Innenarchitektin Julia Ballmaier bewohnt mit ihrem Mann Horst Ballmaier und ihren Söhnen Joshua (13), Oskar (8) und Otto (6) eine großzügige Altbauwohnung in Fulda. Die Einrichtungsexpertin liebt es bunt, kreativ und unkonventionell. LUNA-Autorin Anne-Catherine Scoffoni hat sie in ihrer persönlichen Villa Kunterbunt besucht. 

Fotos: Gwenn Dubourthoumieu

Nicht alle genießen das Vergnügen, jeden Morgen vom Duft frischer Brötchen geweckt zu werden. Julia Ballmaier und ihre Familie haben es. Direkt im Zentrum von Fulda, über einer Bäckerei in einem mittelalterlichen Haus, befindet sich die 124 Quadratmeter große Wohnung der Interior-Stylistin, Bloggerin (myhomeismyhorst.de) und Buchautorin („Wohnen unter 1.000 Euro“, Callwey Verlag). Die Mutter von drei Söhnen scheint über eine endlose Kreativität und Energie zu verfügen. Die Bäckerei unter ihrer Wohnung gehört übrigens ihrem Schwiegervater. „Näher bei unserer Familie zu sein war der Grund, warum mein Mann und ich vor acht Jahren zurück nach Fulda gezogen sind“, erklärt sie. Zuvor hatte die Familie in einem Apartment in München gewohnt.

„Die Wohnung in Fulda stand schon seit geraumer Zeit leer und ich hatte das Gefühl, dass sie nur auf uns gewartet hat und darauf, dass wir sie zu unserem Zuhause machen“, erzählt Julia Ballmaier. „Wir haben uns auf Anhieb in ihre krummen, dunklen Holzbalken verliebt. Jeder Winkel in diesem Haus hat seine eigene Geschichte“, schwärmt sie. Die obere Etage war seit 50 Jahren unbewohnt. „Sie befand sich in einem furchtbaren Zustand und war mit nutzlosem Kram gefüllt, den mein Schwiegervater dort aufbewahrt hatte.“ Es dauerte insgesamt 18 Monate, bis die umfassenden Renovierungsarbeiten abgeschlossen waren. Es wurde in ein neues Dach investiert, außerdem in ein modernes Heizsystem und komplett neue Stromleitungen. Die alten Holzdielen wurden abgeschliffen und neu eingelassen. Sie geben den Räumen eine warme Atmosphäre.

Eigentlich hatte Julia keinen besonderen Stil im Sinn, als es ans Einrichten der Wohnung ging, aber sie wusste von Anfang an, dass sie sich ein buntes, fröhliches Zuhause und kein lebloses Museum wünschte. Also wählte sie einfach viele ihrer Lieblingsdesigns und -farben und mixte alles kreativ zusammen.„Wenn es um Dekoration geht, inspiriert mich alles. Ich neige dazu, die Dinge in meinem Kopf zu speichern, bis das Ganze schließlich in der richtigen Mischung wieder auftaucht“, erklärt Julia. Und so finden sich fröhlich gemusterte Tapeten neben raren Fundstücken vom Flohmarkt, verschiedene Ikea-Möbel neben Vintage-Teilen.

Frischer Spirit für alte Räume

Wenn man seine Lebenswelt in eine 500 Jahre alte Wohnung verlegt, könnte als optisches Ergebnis durchaus ein eher traditioneller Raumcharakter entstehen. Aber genau das Gegenteil ist bei Julia Ballmaier der Fall. Alles in der Wohnung wirkt überaus lebendig und frisch. Julia beherrscht es meisterlich, das Weiß der Wände und Balken mit fröhlichen Tapeten und gemusterten Stoffen zu kombinieren. Das macht das Sofa im Wohnzimmer oder den Lampenschirm im Esszimmer zu Hinguckern, die trotzdem nicht vom Gesamtkonzept ablenken.

Das Resultat ist eine frische, einladende und ansprechende Atmosphäre. Besonders viel liegt Julia Ballmaier am Familienesszimmer. Es ist ein heller, gemütlicher Raum, man erkennt schon beim Betreten, dass er das Herzstück der Wohnung ist. Die Innenarchitektin liebt es, dort mit ihrer Familie zu sitzen. „Hier verbringen wir die meiste Zeit gemeinsam mit Brettspielen, Essen, Fernsehen, Hausaufgaben machen, Musik hören und allem, was Teil des Lebens ist“, erklärt sie.

Leuchtende Farben und wilder Mustermix im Wohnzimmer

 

Wichtig war für Julia auch die Gestaltung der Kinderzimmer. Sie wurden entsprechend der Persönlichkeit und dem Alter ihrer drei Jungs eingerichtet und dekoriert.

In Joshuas Zimmer wurde an der Rückwand des Kleiderschranks eine Tafel montiert: So lässt sich nicht nur der Schrank flexibler platzieren, Joshua hat zudem eine Möglichkeit, sich ganz nebenbei kreativ auszutoben. Das Highlight des Teenager-Zimmers ist die Sofaecke. Hier kann der 13-Jährige ungestört mit seinen Freunden abhängen. Das frische Türkis der Wände hat Julia in einigen Möbelstücken wieder aufgenommen, was angenehm harmonisch wirkt.

In Oskars und Ottos Zimmer geht es noch spielerischer zu. Hier wurde der Platz optimal mit zusätzlichen Schränken und einem Doppelbett genutzt. „Schön zu wohnen hat für mich gar nicht viel mit Geld zu tun, sondern vielmehr mit dem Mut, Dinge anders zu machen und der eigenen Intuition zu folgen. Ich denke nicht stundenlang nach. Ich vertraue einfach mir selbst“, sagt Julia Ballmaier. Mit ihrem sicheren Gespür hat sie es geschafft, ein lebendiges, buntes und familiäres Zuhause zu schaffen.