Am liebsten tags wie nachts im Pyjama unterwegs, mit dem Heldenkostüm oder Prinzessinnenkleid durch den Supermarkt … Mehr und mehr gehen wir auf die Persönlichkeitsrechte der Kinder ein, schaffen ihnen Raum, sich selbst, ihre eigene optische Identität zu entfalten. Charakterentwicklung ersetzt den Kleiderzwang und kreiert damit unweigerlich die Frage: Sollte Kindern Modestil überhaupt noch vermittelt werden?

Eine Frage des Ob und Wie, der sich die renommierte Designtheoretikerin Fredericke Winkler annahm: „Je wilder sie es jetzt zugehen lassen, desto stilvoller werden wir sie später ins Leben entlassen können. Kinder fangen schon sehr früh an, mit der Wirkung ihrer Erscheinung zu spielen, etwa indem sie sich verkleiden. Mit dem Vorschulalter beginnen sie, ihren Körper immer stärker als ihr Eigentum zu verstehen und zu verteidigen. Das müssen wir Eltern unbedingt unterstützen.“

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Bild: unsplash.com/@samanthasophia

Das Anziehen als der erste Kampf des Tages

… besonders für jene Eltern, die ihren Sprössling gerne nach eigenen Vorstellungen kleiden. Doch ist das überhaupt nötig oder verhält es sich mit Geschmack ebenso wie mit dem eignen Erbgut, das von Generation zu Generation weitergegeben wird? Und ist Stil eine Frage der Erziehung oder vielmehr des meist prägenden Umfelds?

„Die Prägung der Eltern bezieht sich eher auf das Stilverhalten. Worauf lege ich als Mutter wert? Farbe, Anlass, Komfort, Sauberkeit oder Spaß? Die Freunde bestimmen dann den konkreten Style. Kurz: von innen die Methode, von außen die Mittel“, so Winkler.

Abgrenzung und Integration. Widerstand und Adaption.

Mode war seit jeher und wird auch in Zukunft stets ein Ausdruck der Persönlichkeit und damit ein essenzielles Kommunikationsmittel sein. Wie viel Raum sollte dem eigenen Kind gegeben werden, sich durch Kleidung selbst auszudrücken? „Unbedingt so viel, wie man als stilbewusste Eltern auszuhalten vermag. Die Grenze sollte die Wettertauglichkeit sein“, so Fredericke Winkler.

Titelbild: unsplash.com/kelly-sikkema