Das Skigebiet Latemar-Obereggen ist klein, aber fein. Es bietet top präparierte Pisten, Skiparks und Rodelbahnen – eben alles, was zum Winterurlaub mit Kindern dazugehört. Unser Autor Sebastian Schulke hat eine Schneeferien in Südtirol gemacht und für uns die schönsten Skipisten auf Kindertauglichkeit getestet. 

Der Sessellift rattert, frisst unermüdlich Höhenmeter um Höhenmeter. Egal wie viele Skifahrer und Snowboarder er auch tragen muss. Bis auf 2.096 Meter. Dann hat er sein Ziel erreicht – hier oben in den Dolomiten. Unterhalb des Gipfels des Latemar spuckt er die Wintersportler aus, bringt sie auf die Piste und rattert wieder runter ins Tal nach Obereggen zurück. Ich bleibe mit meinem Snowboard oben. Bevor ich mir jedoch mein Brett anschnalle, um durch den Schnee der Oberholz-Abfahrt zu rauschen, bleibt mir plötzlich die Spucke weg. Wow!

Für Familien das perfekte Skigebiet: Obereggen

Das Bergpanorama von Oberegg
Fantastisches Bergpanorama (Foto: Sebastian Schulke)

Der Blick ist einfach gigantisch. Tief unten in den Tälern leuchtet das Grün der Wiesen und Wälder, darüber erstrecken sich am Horizont unzählige Berggipfel, die mit weißem Puderzucker bestäubt in den stahlblauen Himmel ragen. Dazu lacht die Sonne. Ein traumhaftes Panorama, das ich hier im „Ski Center Latemar – Obereggen“ südöstlich von Bozen genießen darf. Ein Skigebiet, das besonders für eine Winterurlaub mit Kindern geeignet sein soll – und das ich ein Wochenende lang etwas genauer unter die Lupe nehmen werde.

Die Pisten sind kindersicher und gut präpariert

Winterurlaub mit Kindern in Obereggen
Traumhafte Pisten, ideale Schneebedingungen: Oberegg ist ein Geheimtipp für Wintersport-Freunde (Foto: Sebastian Schulke)

Noch ein kurzer Check: Handschuhe, Helm, Brille und Board sitzen. Dann geht es los. Ein eisiger Wind bläst über die Oberholz-Piste – eine rote und damit mittelschwere Abfahrt, die teilweise recht steil ist, für Kinder also nur bedingt tauglich. Doch die Kanten greifen sehr gut, rauschen locker und leicht durch den Schnee. Da kommt schnell und viel Freude auf. Jetzt muss ich mich nur entscheiden: Rechts geht es zurück nach Obereggen mit „Jiblines“ für Snowboarder – das sind kurze Passagen am Rande der Piste mit kleinen Sprüngen und Rails. Oder ich fahre links und damit weiter in das Wintersportgebiet hinein, das auf 49 Kilometern Abfahrten für jede Schwierigkeitsstufe zu bieten hat und sich bis Predazzo erstreckt. Insgesamt sorgen 18 Liftanlagen dafür, dass man von 1.550 Meter (Obereggen) auf bis zu 2.500 Meter Höhe gebracht wird – ohne lange Wartezeiten. Obwohl die Pisten recht gut besucht sind, stehe ich mir nicht einmal die Beine in den Bauch. Das würde auch meinen Kindern gefallen, die nicht gut im Warten sind. 

Es läuft ziemlich rund. Besonders die Pisten sind bestens präpariert. Daran ändert heute auch die Sonne nichts. Der Schnee bleibt knackig und kompakt, bis zur letzten Abfahrt. „Und bis in den April hinein“, sagt Oliver Kern. Er ist der Geschäftsführer und Gründer des Testportals skiresort.de. Wir kommen während einer Sesselliftfahrt ins Gespräch. „Ich war gerade erst in Colorado, bin jetzt für zwei Tage in Obereggen und teste morgen noch ein anderes Skigebiet in Italien. Aber so gute, saubere und griffige Pisten gibt es in der Qualität nirgendwo anders. Die sind wirklich wie mit dem Lineal gezogen. Obereggen ist für mich ein echter Geheimtipp in den Alpen.“ Und er betont: „Große Bodenwellen oder versteckte Eisplatten gibt es hier nicht. Das ist für Kinder und Anfänger optimal, auch wenn die Abfahrten ab und zu etwas steiler sind. Der gute Kompaktschnee hält, macht Spaß.“

Umweltschonend Skifahren ist hier noch möglich

Auf skiresort.de, das über Tests zu mehr als 5.000 Wintersportgebieten informiert, wurde das „Ski Center Latemar“ im Südtiroler Eggental bereits mehrfach zum weltweit „besten Skigebiet mit bis zu 60 Pistenkilometern“ gekürt. Auch in der Kategorie „Pistenpräparierung“ gab es bereits einige Auszeichnungen. Eines macht mich allerdings etwas stutzig: Ich höre und lese immer wieder „Kompaktschnee“. Soll das eine nette Umschreibung für Kunstschnee sein? „Wir haben keinen Kunstschnee. An unserem weißen Pulver ist nichts Künstliches“, meint Christoph Pichler, der im Winter fast jeden Tag in seiner Pistenraupe sitzt und nach der letzten Liftfahrt die Abfahrten wieder in Bestform bringt. „Wir verwenden für unseren Schnee keinerlei Zusätze. Die Schneekanonen in Obereggen laufen nur mit Wasser.“ Denn: Chemische Zusätze würden nicht viel bringen. Es komme vielmehr auf Erfahrung und ein gutes Gefühl an, wann und bei welchem Wetter die Pisten beschneit werden – Außentemperatur, Tageszeit, Geschwindigkeit der Turbinen und Luftfeuchtigkeit seien dabei ganz wichtige Faktoren. „Das entscheidet über die Qualität des weißen Pulvers“, sagt Pichler. „So kommen uns Minusgrade und trockenes Winterwetter bei der Produktion des Kompaktschnees sehr entgegen.“ Schon in den frühen 1980er-Jahren experimentierte Obereggen mit Schneekanonen aus Nordamerika und entwickelte schließlich seine eigenen Maschinen. Die Südtiroler legten bereits 1982 extra Speicherbecken für die Schneeproduktion an. „Wir sorgen für gute Pisten und wollen das so umweltschonend wie möglich erreichen“, sagt Pichler, der nun schon seit 1993 die Pisten mit seiner Raupe bearbeitet.

Skipisten für Kinder und Anfänger

Obereggen
Beschaulich, hübsch und noch nicht überlaufen: Obereggen in Südtirol (Foto: Sebastian Schulke)

Am nächsten Morgen zieht es auch mich wieder hinauf. Zuvor genieße ich jedoch den Blick von meinem Balkon auf den Latemar, dessen zackiges Felsmassiv im Morgenlicht funkelt. Direkt vor meinem Hotel verläuft eine recht kurze Piste, die perfekt für Anfänger und Kinder geeignet ist und zur Talstation von Obereggen führt. Außerdem blicke ich aufs Brunoland – einen Skifahrlern-Vergnügungspark für Kids mit zwei „Zauberteppichen“ bzw. Förderbändern, Kinderkarussell, Riesendrachen, Schneetunnel, Hüpfburg, Schneewellen und Animationsprogramm. Hier gibt es jeden Tag besondere Aktionen speziell für den Winterurlaub mit Kindern, etwa eine Schatzsuche oder eine Schneeparty. Bruno Bär schaut regelmäßig vorbei und sorgt für Stimmung. Ein Highlight, das bei kleinen Skifahrern große Begeisterung findet.

