Alle, die in den 80ern oder vorher geboren wurden, kennen noch eine Zeit ohne Computer oder Internet. Unsere Kinder jedoch sind das, was man als „Digital Natives“ bezeichnet – oder etwa nicht? Die Nutzung der Medien in der Schule scheint jedenfalls nicht davon zu zeugen. In der Luna 63 haben wir uns eingängig mit dem Thema beschäftigt und mit Lehrern, Medienbeauftragten und Wissenschaftlern gesprochen um herauszufinden, wie es um die Mediennutzung an deutschen Schulen steht. Hier gibt es erstmal das Interview zur großen KIM-Studie

Die KIM-Studie wird alle zwei Jahre erhoben. KIM steht für Kindheit, Internet und Medien. Seit 1999 führt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest eine deutschlandweite Erhebung durch. Hierbei wird der Medienumgang der sechs- bis 13-Jährigen untersucht, privat wie auch in der Schule. Wir haben Theresa Plankenhorn, die an dieser Studie mitarbeitet, Fragen dazu gestellt. Sie erklärt uns, was die Studienergebnisse aussagen und was sich an Schulen ändern müsste.

lunamag: Frau Plankenhorn, was ist die Hauptentwicklung, die dank der KIM-Studie in den letzten Jahren sichtbar geworden ist?

Theresa Plankenhorn: Kinder wachsen heute in einem Umfeld mit einem sehr breiten Repertoire an Mediengeräten auf. Sie sehen heute ja bei ihren Eltern, welchen Stellenwert das Smartphone im Alltag hat. Seit der ersten Erhebung der KIM-Studie 1999 haben Fernsehen und Bücher jedoch einen gleichbleibenden, hohen Stellenwert bei Kindern. Das zentrale Medium im Grundschulalter ist weiterhin eindeutig das Fernsehen. Die Nutzung von Handy und Internet kommt bei Kindern ab einem Alter von ca. zehn Jahren mittlerweile hinzu, dann erweitert sich das Medienrepertoire rasch um verschiedene Online-Angebote zur Kommunikation, Unterhaltung, Information und zum Spielen.

Wie nutzen Kinder und Jugendliche heutzutage Medien für die Schule?

Das Thema Medienumgang im Schulkontext wird bei der KIM-Studie immer wieder abgefragt, so auch zuletzt 2016. Hierbei stellen wir den Kindern Fragen einerseits zum Einsatz von Medien im Schulunterricht, andererseits auch zu ihrer

Theresa Plankenhorn ist Co-Autorin der KIM-Studie
Theresa Plankenhorn ist Co-Autorin der KIM-Studie

Mediennutzung zuhause im Rahmen der Hausaufgaben und des Lernens für die Schule. Hierbei wird deutlich, dass Kinder digitale Medien intensiv zuhause für die Schule nutzen, drei Viertel der Sechs- bis 13-Jährigen suchen mindestens wöchentlich etwas im Internet für die Schule. 54 Prozent nutzen regelmäßig zuhause ein Lernprogramm für die Schule. Im Schulunterricht selbst werden neue Medien nur vereinzelt eingesetzt. Nur zwei von fünf Kindern, die generell Computer nutzen, haben auch schon einmal in der Schule am PC gearbeitet.

Obwohl es in den letzten 20 Jahren eine Fülle von technischen Neuerungen gegeben hat, scheinen die Schulen ihren Unterricht immer noch nicht auf den neusten Stand gebracht zu haben. Woran glauben Sie liegt dies?

Wie Schulen aber auch einzelne Lehrkräfte mit dem Thema Medienbildung umgehen, ist sehr unterschiedlich. An einigen Schulen gibt es Strategien, um das Lernen mit und über Medien innovativ umzusetzen. An vielen Schulen in Deutschland ist es auch eine Frage der vorhandenen Medienausstattung. Die eigenen Geräte der Schüler einzusetzen bringt verschiedene Herausforderungen mit sich. Ein zentraler Aspekt ist jedoch nicht allein die Ausstattung, sondern die eingesetzten Konzepte und Inhalte, die auch die Lehrkräfte überzeugen, dass es sinnvoll ist das Thema anzugehen. Ein weiteres Problem scheint zu sein, dass das Thema Medienbildung nicht verbindlich in die Lehrerausbildung integriert ist. Und es ist schlichtweg auch eine Frage der Ressourcen, Zeit und Personal für dieses Thema zu haben, oft bleibt hierfür kein Spielraum angesichts des Schulalltags und anderer Themen wie Inklusion oder differenziertem Unterricht.

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Welche Vorkehrungen an den Schulen müssten durchgeführt werden, um fortschrittlichen Unterricht zu ermöglichen?

Es müsste ein klares, gemeinsames Verständnis von Medienbildung vorhanden sein, es geht ja vor allem darum, die Chancen digitaler Medien für die Bildung herauszuarbeiten und die Kinder auf die digitale Welt vorzubereiten. An erster Stelle stehen hierbei natürlich die Inhalte und Konzepte, die – entsprechend dem Alter der Kinder angepasst – eine reflektierte Begleitung der Kinder durch ihre gesamte Schulzeit ermöglichen und ihnen einen sinnbringenden Einsatz moderner Medien erschließen. Auf der Ebene der Geräteausstattung sollte ausreichend Medientechnik an Schulen vorhanden sein, um eine regelmäßige Nutzung durch alle Schüler zu ermöglichen. Die Nutzung der eigenen Geräte der Schüler wird unter dem Stichwort „Bring your own device“ viel diskutiert. An einigen Pilotschulen, beispielsweise in Hamburg, werden die Geräte der Schüler schon sehr erfolgreich im Unterricht eingesetzt. Hierzu müssen natürlich organisatorische Voraussetzung wie das Einverständnis aller Eltern und technische und organisatorische Voraussetzungen zum Datenschutz erfüllt sein. Außerdem müssen die Lehrkräfte sowohl zu Medienthemen generell als auch zu Mediendidaktik geschult und konstant fortgebildet werden. Um dies alles zu erarbeiten und umzusetzen brauchen Lehrkräfte Unterstützung und ausreichend Ressourcen.

In der Luna 63 haben wir das Thema „Medien in der Schule“ noch aus zwei weiteren Blickwinkeln betrachtet: Wir haben mit einer innovativen Lehrerin über ihren Unterricht gesprochen und mit der Medienberatung NRW gesprochen. Dabei haben wir feststellen müssen, dass es gar nicht so einfach ist festzustellen, wie es denn nun mit den Medien in der Schule aussieht.

Einen Überblick über alle Themen aus dem Heft findet ihr hier.