Ann-Cathrin und Thorsten sind Herr und Frau Krauss, die Namensgeber des Familien- und Lifestyle-Blogs herrundfraukrauss.com. Zusammen mit Ihren Töchtern Marie (7) und Leni (5) leben die beiden im beschaulichen Herzogenaurach und genießen ihr buntes, trubeliges Familienleben, das jede Menge wunderbaren Stoff für den Blog liefert. Hier verraten Sie uns, wie Sie Weihnachten verbringen.

Gerade wenn man Kinder hat, werden die eigenen Kindheitserinnerungen an Weihnachten wach. Wie habt Ihr denn die Feiertage als Kinder verbracht?

Ann-Cathrin: Weihnachten war immer ein ganz besonderer Tag. Ich habe das letzte Adventssäckchen geöffnet, meine Mutter hatte alles dekoriert und geschmückt, wir haben uns schick angezogen und mein Vater hat ein tolles Weihnachts-Menü gekocht. Vor der Bescherung waren wir am späten Nachmittag mit der Familie im Weihnachtsgottesdienst und zum Abschluss hat jeder eine Kerze bekommen, mit der er nach Hause gelaufen ist. Das gab diesem Tag etwas besonders festliches und besinnliches. In den Tagen vor Weihnachten durfte ich als kleines Kind nie das Zimmer betreten in dem der Weihnachtsbaum stand bis dann am Heiligen Abend das Glöckchen geklingelt hat. Als ich älter wurde, habe ich zu Hause das Schmücken des Weihnachtsbaumes am 23. Dezember übernommen. Und das behalten wir auch heute mit unseren Kindern bei. Wir schmücken am 23. Dezember zusammen den Tannenbaum.

Thorsten: Wir haben früher in der Vorweihnachtszeit viele Plätzchen gebacken (und gegessen!). Das waren immer sehr gemütliche Runden in der Küche.
Am 24.12. haben wir dann den Baum aufgestellt und geschmückt. Bis heute fehlt die eine Schraube des alten Baumständers. Gehalten hat er trotzdem.
Bevor wir die Geschenke auspacken durften, haben wir gemeinsam gesungen. Hätte jemand zum Fenster reingeschaut, er oder sie hätte Tränen gelacht. Meine Mutter immer zu hoch, mein Opa zu perfekt (da 70 Jahre im Kirchenchor geschult), mein Bruder gar nicht (ab und an kam da mal ein Brummen von der Seite) und ich ein halbes Wort hinter dem Rest, da nicht textsicher. Alle haben ihr Bestes gegeben. Nach dem Essen sind wir am Abend noch alle geschlossen in die Christmette gegangen. Die hat gefühlt immer 3 Stunden gedauert, war aber der Abschluss eines tollen Tages im Kreis der Familie. Es wurde immer viel geredet und gelacht.

Wie feiert Ihr jetzt mit eurer Familie? Was für Rituale habt Ihr?

DSCF9317 Kopie 2Wir feiern am Heiligen Abend bei uns zu Hause, meistens nur zu viert, da der Rest der Familie sehr weit weg wohnt. Uns ist es wichtig, daß wir den 24. Dezember in aller Ruhe verbringen und möglichst nichts mehr einkaufen und vorbereiten müssen, da wir oft am 25. Dezember schon Besuch bekommen oder zur Familie fahren. Wir starten den Tag mit einem gemütlichen Familienfrühstück und danach lesen wir zusammen Bücher, z.B. „Weihnachten in Bullerbü“ von Astrid Lindgren um uns auf das Fest einzustimmen. Und wir schauen Kinderfilme. Auch hier sind die Weihnachtsgeschichten von Astrid Lindgren mit Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und Lotta aus der Krachmacherstraße unsere Favoriten. Vielleicht weil in Schweden immer Schnee zu Weihnachten liegt und das dem Weihnachtsfest besondere Atmosphäre verleiht.

