Eine Studie der Uni Bielefeld hat zusammen mit der Bepanthen-Kinderförderung herausgefunden, dass sich fast jedes dritte Kind (31 Prozent) und jeder fünfte Jugendliche (17 Prozent) von den Eltern nicht beachtet fühlt. Das entspricht 1,9 Millionen Kindern und Jugendlichen.

Die von Bepanthen beauftragte Studie trägt den Namen „Achtsamkeitsstudie“ – wie sehr achten Eltern auf ihre Kinder. Dabei geht nicht um die tatsächliche Beachtung, die Eltern ihren Kindern schenken. Es geht auch nicht darum, wie viel sie mit ihren Kindern unternehmen, wie viel sie mit ihnen reden oder wie sehr sich Eltern für ihre Kinder interessieren, sondern darum, wie sehr diese sich wirklich beachtet fühlen.

„Ich hab dich lieb“

So fand die Studie heraus, das Kinder sich unter anderem dann beachtet fühlen, wenn Eltern fragen, wie der Tag war und sich auch tatsächlich dafür interessieren. Ganz entscheidend sind auch Zuneigungsbekundungen wie der Satz: „Ich hab dich lieb.“
Das ist nichts neues, was dabei aber vielleicht überraschend sein dürfte ist, das es dabei egal ist, ob man es sich als Familie leisten kann mit den Kindern in den Urlaub zu fahren, in den Zoo zu gehen oder die Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Kinder aus sozialstarken Familien fühlen sich genauso häufig benachtteiligt wie Kinder aus sozial schwachen Umgebungen.

Stichwort: soziales Miteinander

Die Studie zeigt damit auf, dass Kinder unabhängig vom sozioökonomischen Status, der Familienkonstellation und vom Migrationshintergrund Liebe und Geborgenheit gleichermaßen erfahren bzw. erfahren können. „Es geht um das soziale Miteinander“, wie Prof. Dr. Holger Ziegler, Sozialpädagoge und Studienleiter erklärt. „Und das bedeutet auch zusammen die Hausarbeit zu erledigen, zusammen einkaufen zu gehen und die Kinder einfach am Alltag teilhaben zu lassen. Es geht nicht um Zeit haben generell, sondern es geht um Zeit – und wenn es nur zwei Stunden am Tag sind – die bewusst und voller Freude mit seinen Kindern verbracht werden.“

Neben dem Interesse der Eltern ist auch die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen essentiell. Dabei geht es auch hier nicht um materielle Versorgung, sondern um ein Vermitteln von Zutrauen in die Fähigkeiten der Kinder. Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Selbstvertrauens.

Ein Ergebnis der Studie gibt den Bielefelder Forschern allerdings zu denken: Nur 54 Prozent der befragten Kinder geben an, dass sie sich in andere hineinversetzen können und mit ihnen mitfühlen.  Prof. Dr. Ziegler sieht die Ursachen unter anderem in der gesellschaftlichen Entwicklung: „Die Gesellschaft fühlt nicht mehr mit. Die Vermittlung von Solidaritätswerten nimmt ab – auch in der Erziehung.“

Die Familie als zentrales Element

Die Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung, Familienberaterin Katia Saalfrank, möchte sensibilisieren: „Empathie entsteht, wenn Menschen selbst empathische Menschen erleben und Mitgefühl erfahren. Die Erfahrung, dass Zuwendung und Einfühlung Verbindung schaffen und sich gut anfühlen, ist ein wichtiger Schritt zum Erlernen dieser Fähigkeit.“ Und Prof. Dr. Ziegler ergänzt: „Die Achtsamkeit, die Kinder und Jugendliche empfinden, ist in einem hohen Maße mit dem Wohlergehen, der Selbstbeziehung und einer breiten Reihe von Problemlagen der jungen Menschen verknüpft. Hier zeigt sich die Bedeutung der Familie als zentrales Fundament.“

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