Über Geld spricht man nicht? Sehr wohl! Ron Lieber plädiert für einen offenen Umgang von Eltern mit dem Thema – und das nicht nur, wenn es ums Taschengeld geht. Der zweifache Vater schreibt für die New York Times die Kolumne „Your Money“. In seinem 2015 erschienenen Buch „Die Verwöhn-Falle“ erklärt er, wie man Kindern den Umgang mit Geld beibringen kann. Wir haben ihn dazu befragt und liefern euch auch einen Spieletipp zum Thema Taschengeld.

Luna: Warum fällt es vielen Eltern schwer, mit ihren Kindern über Geld zu reden? 

Ron Lieber Taschengeld
Ron Lieber

Ron Lieber: Unsere Generation hat oft beigebracht bekommen, es sei unhöflich, über Geld zu sprechen. Das ist es aber nicht! Den Umgang mit Geld zu lernen ist eine notwendige Fähigkeit. Und wer das als Jugendlicher alleine machen muss, macht wahrscheinlich viele Fehler. Andere Eltern schämen sich, weil sie nicht viel darüber wissen – wegen ihrer eigenen finanziellen Gewohnheiten oder weil sie nicht viel Geld haben.

Wie kann es die Entwicklung der Kinder beeinflussen, wenn man sie verwöhnt?

Wenn Kinder keine Regeln oder Grenzen bezüglich des Geldes kennen, meinen sie, dass Geld nichts bedeutet oder dass die Eltern immer bereitstehen, um sie vor finanziellen Schwierigkeiten zu bewahren. Geldentscheidungen haben Konsequenzen und das sollten sie auch für Kinder haben. Sie müssen den Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen lernen.

Ab welchem Alter sollten Kinder Taschengeld bekommen?

Ab fünf oder sechs. Sie sollten genug bekommen, dass sie sich etwas von dem, das sie gerne hätten, kaufen können, aber nicht so viel, dass sie keine schweren Entscheidungen treffen müssen, wofür sie das Geld ausgeben.

Sollte das Taschengeld an Bedingungen geknüpft werden?

Nein. Wenn die Kinder beispielsweise nicht im Haushalt helfen, sollte man lieber eine andere Belohnung streichen, zum Beispiel den Nachtisch oder den Zugang zum Internet. Geld ist ein Lehrmittel wie Bücher oder Musikinstrumente, deshalb sollte man ihnen das nicht wegnehmen.

Was ist die wichtigste Funktion von Taschengeld?

Es dient der Übung. Wir möchten, dass Kinder gut im Umgang mit Geld werden, genau wie sie gut lesen und schreiben lernen sollen. Mit Geld umzugehen und Entscheidungen darüber zu treffen, ist eine entscheidende Fähigkeit im Leben. Das beinhaltet auch, Fehler zu machen. Deshalb sollten Eltern Kinder nicht davor bewahren. Noch steht ja nicht viel auf dem Spiel.

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Sollten Kinder selbst entscheiden können, wofür sie ihr Taschengeld ausgeben?

Eltern sollten festlegen, wie das Geld aufgeteilt werden muss. Wie viel gespart wird, wie viel gespendet wird und wie viel ausgegeben werden darf. Den Sparzweck dürfen Eltern vorgeben, zum Beispiel kann das Geld für die Ausbildung oder den Führerschein genutzt werden. Eltern dürfen natürlich auch verbotene Dinge bestimmen, die nicht vom Taschengeld gekauft werden dürfen.

Was können Eltern noch tun, um Kindern einen vernünftigen Umgang mit Geld beizubringen?

Sie sollten offen darüber sprechen und die Kinder in ihre finanziellen Entscheidungen involvieren. Egal ob es um den Lebensmitteleinkauf geht oder um Entscheidungen zur Wohnung, Kinder beobachten ihre Eltern genau und können so viel lernen.

Luna-Tipp: Spielerisch mit Geld umgehen lernen

Spätestens wenn die Kids in die Schule kommen müssen sie die Münzen auseinanderhalten und kleine Beträge zusammenrechnen können. Mit dem neuen tiptoi® Spiel „Rechenspaß mit Taschengeld“ können Sechs- bis Zehnjährige Kinder während eines virtuellen Stadtbummels dies üben und lernen, mit ihrem Geld zu wirtschaften. Überall lauern verlockende Angebote, doch nur wer clever haushaltet, kann gewinnen. Wer knapp bei Kasse ist, kann sich durch das Lösen kleiner Aufgaben zum Glück etwas Geld dazuverdienen. Der tiptoi®-Stift hilft beim Rechnen und gibt wertvolle Tipps.

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Ravensburger, tiptoi® Lernspiel „Rechenspaß mit Taschengeld“, ca. 23 Euro

 

Wer konkrete Empfehlungen zur Höhe des Taschengelds will, der kann sich an der Taschengeldtabelle des Jugendamtes orientieren.