Wir haben einige Rituale mit unseren Kindern in der Vorweihnachtszeit entwickelt, die wir jedes Jahr wiederholen. Zum Beispiel darf sich sich jeder aus der Familie einen Anhänger für den Weihnachtsbaum aussuchen. Das macht viel Spaß und wir können zu jedem Baumschmuck die Geschichten erzählen. Vor zwei Jahren haben sich unsere Mädchen Meerjungfrauen ausgesucht, sehr exotisch für Weihnachten. Dieses Jahr gab es die Anhänger schon im November, kleine, weiße Engel aus Holz mit Federn dran, die wir bei einem Ausflug nach Bamberg entdeckt haben.

Für den Adventskalender der Mädchen verwenden wir noch gut erhaltene Adventssäckchen, die Ann-Cathrin’s Mutter vor 35 Jahren für sie genäht hat. Wir finden es schön auch alte Dinge mit viel Wert, die Tradition haben, weiter zu geben. Gerade in unserer heutigen schnelllebigen und konsumorientierten Welt empfinden wir das als wichtig unseren Kindern solche Werte mitzugeben.

Aus Ann-Cathrins Kindheit haben wir auch noch ganz viele Ostheimer Krippenfiguren aus Holz, mit denen spielen unsere Kinder während der Weihnachtszeit. An Heiligabend wird endlich das Jesuskind in die Krippe gelegt und alle Holzfiguren, Menschen und Tiere, darum aufgebaut. Über die Jahre ist unsere Sammlung an Holzfiguren gewachsen, auch die Kinder haben welche geschenkt bekommen. Es ist eine sehr schöne Sammlung, die noch einige Generationen weiter gegeben werden kann.DSCF9357 Kopie 2
Wenn dann der Nachmittag näher rückt, machen wir uns alle schick. Die Kinder lieben es sich Weihnachtskleider auszusuchen, meist haben die ganz viel Tüll und funkeln oder im letzten Jahr waren sie rot mit einem Rentier darauf und Sternen.

Die Kinder singen im Kinderchor und begleiten musikalisch den Weihnachtsgottesdienst in der Kirche. Wenn wir aus dem Weihnachtsgottesdienst kommen, dann ist das Wohnzimmer zu und die Kinder gehen nach oben in ihr Kinderzimmer. Dort stehen sie am Fenster und versuchen einen Blick auf das Christkind zu erhaschen, das die Geschenke vorbei bringt. Leider ist es immer so schnell, läutet seine Glöckchen und fliegt davon bevor sie es sehen können. Und wenn unsere Mädchen die Glöckchen hören, dann flitzen sie die Treppen runter ins Wohnzimmer und die Bescherung beginnt.

Und was kommt bei Euch auf den Tisch?

Auch in unserer Familie gibt es ein Gericht, das Thorsten immer am 24. Dezember kocht: Rinderfilet mit selbstgemachten Spätzle und Gemüse. Spätzle sind nicht schwer und lassen sich sehr gut vorbereiten, hier unser Rezept (echt schwäbisch, von Thorsten’s Oma):
2 große Tassen Mehl
3-4 Eier
etwas Wasser
1TL Salz
Spätzlepresse

Mehl, Eier, Salz und eventuell etwas Wasser werden so lange geschlagen, bis ein glatter Teig entsteht und sich Blasen bilden, der Teig tropft zäh vom Löffel. Dann den Teig mit der Spätzlepresse in kochendes Salzwasser durchdrücken. Spätzle mit dem Seiher aus dem Wasser heben, mit kaltem Wasser kurz abspülen. Vor dem servieren die Spätzle in einer Pfanne mit Butter schwenken.

Ach ja, und was für uns Erwachsene an Weihnachten auf keinen Fall fehlen darf: wir schauen „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ von und mit dem großartigen Loriot. Denn „früher war mehr Lametta“ und „dann wird’s gemütlich“![/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]