Ich will aber heute etwas höher hinaus und sitze kurz darauf im Lift, der mich erneut auf der Oberholz-Piste ausspuckt. Minus fünf Grad, kaum Wind, die Sonne scheint. Ich rausche los, Richtung Pampeago. Vorbei an einem Snowpark mit Halfpipe und Kickern sowie Rails, Boxen, Boardercross und Banked Slalom Parcours – und sogar speziellen Kids-Boxen. Für kleine Freestyler super geeignet. Fünf Abfahrten und drei Täler später mache ich eine Pause in der Baita Gardoné oberhalb von Predazzo. Im Gegensatz zu dem völlig überteuerten Kantinenfraß, den man aus Wintersportgebieten in Frankreich oder Österreich kennt, entpuppt sich das schöne Bauernhaus als ein bezahlbares Spitzenrestaurant. Die Pasta als Vorspeise und der Fisch zum Hauptgang lassen keine Wünsche offen. Zum Abschluss gönne ich mir auch noch ein „Dolce“ – einfach herrlich! Mamma mia!

Würde es in der Berghütte keine Steinrutschen geben, die von der Stube in der ersten Etage ins Erdgeschoss und von dort in den Keller (zu den Toiletten) führen, wäre ich wohl nicht wieder auf die Piste gekommen. Mittlerweile ist es 14.30 Uhr. Zwei Stunden bleiben mir noch auf meinem Board. Der Schnee ist immer noch in bestem Zustand. Auch die Beschilderung an den Bergstationen und auf den Pisten ist sehr gut und übersichtlich. Verfahren kann man sich hier nicht. Die schwarzen Pisten sind frühzeitig und unübersehbar  gekennzeichnet mit großen gelben Bannern – für Ungeübte oder wenn man in Begleitung von Kindern ist, sind sie einfach zu umfahren.

Gut essen im Winterurlaub mit Kindern

Vor der letzten Abfahrt ins Tal nach Obereggen mache ich noch einen Abstecher in die Mayrl Alm, die mir Signor Pichler empfohlen hat. Der Koch und sein Team verwenden hier überwiegend Produkte aus der Region, um ihre kulinarischen Genüsse zu kreieren – für das Restaurant und den  separaten Selbstbedienungsbereich. Ich bestelle eine große Apfelschorle und einen Espresso macchiato. Fürs Abendessen ist es nach dem üppigen Mittagessen für mich leider noch zu früh. Aber die Speisen sehen sehr gut aus und sind bezahlbar – eine gute Nachricht für Familien, die hier mit ihren vom Skifahren ausgehungerten Kids Station machen wollen. Denn da stellt sich ja oft die Frage: Müssen wir uns morgens beim Frühstück jede Menge Brote schmieren und einpacken oder können wir auch mal in einer Hütte einkehren und etwas Gutes essen? Letzteres ist rund um Obereggen auf über 2.000 Meter Höhe bestens möglich – das Wintersportgebiet ist auch in kulinarischer Hinsicht ein Paradies.

Rodeln oder Nachtskifahren: beides ist möglich in Obereggen

Am Abend steht noch Rodeln von Obereggen zur Epircher-Laner-Alm auf meinem Programm. Die Rodelpiste ist knapp drei Kilometer lang, mit Tunnel, einigen scharfen Kurven und Flutlicht. Das muss ich unbedingt mal zusammen mit meinem Sohn ausprobieren. Für die ganz kleinen Rodler gibt es die Bahn in Absam, die nur 750 Meter lang und sehr „soft“ ist. Wer vom Schnee nicht genug bekommen kann: Dreimal pro Woche erstrahlt auch die Skipiste von Obereggen in hellem Glanz – von 19 Uhr bis 22 Uhr. Um elf Uhr nachts falle ich erschöpft ins Bett. Morgen heißt es früh aufstehen, denn dann bringt mich ein Taxi ins gut 20 Kilometer entfernte Bozen zum Bahnhof. Aber ich komme bald wieder – und dann auf jeden Fall mit Familie.

Slider-Foto: Pezibear / Pixabay

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