7:00 h – der Wecker klingelt, ab jetzt sind es noch 83 Minuten, bis mein Mann, unsere zwei Kinder und ich aus dem Haus müssen. Unsere Morningroutine läuft wie von selbst? Schön wär’s! Hier der ganz normale Morgenwahnsinn einer vierköpfigen Familie:

7:05 h – Ich habe vor dem Duschen meinen Mann geweckt und ihn gebeten, schon mal Kaffee zu kochen. Als ich aus der Dusche komme, sage ich ihm, dass es jetzt wirklich Zeit wäre aufzustehen.

7:20 h – Lukas wartet – wie jeden Morgen – darauf, dass wir ihn aus seinem Zimmer abholen. Er ist jetzt fünf Jahre alt und könnte das definitiv alleine, möchte aber den Luxus einer persönlichen Einladung zum Aufstehen genießen. Also: Ab ins Kinderzimmer und den sich schlafend stellenden Sohn wecken. Meine Haare sind noch nass.

7:30 h – Mein Mann hat es aus dem Bett und ins Bad geschafft. Ich habe derweil Müsli, Schalen und Milch auf dem Tisch platziert und Kaffee aufgesetzt. Meine Haare habe ich schnell mit den Fingern gekämmt. Geht auch. Eva (acht Monate) schlummert noch friedlich.

7:45 h – Eva fängt an zu weinen. Ich versuche gerade, mir einen Lidstrich zu ziehen, blinzle und rufe: „Mag sich mal jemand kümmern? Ich schminke mich gerade!“ Mit einem angezogenen Hosenbein hüpft mein Mann an mir vorbei zu Evas Bettchen und nimmt sie heraus.

8:00 h – Lukas hat sich gegen seine Klamotten entschieden und sitzt in Unterwäsche am Tisch, sein Mund ist voll mit Müsli, die Milch hat er großzügig  in seine Schüssel und darüber hinaus gegossen. Ich frage Lukas, ob er sich nicht anziehen und danach mit uns weiterfrühstücken möchte. Er schauspielert ein verzweifeltes Heulen – „Ich habe aber so Hunger!“ – und geht widerwillig in sein Zimmer.

8:15 h – Lukas sitzt in seinem Zimmer und baut ein Playmobilhaus. Ich bitte ihn, sich anzuziehen. Eva krabbelt im Schlafanzug im Flur vorbei, cremeverschmiert, den Mund voll mit kleinteiligem Spielzeug. Also renne ich hinterher, in der Hand den Müslilöffel.

8:20 h – Mein halb angezogener Mann fängt Eva ab und nimmt ihr das Spielzeug aus dem Mund. Da fällt ihm die Milch ein, die auf dem Herd steht – zu spät. Lukas verkündet feierlich, dass er ab heute nicht mehr in die Kita geht.

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8:23 h – Ich versuche immer noch, Lukas zu überreden, sich anzuziehen. Er nickt und nimmt die Hose dankend an, die ich ihm gebe. Ich finde mein Ladekabel nicht. Mein Mann kratzt gerade die angebrannte Milch von der Herdplatte. Eva hat inzwischen rohe Spaghetti als neues Spielzeug für sich entdeckt. Unser Küchenboden hat nie besser ausgesehen. Ich esse zwei Löffel Müsli und bemühe mich, Eva abzulenken, die sämtliche Nudeln angeleckt hat und diese nun um sich wirft.

8:30 h – Ich suche Lukas und entdecke einen kichernden Haufen unter der Wolldecke auf dem Sofa. Er hat sich teilweise angezogen – dass es die dreckige Hose von gestern ist, ignoriere ich einfach. Er fragt mich, wo sein Lieblingsteddy ist. Ich suche mein Ladekabel.

8:35 h – Mein Mann übergibt mir Eva und Kaffeetasse, er geht sich fertig anziehen. Mein Sohn frühstückt nun angekleidet weiter – immerhin.

8:40 h – In eingespielter Teamarbeit ziehen wir Eva an und stehen schließlich alle angekleidet im Flur. Die Hoffnung auf mein Ladekabel habe ich aufgegeben. Ich schaue schnell in den Spiegel und sehe, dass er mit meiner teuren Hautcreme verziert wurde und ich mein Make-up vergessen habe. Meinem Mann fällt ein, dass er noch wichtige Dokumente für seine Präsentation einpacken muss.

8:43 h – Wir wollen los – Evas Windel ist voll. Lukas plärrt, zieht seine Schuhe aus und sucht verzweifelt seinen Teddy. Ich setze mir noch mal einen Kaffee auf und akzeptiere, dass ich heute ein bisschen später im Büro auftauchen werde. Normal wäre langweilig!

Titelbild: Stephanie Rietz