„Hanni und Nanni“ – haben wir den Enid Blyton Klassiker nicht alle irgendwann gelesen? Obwohl die Autorin im Laufe der Zeit für ihre eindimensionalen Charaktere und rassistische Seitenhiebe kritisiert wurde, begeisterten die Zwillinge und ihr Internatsleben immer wieder neue Generationen – so sehr, dass fortlaufend neue Geschichten und Verfilmungen veröffentlicht werden. Nun gibt es eine Neuauflage und die hat es faustdick hinter den Ohren

Key Visual Hanni Sullivan - Laila Meinecke Nanni Sullivan - Rosa Meinecke
Gut das Hanni und Nanni unterschiedliche Kleidung tragen – sonst könnte man sie gar nicht auseinander halten

Worum gehts: Die Zwillinge Hanni und Nanni müssen ins Internat: Mama ist ständig beruflich unterwegs und Papa bekommt das mit der Erziehung alleine nicht so wirklich auf die Kette.
Natürlich sind die beiden nicht begeistert und schließen einen Pakt: Sie rebellieren im Internat „Schloss Lindenhof“ so lange und ausgiebig, bis sie rausgeschmissen werden und zurück in ihr geliebtes Berlin dürfen. Problematisch wird es allerdings, als Nanni das Leben auf Schloss Lindenhof doch gar nicht mehr so schlecht findet. Sie freundet sich mit anderen Mädels auf dem Internat an, bekommt ihr eigenes Pferd und besteht sogar die Mutprüfung. Hanni ist entsetzt: Zum ersten Mal in ihrem Zwillingsleben fühlt sie sich einsam und freundet sich mit dem kauzigen, alten Godehard an – die beiden Schwestern entfernen sich voneinander.
Am Ende müssen sich Hanni und Nanni nicht nur einer Zerreissprobe stellen, sondern auch noch dafür sorgen, dass Schloss Lindenhof nicht zu einer luxuriösen Golfanlage umfunktioniert wird. Und was hat das eigentlich alles mit Godehard und dem unbezähmbaren Pferd zu tun?

Worum geht es wirklich? Die ursprünglichen deutschen Realverfilmungen von „Hanni und Nanni“ aus den Jahren 2010 bis 2013 waren an den Kinokassen ziemlich große Erfolge. Hanni und Nanni scheinen Garant für klingelnde Kassen zu sein. Schwierig eine solche Kinderreihe mit mittlerweile erwachsenen Schauspielerinnen fortzuführen. Also entschied man sich, eine komplette Neuauflage zu realisieren. „Hanni und Nanni – mehr als beste Freunde“ ist also quasi der vierte Teil der Produktion, steht aber komplett für sich und soll nicht als Fortsetzung des dritten und letzten Teils von 2013 gelten.
Dafür hat auch Regisseurin Isabell Suba zu sorgen versucht: Sie beschäftigt sich gerne und kritisch mit eingerosteten Frauen- und Männerbildern, und versucht diese aufzubrechen. Ihr Zwillingspaar Hanni und Nanni haben eben keine blonden, langen Locken, rosa trägt hier auch keiner und die Darstellerinnen Rosa und Laila Meinecke sind eher coole Gören als süße Mädchen. Vor allem zu Anfang des Films im sommerlichen Berlin bewegen sich Hanni und Nanni ganz unbeschwert und lässig. Ihre Klamotten sind cool, sie tragen gerne Cappys und meistern jede Situation.

Katharina Thalbach (2. von links) spielt die verwirrte Französischlehrerin ganz wundervoll
Katharina Thalbach (2. v. li.) spielt die verwirrte Französischlehrerin ganz wundervoll

Der Konflikt im Film, dass die Schwestern zum ersten Mal einen Keil zwischen einander austarieren müssen, ist gut erzählt und geht mitunter ans Herz. Der liebevolle Cast rundet das Ganze ab: Jessica Schwarz, Henry Hübchen oder Katharina Thalbach glänzen hier neben den zwei sympathischen Hauptdarstellerinnen.
Dennoch: So richtig kann sich auch Regisseurin Suba nicht so wirklich von sämtlichen Klischees losmachen. Hier wird mal wieder angenommen, das jedes junge Mädchen Pferde liebt – oder die Pferdegeschichte zumindest beim weiblichen Publikum gut ankommt. Außerdem mag das etwas überzogene Happy End in alle Richtungen für die einen etwas zu viel sein. Für die anderen ist es einfach ein sommerlicher Gute Laune Film für die ganze Familie.

Unbedingt mitnehmen: Die Nachbarschaft, die ganze Familie und alle Freunde jeglichen Alters. „Hanni und Nanni – mehr als beste Freunde“ ist ein lustiger, harmloser Kinderfilm, bei dem sich auch Erwachsene nicht langweilen – wenn die Story auch etwas vorhersehbar daher kommt.

 

Fotos: © 2017 UFA Fiction (Fotograf: Stephan Rabold)