Philipp Maier hat vor über zehn Jahren zusammen mit seiner Frau Barbara „Spielplatz Kunterbunt“ in München gegründet. Sie befassen sich mit der Gestaltung und dem Bau von Spielplätzen und Spielgeräten. Wir wollten von ihnen wissen, ob in den Städten der Zukunft überhaupt noch Platz ist für Spielplätze und wie diese aussehen könnten.

Wie sieht Ihrer Meinung nach im Jahr 2050 ein Spielplatz für Kinder aus?

Das Maß aller Dinge bei der Planung von Spielplätzen werden immer die natürlichen Instinkte und Triebe von Kindern sein. Sie wollen hoch hinaus, Herausforderungen bestehen und Ängste spielerisch überwinden. Um eine Vorstellung von Spielplätzen in 35 Jahren zu bekommen, lohnt sich zunächst ein Blick in die Vergangenheit. Vor 35 Jahren gab es vielerorts einzelne Rutschen, Klettergerüste und Schaukeln aus dünnen Metallrohren, die in großen Sandflächen verteilt aufgestellt wurden. Mittlerweile werden immer mehr kombinierte Spielgeräte entworfen und gebaut: mit Rutschen und Schaukelanbauten, die an Spieltürmen montiert sind, dazu verschiedene Podeste und Ebenen. Dieser Trend zu vielseitigen Spielräumen und -plätzen wird sich weiter fortsetzen. Sehr spannend wird in der Zukunft sein, in welche Richtung es dabei geht – ob auf den Spielplätzen viel Wert auf maximale Sicherheit und Kontrolle gelegt wird oder ob die Kinder relativ frei den Spielraum und damit ihre kindlichen Fähigkeiten erleben und entdecken dürfen.

Weltweit wachsen die Metropolen und werden zu sogenannten Megacitys. Ohne zu pessimistisch sein zu wollen: Wird es dort überhaupt noch Raum für Spielplätze geben?

Wir sind zum Glück noch sehr weit von Megacitys wie New York, Paris, Tokio oder London entfernt. Die einzige Region in Deutschland, die man als Megacity bezeichnen könnte, ist der Ruhrpott mit seinen fünf Millionen Einwohnern. Doch der entwickelt sich mehr und mehr weg vom verrußten Tagebau-Moloch hin zur grünen Oase mit Parks und renaturierten Anlagen, die viel Raum für Spielplätze bieten.

Wo in den Städten werden voraussichtlich Spielplätze entstehen?

Die werden auch in der Zukunft in Parks, Wohnsiedlungen und Naherholungsgebieten gebaut werden, daran wird sich nicht viel ändern. Allerdings dürfte sich die Idee der Indoor-Spielplätze noch mehr etablieren. Und schlaue Firmenchefs könnten im Hinblick auf eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf Krippen und Kindergärten in ihren Unternehmen einrichten, die dann auch mit Spielplätzen ausgestattet werden müssen.

Rutschen, Schaukeln, Klettergerüste: Was lässt in 35 Jahren die Herzen der Kinder höherschlagen?

Das beliebteste Spielgerät war, ist und wird auch in Zukunft die Schaukel bleiben. In Abwandlung eines Zitates des großen Humoristen Vicco von Bülow alias Loriot: „Ein Spielplatz ohne Schaukel ist zwar möglich, aber nicht sinnvoll.“ Auch hier wird sich die Entwicklung zu immer höheren und größeren Geräten so weit fortsetzen, wie es die Bedienbarkeit zulässt. Denn ab einer gewissen Aufhängungshöhe bleibt der gewünschte Effekt einer Schaukel aus, da die Schwingbewegung nicht mehr in Gang gesetzt werden kann. Daneben werden vor allem Trampoline, Kletterfelsen und große Hang- und Röhrenrutschen die Spiellandschaften der Zukunft prägen.

Was ist mit fliegenden Hoverboards, Looping-rutschen oder futuristischen Kindermobilen?

Im öffentlichen Raum müssen auch im Jahr 2050 Spielplätze und -geräte so gestaltet sein, dass sie betriebssicher, standfest, diebstahlsicher und resistent gegen Vandalismus sind. Achterbahnen oder Ähnliches wird es also weiterhin nur in Freizeitparks geben.

Brille aufsetzen und ab in die digitale, interaktive Spielwelt: Könnte auch das nach Ihrer Einschätzung eine Zukunftsvision sein? 

Der klassische Spielplatz wird hoffentlich nie durch interaktive und digitale Welten ersetzt. Schließlich sind Spielplätze ungemein wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung eines jungen Menschen. Denn sie fördern und fordern Bewegungsabläufe, das soziales Verständnis, bringen Körper und Geist in Schwung.

Sie haben einen Wunsch frei: Welche Art von Spielplätzen würden Sie gerne im Jahr 2050 gestalten und bauen?

Ganz neue, urbane Plätze würden mich sehr reizen. So könnte ich mir zum Beispiel gut vorstellen, Spieltürme auf den Wolkenkratzern der Banken in Frankfurt am Main zu bauen. Oder einen Themenspielplatz auf dem Dach des Bahnhofs Berlin am Potsdamer Platz. Allerdings würde ich das gerne vor 2050 in Angriff nehmen. Denn in 35 Jahren wird hoffentlich eines meiner Kinder den Betrieb übernommen haben.