Zum Welttag des Buches wünschen wir zunächst einmal allen Büchern unsere herzlichen Glückwünsche. Den Viellesern und -Leserinnen sagen wir: Alles richtig gemacht! Zur Feier des Tages stellen wir euch außerdem unsere Lieblingsmärchen vor. Sie alle haben eine lange Tradition, sind aber erst kürzlich in der Neuauflage erschienen und wissen zu überraschen.

Schneewittchen mal ganz anders

Schneewittchen kennt man: Haare wie Ebenholz, Haut wie Schnee, böse Stiefmutter, sieben Zwerge, vergifteter Apfel und Happy End mit einem schicken Prinzen. Davon ist hier ziemlich wenig übrig geblieben – wenn auch alle wichtigen Elemente ganz bezaubernd eingearbeitet wurden.

Die Innenansicht aus "Vor den 7 Bergen" © Mareike Engelke & Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag
Die Innenansicht aus „Vor den 7 Bergen“ © Mareike Engelke & Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag

In „Vor den 7 Bergen. Davon wie Schneewittchens Enkel in die Berge wollen und ALLES schiefgeht“ spielen die 7 Zwerge die Hauptrolle. Hierbei handelt es sich um Schneewittchens sieben Enkel, die endlich ihre Oma besuchen wollen. Schließlich gibt es bei Oma hinter den 7 Bergen Schnee, Oma, Omas Apfelkuchen und somit also auch jede Menge Spaß. Die Reise gestaltet sich allerdings als beschwerlicher Weg voller Hindernissen. Ob die chaotische Reisegruppe jemals ankommt?

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Mareike Engelke und Annette Feldmann: Vor den 7 Bergen, Kunstanstifter Verlag 2017, 22 Euro

Die Geschichte von Annette Feldmann wird durch die genialen Illustrationen von Mareike Engelke bestens ergänzt. Das gesamte Buch ist herrlich abgedreht und löst sich ganz beiläufig von verstaubten Klischees: Hier wartet keiner auf den holden Prinzen, die eine Schönheit gibt es gar nicht, weil hier alle ziemlich toll aussehen und das Happy End ist kein wundersamer Zauber. Ganz großartiger Geniestreich, der Kindern und Eltern richtig viel Spaß macht!

Alte Geschichten, neues Gewand

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Jakob und Wilhelm Grimm: Grimm: Die illustrierten Märchen der Brüder Grimm, Gestalten Verlag 2017, 19,95 Euro

Manchmal sind es einfach die Klassiker, die man immer wieder lesen möchte. Die Brüder Grimm könnten davon ein Lied singen – wenn sie denn noch leben würden. Wenn die beiden auch nur einen Cent für jedes Kind bekommen würden, dass mit ihren Geschichten aufgewachsen und abends eingeschlafen ist und dessen Phantasie dadurch angeregt wurde, wären sie wohlhabende Männer. Zu Lebzeiten haben sie aber nicht nur Märchen gesammelt, sondern sich auch sonst tatkräftig um die deutsche Sprache bemüht.

Die bekannten Geschichten um Rotkäppchen, Hans im Glück oder Hänsel und Gretel sind einfach immer noch relevant und werden gerne gelesen – neue Geschichten braucht es also gar nicht immer. Gegen neues Gewand ist allerdings nichts einzuwenden. Für dieses Buch aus dem Gestalten Verlag durften 20 Illustratoren und Illustratorinnen eine eigene Welt entstehen lassen. Jede einzelne Geschichte wurde so auf ganz eigene Art und Weise in Szene gesetzt. Mal erstrahlen die alten Erzählungen nun in rabiatem Comic-Look, erscheinen ganz klassisch oder reduziert und modern. So überrascht uns jede einzelne Geschichte und offenbart eigenwillige Einsichten, die wir vorher noch nicht kannten.

Detailverliebt

Die Schoene und das Biest
Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve: Die Schöne und das Biest, Coppenrath Verlag 2017, 29,95 Euro

Wahrscheinlich muss man diese Neuauflagen aus dem Coppenrath-Verlag mindestens zweimal lesen. Das erste Mal ist man nämlich ziemlich wahrscheinlich viel zu sehr damit beschäftigt, die ganzen Raffinessen und Kleinigkeiten zu erkunden, die diese Werke zu bieten haben – ein bisschen Pop-Up, ein bisschen Interaktion auf Papier. Das macht sich nicht nur hübsch im Bücherregal sondern lässt den Leser auch direkt prunkvoller erscheinen. Für die aufwändige Gestaltung des Buches zeigt sich Designkünstlerin MinaLima aus London. Neugierig geworden? Schaut euch im Video an, was das wunderschöne Buch zu bieten hat:

Einfach mal spiegelverkehrt denken!

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Lewis Carroll und Floor Rieder: Alice im Wunderland, Gerstenberg Verlag 2015, 22 Euro

Immer wenn wir Alice treffen, wünschen wir uns, ein bisschen wie sie zu sein: Mutig und viel zu neugierig, um den Dingen nicht auf den Grund zu gehen. So hübsch verwunschen und geheimnisvoll ist die Welt, in die wir Alice folgen. Die Geschichte vom Wunderland, in das Alice gerät, stammt aus dem Jahr 1865. Lewis Carroll hat von der kleinen Tochter eines Freundes inspirieren lassen, die neugierig und frech war. Ganz nach diesem Vorbild ist dann die Figur „Alice“ von ihm gestaltet worden. Das Spannende: Die Erzählung bietet mit ihrem verdrehten Blick auf die Realität auch eine Herausforderung für Erwachsene. Kinder hingegen können sich so richtig in die Phantasiewelt einlassen.
Nachdem das Buch ein großer Erfolg war, schrieb Carroll direkt eine Fortsetzung: „Alice hinter den Spiegeln“. Zitate, Bilder aber auch Verfilmungen lassen sich immer wieder durch diese Geschichte inspirieren. Der Gerstenberg Verlag hat sich auch dem wundersamen Stoff genähert und eine Ausgabe herausgebracht, die es in sich hat: Genauer genommen hat sie beide Teile von Alice in sich. Ähnlich verwunschen und ein bisschen düster, wie auch die Geschichte, ist die Gestaltung des Buches ausgefallen. Die niederländische Künstlerin Floor Rieder hat Alice mit Chucks und Rucksack in die Wunderwelt abtauchen lassen – und wir folgen auf Schritt und Tritt.

Titelbild: © Mareike Engelke; Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag