne und oft mal um den Mund schleckt.

 

Es gibt auch die Sorte Eltern, die am Telefon gerne behaupten, ihr Kind sei der pure Sonnenschein und das 24 Stunden am Tag, gar nicht schüchtern, total offen und das herzlichste Kind der Welt. Manchmal fragt man sich dann doch das ein oder andere Mal ob die Eltern an Selbstüberschätzung leiden oder ihr Kind in fremder Umgebung nicht beobachten, denn des Öfteren sind es dann genau die, die die Hand der Mutter gar nicht loslassen wollen, weil eine dicke Linse mit einer fremden Person dahinter in einer unbekannten Umgebung nicht immer vertrauenserweckend aussieht. Da kann ich mich noch so sehr zum Affen machen (und oh ja, deswegen fotografiere ich ja so gerne Kinder!).

 

Pulli in der Hose

 

Dann gibt es noch die Eltern, die ihren Kindern alles, wirklich alles in die Hose stecken. Und wenn man als Fotograf dann das Kind anfasst, kreischt es, weil ich bin schließlich nicht Mutti und Mutti findet es uncool, den Pulli aus der Hose zu nehmen. Da kommt Freude auf. Besonders beim Kunden, wenn es sich dabei mal nicht um ein Privatfoto für den Kamin dreht.

 

Wenn Kinder nicht fotografiert werden wollen, ist in solchen Momenten besonders die so genannte Ablenkung äusserst beliebt.

Eltern versuchen das meist mit:

Platz 1: Essen (in Form von Süßigkeiten, Brezeln, Reiswaffeln, Dinkelkekse) oder Trinken (ganz vorn dabei: rote Säfte)

Platz 2: Seifenblasen

Platz 3: Spielzeug jeglicher Art (besonders toll: Decken)

Platz 4: Dekoration am Kind

 

Mahlzeit

 

Das meiste wirkt sich auf Fotos eher negativ aus. Die Gründe sind vielfältig aber einfach, auch kein Erwachsener findet sich besonders vorteilhaft abgelichtet, wenn er sich gerade die Gabel in den Mund schiebt, kaut oder beim Trinken ins Glas schielt. Liebe Eltern: Auch Kinder sehen dabei nicht besser aus. Weder bringt der tropfende Dinkelkeksspeichel die leuchtenden braunen Augen besser zur Geltung, noch unterstreicht ein Schokoladenbart die feinen, rosa Lippen. Auch ausgefüllte Wangen oder offene, befüllte Kaumünder tragen nicht dazu bei das "Ahhhh", "Oooohhh" und "Süüüüß" noch üppiger auszustatten. Und glaubt mir: Eure Kinder sind Euch mit 18 nicht dankbar, wenn die Fotos von Topf und Dinkelkeks mit 18 vor der großen Liebe ausgepackt und herumgereicht werden. :)

 

Beim Trinken sind besonders rote Säfte beliebt, die dafür sorgen, dass man zwischendurch noch einen Klamottenwechsel einlegen kann, der nicht unbedingt zum Vorteil für die Laune des Kindes ist. Auch gern genommen: Nuckelflaschen. Die könnte das Kind dann eigentlich während dem ganzen Shooting selbst halten. Jippie.

 

Gummibärchenjagd

 

Mein schönstes Erlebnis war die Gummibärchenjagd. Papa dachte, es könnte doch mal ganz witzig aussehen, wenn das Kind ein an eine Schnur gebundenes Gummibärchen fangen muss. Quasi Würstchenfangen. Nur mit Gummibärchen. Sah witzig aus, wir hatten alle Spaß (und ein wenig Angst vor der Schnur und dem Verschlucken), nur die Fotos, die sind etwas unvorteilhaft, weil: da ist nicht viel vom Gesicht zu sehen, ausser der grooooße, offene Mund.

 

Seifenblasen

 

Um das Kind dann von den Gummibärchen "noch mehr!" abzulenken, eignet sich die nächste Technik auf jeden Fall: Seifenblasen!

Sind an sich immer ganz nett - die Kinderaugen glänzen so schön - aber die gute Laune ist unwiederbringlich verloren, sobald "Jetzt ist aber Schluss" ertönt, weil sich das Kind schließlich wieder auf das Wesentliche, den Fotografen, konzentrieren soll.

 

Unter der Decke

 

Wenn das - wie erwartet - nicht mehr funktioniert folgt das nächste Ablenkungsmanöver. Die Decke! Man kann sich dort prima verstecken und das Kind mit "Wo bist Du? Siehst Du mich? Guggugg!" zum Lachen bringen. Hurra. Blöd nur, wenn das Kind die Decke dann spannender findet. Aber auch da kann man ja was machen:

 

gugguck

 

Und dann gibt es noch die allerschönsten Fotos, die Freunde von Anne Geddes lieben. Dieses Phänomen tritt zu bestimmten Jahreszeiten verstärkt auf, z.B. zu Weihnachten, wenn überall wieder Nikolauskostüme für Babies verkauft werden oder Engelsflügel oder oder oder. In einem Fotostudio, in dem ich gearbeitet habe, war das ganz weit vorn: Kostüm, Fell, Seifenblasen, Rosenblätter, Engelskostüm. Und zwar alles auf einem Bild. Kann man machen. Muss man aber nicht. Wenn die Kinder damit Spaß haben, alles wunderbar, sobald man aber merkt, mag es nicht, sollte man es lieber lassen. Lieber ein paar lachende Kinderfotos ohne Kostüm, als viele traurige Nikoläuse!

 

Ana hat sich dann aber exklusiv für Euch bereit erklärt, sich auch mal wieder zu verkleiden:

 

Ich verkleide mich

 

Und was übrigens sonst so raus kommt, wenn ich das beruflich mache, könnt Ihr auch hier sehen...

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren