Giftstoffe in Kinderprodukten? Nichts klingt gruseliger für Eltern, als der Gedanke, dass Spielzeug und Kinderkleidung ihre Kinder ganz heimlich krank machen könnten. Die Initiative „Kleine Helden leben sicher“ will hierzu aufklären.

Die Verbraucherinitiative „Kleine Helden leben sicher“ will das Bewusstsein über Kindersicherheit in der Gesellschaft stärken. Unterstützt wir die Initiative von zahlreichen unabhängigen Experten und vom Bundesverband Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller e.V., dazu unten mehr. Es geht beim Thema Kindersicherheit um Sicherheit im Straßenverkehr und im Haushalt. Während Unfälle im Haushalt meist recht praktisch zu vermeiden oder einzuschränken sind, sind in Kinderprodukten enthaltene Giftstoffe ein ziemlich weites Feld und für Eltern ein eher undurchsichtiges Thema.

Hier die 5 am häufigsten vorkommenden Giftstoffe, die es zu vermeiden gilt.

1. Weichmacher
Die bekanntesten unter den Weichmachern sind die Phthalate – das kaum aussprechliche Wort erschien in der Vergangenheit am häufigsten in den Medien. Wie der Name schon verrät, werden Weichmacher eingesetzt, um Kunststoffe weicher und flexibler zu machen. Nicht immer hat das nur einen funktionellen Nutzen, manchmal geht es dabei auch nur um die Haptik eines Produkts. Weichmacher findet man zum Beispiel in Textilien, Trinkflaschen, Spielzeug oder Verpackungen. Gefährliche Weichmacher wurden in den letzten Jahren aus dem Verkehr gezogen und durch unbedenklichere Stoffe ersetzt. Obwohl es in manchen Fällen nicht ganz ohne Weichmacher geht, können sich die Verbraucher darauf verlassen, dass die europäischen Hersteller von Markenprodukten darauf achten, dass bei der Verwendung chemischer Stoffe die geltenden Qualitäts- und Sicherheitsstandards eingehalten werden.

2. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Diese Stoffe sind vereinfacht formuliert Abgase, die bei der Herstellung bestimmter Produkte auftreten können. Sie sind zum Beispiel enthalten im Ruß von Dieselmotoren, oder werden beim Heizen mit einem Holzofen freigesetzt. Diese Stoffe werden also nicht bewusst einem Produkt zugesetzt, sondern gelangen bei der Herstellung hinein oder sind in einem Rohstoff enthalten.  Kinderartikelhersteller verwenden PAK grundsätzlich nicht in ihren Herstellungsprozessen. Dennoch können geringe Spuren von PAK in Endprodukten auftreten – einfach, weil sie in den verwendeten Rohstoffen vorkommen. Jedoch kann man hier beruhigt sein, denn die wirklich bedenklichen Stoffe aus dieser Reihe kommen in Endprodukten kaum vor und wenn, dann nur in sehr geringen Mengen, die nicht gesundheitsgefährdend sind.

3. PFC
Unter dieser Bezeichnung versteht man bestimmte  Chemikalien, die wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften haben.  Entsprechend werden sie zum Beispiel in Textilien wie wetterfesten Funktionsjacken oder in Kochgeschirr wie beschichteten Bratpfannen eingesetzt. Zwar sind sie unmittelbar nicht gesundheitsschädlich, dafür aber extrem umweltschädlich. Diese Stoffe bauen sich nämlich so gut wie nicht auf natürlichem Wege ab. Die meisten Hersteller von Markenprodukten für Babys und Kleinkinder achten inzwischen besonders streng darauf, Stoffe aus dieser Liste in ihren Produkten keinesfalls zu verwenden.

4. Optische Aufheller
Strahlend weiße Wäsche ist meist nicht das Ergebnis einer guten Wäsche, sondern kann oft nur durch den Einsatz Optischer Aufheller erreicht werden. Dies sind fluoreszierende Substanzen, die den Weißgrad steigern, in dem sie einen Gelbstich kompensieren. Entsprechend findet man sie in der Waschmittel-, Textil-, Faser-, Papier- und Kunststoffindustrie. Die meisten weißen Materialien enthalten heute optische Aufheller, auch in Kinderprodukten. Nur so bleiben weiße Textilien, die Teil eines Produkts sind, auch nach häufigem Gebrauch noch strahlend weiß.  Sie gelten generell als unbedenklich, aber wie bei allen chemischen Stoffen sollten Eltern wachsam sein, womit genau und in welchem Umfang ihr Nachwuchs damit in Berührung kommt.

5. Zinnorganische Verbindungen
Zinnorganische Verbindungen, auch Organozinnverbindungen genannt, setzen sich aus Kohlenwasserstoff und Zinn zusammen. Sie kommen bei der Herstellung von Unterwasser-Schiffsanstrichen und in Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Man findet diese Stoffe aber auch als Stabilisator in Bedarfsgegenständen und in Kleidung. Sie können laut Bundesinstitut für Risikobewertung das Immun- und Hormonsystem des Menschen gefährden. Allerdings würde vermutlich erst eine Belastung in höheren Konzentrationen über einen längeren Zeitraum und in Kombination mit anderen Einflüssen krank machen. Als  Verbraucher kann man sich inzwischen sicher sein, dass in den Produkten für Babys und Kleinkinder zinnorganische Verbindungen keine Gesundheitsgefahr darstellen. Aber auch hier gilt es, häufigen Kontakt als reine Vorsichtsmaßnahme zu vermeiden.

FAZIT: Es gilt also, beim Kauf von Kinderprodukten genau hinzuschauen und sich zu informieren. Die Initiative „Kleine Helden leben sicher“ bietet hierzu einen Expertenrat an. Über ein Kontaktformular könnt ihr Fragen zu Produkten in eurem Haushalt stellen, die dann von einem Experten beantwortet werden.

Über den Bundesverband Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller e.V. (BDKH)

Die Mitglieder dieses Verbandes haben sich einen Verhaltenskodex auferlegt, indem sie sich dazu bekennen, dass die Qualität der Produkte, die Sicherheit und Gesundheit ihrer Kunden oberste Priorität haben. Die selbstauferlegten Qualitätskontrollen gehen dabei teilweise deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Der Verband will die Sicherheitsstandards bei Kinderprodukten verbessern und fördert eine enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Institutionen und Behörden, sowie relevanten Verbraucherorganisationen. Darüber hinaus setzt sich der BDKH für eine kinderfreundliche Gesellschaft und die Einhaltung sozialer Standards bei der Produktion von Kinderartikeln ein. Aktuelle Mitglieder sind Britax Römer, Chicco, Maxi-Cosi, Quinny, Safety 1st, Lässig, Peg-Pérego, Rotho Babydesign, Teutonia, TFK, Ergobaby, Moon und Alvi.