Aufräumen in einem Haushalt mit zwei Kindern: Gibt es ein besseres Beispiel für Sisyphus-Arbeit? Ein sogenannter Ordnungsservice klingt als Antwort darauf verheißungsvoll: Jemand der diskret und unkompliziert bei mir aufräumt. Wir haben das Angebot getestet, und 5 Tipps für euch mitgenommen!

Frau Rodekohr von ordnungsservice.com erklärt mir am Telefon, dass sie meistens acht Stunden bei ihren Kunden verbringe, um gemeinsam mit ihnen so richtig aufzuräumen. Acht Stunden aufräumen? Ich kriege Schweißausbrüche und suche nach Erklärungen, warum ich nur einen halben Tag Zeit hätte, murmele was von „zwei Kinder“ und „berufstätig“ – eine Ausrede, die sie natürlich messerscharf entlarvt mit dem Einwand, dass ich das doch im Rahmen eines Artikels machen würde. Na gut, dann also ein achtstündiger Aufräummarathon – ich gebe mich geschlagen und wir vereinbaren einen Termin. 

Einmal aufräumen, für immer Ordnung?

In meiner Naivität träume ich, diese Frau werde so gründlich bei uns aufräumen, dass es nie wieder nötig sein würde, selber Hand anzulegen. Ein System schaffen und so. Aber dann denke ich an meine beiden Kinder und diese Traumvorstellung verpufft ganz schnell. Dauerhafte Ordnung ist mit Kindern einfach unmöglich, da kann mir einer noch so beharrlich sein geschniegeltes Instagramprofil unter die Nase reiben. 

Chaos im Kinderzimmer

Als sie da ist, gehen wir durch die Zimmer – und obwohl im Kinderzimmer das gewohnte Spielchaos herrscht, findet es Frau Rodekohr gar nicht so schlimm. „Immerhin hat Ihr Sohn Platz, um sich auszubreiten. Richtig schlimm ist es, wenn Kinder so viel Spielzeug besitzen, dass kein Platz zum Spielen bleibt.“

In unserem Schlafzimmer geht es dann richtig los: Wir fangen mit dem Kleiderschrank an. Alles wird ausgeräumt und landet in grob geordneten Haufen auf dem Bett. Von Grob nach Fein, das ist das einfache, aber effektvolle Prinzip, nach dem aufgeräumt wird. Oberteile auf einen Haufen, Unterteile auf den anderen. Dann trennen wir nach Pullovern, T-Shirts und Tops. Ich bekomme gezeigt, wie man Socken und Strumpfhosen platzsparender faltet, und fürs Auge sortieren wir alles, was hängt und liegt, nach Farben. Ich bezweifle zwar, dass ich dies beibehalten werde, aber das Ergebnis ist super. Erst beim Zusammenfalten entscheide ich übrigens, ob etwas weg kann oder nicht.

Ordnung halten mit Kindern

Mit dem Schreibtisch verfahren wir ähnlich. Frau Rodekohr zieht eine Schublade auf. „Ich nenne sie auch die Schublade des Grauens!“, witzele ich etwas beschämt. „So eine hat jeder!“, beruhigt mich Frau Rodekohr. Wie schon beim Kleiderschrank breiten wir jetzt den gesamten Inhalt auf dem Bett aus und sortieren nach Papier und Nicht-Papier. Dann in große Dokumente und kleine. „Die meisten Leute scheitern beim Aufräumen daran, dass sie zu viel nachdenken“, so meine Ordnungshelferin. „Bei jedem Stück Papier, das sie in die Hand nehmen, wägen sie erst einmal ab, ob es in den Müll kann oder nicht. Es ist aber viel sinnvoller, dies erst am Schluss zu tun.“

Ein weiterer wichtiger Tipp: sich nicht zu unrealistische Ziele setzen. Vielleicht reichen jeden Tag 15 bis 20 Minuten, um das Gröbste zu erledigen. Oder man nimmt sich am Wochenende nur mal die eine Schublade vor, die ausgemistet wird. Sehr zügig sortieren wir den Schreibtischinhalt weiter, bis auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Der ganze Papierkram sei übrigens selbst bei sehr ordentlichen Leuten oft ein Problem. Ich freue mich vor allem über einige leere Notizbücher, die zum Vorschein kommen.

Minimalismus ist im Trend

Bei all dem Aufräumen reden wir viel über ihre Erfahrungen und Beobachtungen und sinnieren über den Stellenwert, den Ordnung im Leben einnimmt. „Ich bin sehr viel in Facebook-Gruppen unterwegs, in denen sich Leute mit Ordnung beschäftigen, und beobachte dort einen zunehmenden Wunsch nach Minimalismus. Die Leute schmeißen weg und wollen sich von der vermeintlichen Last des Besitzes befreien.“ Allerdings liege das Problem ja schon darin, dass man einfach von vornherein viel zu viel besitze. Sich dann von Dingen zu trennen, sei nicht wirklich Minimalismus, denn wir entsorgten das Alte meist nur, um etwas Neues anzuschaffen. Alles ist ja so günstig wie noch nie, ständig gibt es Updates und neue Versionen von Produkten, die wir bereits besitzen. Kaum jemand trägt noch Kleidung auf oder benutzt einen Mixer, bis er nicht mehr funktioniert.

