Mit Kind und Kegel mal nach Japan fahren? Was wie ein großes Abenteuer klingt, ist ein ideales Reiseziel für Familien, die gerne fremde Kulturen entdecken möchten. Japan gilt als eines der sichersten Länder der Welt und verbindet auf angenehme Weise eine europäische Infrastruktur mit einer asiatische Kultur. Ein bisschen Vorbeitung sollte trotzdem sein. Hier sind unsere Tipps für einen Familienurlaub in Japan.

Unterwegs in Japan

Ganz kurz und schmerzlos: Kinderwagen zu Hause lassen. Viele Straßen und Bahnhöfe sind einfach zu eng um da mit den Wägen voran zu kommen. Wer also mit Buggy unterwegs ist sollte lieber einen schmaleren nehmen – am besten gleich einen japanischen, denn die sind bereits schmaler konzipiert. Im Allgemeinen bevorzugen Japaner Tragegurte, die nehmen weniger Platz weg und in Kaufhäusern und Museen gibt es „Leihbuggys“ die man sich am Eingang einfach mitnehmen kann.33679_160746663956250_7844190_n
Am besten voran kommt man in Japan mit dem Zug. Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos. Wer mit einem Kleindkind unterwegs ist findet in lokalen Zügen sogeannte „Yuusenki“, das sind extra Plätze für Schwangere, Ältere und auch Eltern mit Kleinkindern. Aufpassen sollte man bei kleineren Kindern, wenn man mit dem Shinkansen fahren will. Die Schnelligkeit (bis zu 300 km/h) sind viele nicht gewohnt und es wird ihnen leicht schlecht.  Besser man informiert sich vorher wie schnell der Zug tatsächlich fährt und weicht auf einen langsameren aus.

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Essen

In Japan gibt es selten extra Kindermenüs und es wird erwartet das Kinder bei ihren Eltern mitessen. Einzige Ausnahmen sind sogenannte Familienrestaurants (Famiresu). Ein tolles Familienrestaurant in Tokyo ist das Gusto, die preiswertes Essen und wirklich tollen Erdbeerreis haben, das garantiert nicht nur Kinder schmeckt. Richtige Hochstühle für Kinder bieten im übrigen nur die großen Restaurants. In traditionelleren wird  auf Tatami-Matten (Zashiki) gegessen, sodass auch ganz kleine Kinder allein an alle Tische herankommen. Übrigens: In Japan gibt man kein Trinkgeld. Wer es trotzdem versucht, gilt als unhöflich.

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Und ja, insbesondere Lebensmittel wie Käse und vor allem Obst können sehr teuer sein. Wenn es also um die Verpflegung abseits von klasssischen Restaurants geht ist es wichtig zu wissen wo(!) man einkauft. So kann man in den 24-Stundenlädeen (Konbinis) Reisbällchen (O-Nigiri) und kleine Lunchboxen kaufen und diese auch gleich direkt im Geschäft aufwärmen. Neben den  klassischen 7-Eleven Supermärkten gibt es zum Beispiel Läden wie Lawson 100 und 100 Yen Shops, in der jeder Artikel 100 Yen kostet und in denen sich einige tolle (und leckere!) Sachen finden lassen. Obst sollte man generell besser immer kurz vor Ladenschluss kaufen, dann kosten alle frischen Lebensmittel nur noch die Hälfte. Umgerechnet gibt es hier dann Dinge wie Äpfel für knapp einen Euro. Generell ist übrigens – ähnlich wie in Deutschland  – das Leitungswasser in Japan trinkbar, es allerdings in einigen Gegenden sehr chlorhaltig.

Unterkunft

Japanische Hotelzimmer sind sehr eng, sodass Kinder auch in einem als familienfreundlich ausgezeichneten Hotel oft mit den Eltern im Bett schlafen müssen. Außerdem gibt es meist keine Zimmer mit über vier Betten, sodass man gegebenfalls zwei Zimmer mieten muss. Eine gute Alternative bietet sind traditionelle Gästehäuser (Ryokan) die in ihren Zimmer keine Betten haben, aber dafür Schlafmatten (Futons).
Wer seine Unterkunft über Portale wie Airbnb bucht, sollte sich im Klaren darüber sein, das viele japanische Wohnungen mit leicht bedienbaren Schiebetüren, Papierfenstern und niedrigen Gasherden ausgestattet sind, die von Kindern schnell zu neuen Lieblingsspielzeugen erkoren werden könnten.

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Gesundheit

Der medizinische Standard in japanischen Kliniken ist sehr hoch, wenn nicht sogar noch höher als bei uns und dementsprechend teuer. Es lohnt sich also in jedem Fall eine Reisekrankenversicherung abzuschließen. Für kleinere Wehwehchen gibt es überall lokale Kinderkliniken (Kodomo Kurinikku), die von Montag bis Samstag offen haben und bei denen man ohne Termin einfach vorbei gehen kann. Sonntags kann man dann die größeren Krankenhäuser (Biyoin) aufsuchen. Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch hier Erste-Hilfe und Rettungsstellen.

Sicherheit

Generell gilt Japan als eines der sichersten Länder der Welt. Es gibt so gut wie keine Kriminalität und auch vor Erdbeben braucht man keine große Angst haben. Letztere kommen zwar schon oft vor, doch japanische Häuser sind so konzipiert das sie auch stärkeren Schwankungen ohne Probleme stand halten.

Manieren

In Japan wird erwartet, dass man sein Kind unter Kontrolle hat. Weinende, unruhige Kinder in Restaurants und Zügen gibt es eigentlich nicht und wenn dann ziehen sie sofort alle Blicke auf sich, als hätte man gerade den Weltuntergang eingeleitet. Ansonsten sind Japaner total vernarrt in europäische Kinder und man kann damit rechnen auf der Straße plötzlich angehalten  und nach Fotos gefragt zu werden.

Heiße Quellen / Onsen

In vielen Onsen dürfen Kinder, die noch eine Windel tragen nicht ins Wasser, am besten man fragt vor dem Besuch, ob Kleinkinder erlaubt sind.

Themenparks in Japan

Die Japaner lieben Themenparks und Museen, es gibt unzählige und man kann sich damit tagelang beschäftigen. Die  beliebtesten sind das Ghibli Museum, Tokyo Disneyland und Tokyo Sealand das Miraikan Museum, ein Museum „der Zukunft“, das mit seinen Robotern und Interaktionen insbesondere Kindern gefallen wird und das Tokyo Toy Museum, indem man traditionelles japanisches Hoolzspielzeug ausprobieren kann. Ein besonderes Highlight ist auch das Kidzania, in der Kinder Erwachsenenberufe ausprobieren können.

Kultur zum Mitmachen

Japan ist das Land der Feste und Feiertage und das sich viele der an diesem Tag stattfindenden Attraktionen an Kinder richten versteht sich fast von selbst. Neben farbenfrohen Umzügen und Taiko Trommelgruppen die dann durch die Straßen ziehen, sind Losbuden und Stände an denen Kinder Goldfische fangen können besonders beliebt. Besonders schöne Feste sind zum Beispiel das Hina – Matsuri (Mädchenfest) am 3. März und natürlich das Hanami (Kirschblütenfest). Bei letzterem sollte man allerdings immer darauf achten, wann genau die Kirschblüte blüht, das ist nämlich von Region zu Region unterschiedlich und wird meist im Wetterbericht vorab angekündigt.33745_160747180622865_1563928_n

Fotos: privat
Titelbild: unsplash