Auf Fehmarn gibt es einiges zu entdecken: Lagunen, Steilküste, blaue Kreuze, Fata Morganas, Softeis. Das sind Abenteuer für Groß und Klein.

Text: Sebastian Schulke

Vier Schafe stehen vor uns auf dem Deich. Sie schauen gelangweilt, kauen langsam und lethargisch. Ab und zu ist ein recht müdes „Mäh“ zu hören. Der stramme Wind, der die Wellen hier an der Markelsdorfer Huk an der Nordwestküste von Fehmarn bis über zwei Meter hoch peitscht, scheint die Vierbeiner nicht weiter zu interessieren und schon gar nicht zu beeindrucken. Ganz im Gegensatz zu Maya, meiner Tochter, die immer wieder vor Freude kreischt, wenn der Wind ihr den Sonnenhut vom Kopf pustet. Aber auch das bringt die Schafe auf der Ostseeinsel nicht aus der Ruhe.

Seit drei Tagen sind Sophie (meine Frau), Maya und ich nun schon auf Fehmarn. Freunde haben uns für eine Woche in ihr Ferienhaus eingeladen. Im Hochsommer. Eigentlich wollten wir in die Toskana. Doch nun suchen wir, in Jacken und Gummistiefel gepackt, den Badestrand, während uns der recht frische Wind ins Gesicht pfeift. Hört sich rau und stürmisch an – statt eines sommerlichen Urlaubsparadieses am Mittelmeer ein norddeutsches Sturmtief. Doch dieses Tief entpuppt sich als ein Hochgenuss: Je länger wir auf der Ostseeinsel sind, desto besser gefällt und überrascht sie uns.

Die Markelsdorfer Huk bildet die Nordwestspitze der Insel, ist Teil eines Naturschutzgebietes und eine Augenweide. Ein Leuchtturm ragt neben dem Deich in den Himmel. Zwischen Schilf und Feuchtwiesen breiten sich Haffseen (Lagunen) aus. Die Luft ist erfüllt vom Rauschen des Meeres und dem Duft des Dünengrases. Einfach herrlich und fernab vom üblichen Touri-Getümmel. Der Badestrand (FKK) ist recht schmal, außerdem ist es uns zu windig. Auch die Strömung ist hier sehr stark. Wir genießen einfach das stürmische Spektakel und unser Picknick.

Urlaub auf der drittgrößten Insel Deutschlands

Fehmarn ist 185 Quadratkilometer groß, hat rund 78 Kilometer Küstenlinie und liegt zwischen Kieler Bucht und Mecklenburger Bucht. Nach Rügen und Usedom ist es die drittgrößte Insel Deutschlands. Burg ist mit 6.000 Einwohnern der größte Ort. Neben Kühen, Schafen und Schweinen stehen besonders im Norden Windräder auf den Feldern.

So stürmisch der Nordwesten ist, so sanft und seicht ist die Südküste von Fehmarn. Die Ostsee gleicht hier einer Badewanne. Das zieht Menschenscharen an. Kurz hinter Burg erstreckt sich der Südstrand, auf dem sich Strandkorb an Strandkorb reiht. Ein schmaler Dünenstreifen ist entlang der Promenade gerade noch zu erkennen, die mit Restaurants, Cafés, Kiosken, Ferienwohnungen, einem überdachten Wellenbad und jeder Menge Touristen aufwartet. Außerdem ragen drei weiße Betontürme bedrohlich in den blauen Himmel, die von Dänemarks Stararchitekt Arne Jacobsen in den 1960er-Jahren gestaltet wurden und die Küste verschandeln.

Das Hotel- und Ferienzentrum darin ist auch nicht so ganz unser Geschmack, für regnerische Tage gibt es dort allerdings einen Spielplatz mit Schaukeln und Rutsche in einem gläsernen Pavillon, der es Maya trotz strahlenden Sonnenscheins angetan hat. „Papa, können wir zum Spielplatz gehen?“, fragt sie mich fast jeden Morgen und schaut mich mit ihren großen Kulleraugen an. Damit nicht genug: Gut 70 Meter vor dem Südstrand ragt aus dem Meer eine gelbe Rutsche. Am ersten Tag dachten wir, es sei eine Fata Morgana, doch die Rutsche ist echt. Und das Wasser ist hier wie an vielen Küstenstreifen rund um Fehmarn sehr flach, sodass ich neben dem Spielgerät gerade noch stehen kann. Perfekt für Familien mit kleinen Kindern, die noch nicht schwimmen können.

Den kompletten Reisebericht könnt ihr in unserem Travel-Special lesen, das der Luna 67 beigelegt ist.

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Fotos: Sebastian Schulke