Natürlich fördern auch die sozialen Netzwerke den allgemeinen Optimierungswahn. In der Facebook-Gruppe „Organized Home – Ordnung schafft Freude“ geben sich die Mitglieder Tipps in Sachen Ordnung und spornen sich gegenseitig mit Bildern ihrer wahnsinnig gut sortierten Küchenschränke an. Wesentlich stylisher, aber meist auch etwas weltfremder geht es dagegen bei Instagram zu. Das Hashtag #decluttering (Entrümpelung) hat dort 50.122 Beiträge, das Hashtag #newin (neu gekauft) sage und schreibe 2.171.048 Beiträge. 

Hier sind für euch 5 Tipps, wie ihr in einem Haushalt mit Kindern Ordnung halten könnt:

1. Von Grob nach Fein

Sucht euch einen Ort (Fußboden oder Bett) auf dem ihr zum Beispiel den Inhalt der Schreibtischschublade ausleeren könnt. Dann sortiert ihr in Kategorien von grob nach fein. Erst Papiere von allem anderen trennen, dann diese Haufen wieder sortieren – bei Papier in DIN A4 Blätter und Quittungen trennen und so weiter. Im Kleiderschrank sortiert ihr erst in Unter- und Oberteile und dann zum Beispiel in Röcke und Hosen. Immer solange, bis die Haufen übersichtlich genug sind für euch. Dann könnt ihr ausmisten oder alles wieder geordnet einräumen.

2. Übersichtliche Einheiten wählen

Sich übersichtliche und machbare Ziele zu setzen, funktioniert viel besser, als das Vorhaben „morgen mal die ganze Wohnung aufzuräumen“. Gerade mit Kindern ist so ein Vorgehen viel realistischer. Nehmt euch lieber jeden Tag etwas Zeit, um verschiedene kleinere Aufgaben zu erledigen. Auch sehr gut funktioniert die „1-Minute-Regel“: Wenn eine Aufgabe in ungefähr einer Minute zu erledigen ist, einfach sofort machen! So wird die ganze Arbeit in übersichtliche Häppchen portioniert.

3. Fußboden frei halten

Fangt beim Aufräumen mit dem Fußboden an. Schnappt euch einen Wäschekorb und sammelt erst mal alles auf, was rumliegt. Eine Wohnung wirkt direkt viel aufgeräumter, wenn der Fußboden frei ist. Das heisst, alle Gegenstände sollten auch dauerhaft einen Platz im Schrank oder an der Wand finden. Im Kinderzimmer sollten größere Spielzeuge oder Bücher auf niedrigen Regalen stehen. So kann euer Kind sie erreichen, aber der Fußboden bleibt frei!

4. Immer wieder ausmisten

Weniger Dinge bedeuten weniger Chaos – ziemlich logisch, oder? Wichtig ist hierbei, dass man das Ausmisten nicht als Großprojekt plant. Das überfordert und ist meistens nicht einzuhalten, siehe Punkt 2. Aufräumguru Marie Kondo empfiehlt, sich dem Ausmisten und Aufräumen thematisch zu widmen, und nicht nach Zimmern. Zum Beispiel sammelt ihr alle Bücher aus allen Zimmern ein und fangt dann an auszusortieren. Nur dann merkt man auch oft, wovon man wirklich zu viel hat.
Bevor ihr etwas in einer Schublade verstaut, solltet ihr euch fragen, ob ihr es wirklich aufbewahren wollt. Auch im Kleiderschrank immer mal wieder einzelne Teile raussuchen, die nicht mehr getragen werden. Mit eurem Kind könnt ihr verabreden, dass immer wenn etwas Neues ins Kinderzimmer einzieht, etwas anderes in die Flohmarktkiste wandert.

5. Zusammen aufräumen ist leichter!

Mit Kleinkindern im Haushalt ist es wohl einfacher, das einer der Partner die Kinder beschäftigt, während der andere aufräumt. Ansonsten gilt: zusammen macht es einfach mehr Spaß, ob mit dem Partner oder mit Kindern. Helft eurem Kind beim aufräumen oder bittet es, euch zu helfen. Wäsche aufhängen oder saugen – ein paar leichte Tätigkeiten können Kinder schon übernehmen, und irgend etwas macht jedes Kind ganz gerne.

Übrigens: Seit Januar 2019 präsentiert Netflix das neue Format „Aufräumen mit Marie Kondo„. In verschiedenen Folgen präsentiert die japanische Ordnungsexpertin wertvolle Tipps für das richtige Aufräumen mit Familie und Kindern. Wir haben einige Tricks ihrer KonMarie Methode für euch zusammengefasst.

Wie funktioniert die KonMari Methode?

Eigentlich ganz simpel: Wir behalten nur das, was uns wirklich glücklich macht und Freude bereitet. Der Rest wird weggeworfen. Der gesamte Prozess sollte dabei für einen Familienhaushalt maximal ein halbes Jahr andauern und nach einer bestimmten Reihenfolge bzw. bestimmten Kategorien erfolgen:

Kleidung – Bücher – Papierkram – Sonstiges – Erinnerungsstücke

Fotos: Andrej Dallmann, LÄSSIG PR