Hypersensibilität, Inselbegabung, soziale und motorische Ungeschicklichkeit – Netflix präsentiert in der Darstellung des autistischen Highschool-Schülers Sam Gardner zahlreiche Klischees über Kindern mit Spektrum-Störung. Dabei macht Drehbuchautorin Robia Rashid (verantwortlich für How I Met Your Mother) das Thema Autismus bei Kindern einer breiten Zuschauerschaft zugänglich und eröffnet gleichzeitig den Diskurs: Darf eine Krankheit als Komödien-Stoff dienen?

Autismus bei Kindern

Worum geht es bei Atypical?

„Atypical“ handelt von der Pupertät und Selbstsuche des 18-jährigen Autisten Sam (Keir Gilchrist). Während Sams Suche nach Unabhängigkeit und Liebe, unterliegt auch der Rest der Familie zahlreichen Veränderungen: Mutter Elsa (Jennifer Jason Leigh) hintergeht Ehemann Doug und betrügt ihn mit einem jüngeren Barkeeper. Schwester Casey (Brigette Lundy-Paine ) erhält ein Sport-Stipendium, verlässt Umfeld und Freunde und wechselst auf eine renommierte Sportschule. Und Protagonist Sam? Muss mit all diesen Veränderungen klarkommen, während er sein eigenes Leben mit Asperger-Syndrom zu meistern versucht.

Woran erkennt man das Asperger Syndrom?

Kinder mit Asperger-Syndrom fällt es schwer, Emotionen ihrer Mitmenschen zu deuten. Subtile Kommunikation etwa durch Mimik, Gestik oder reinen Blickkontakt bleibt dabei eine große Herausforderung. Sie nehmen Aussagen häufig wortwörtlich. Daraus resultiert die Problematik Freundschaften oder Partnerschaften zu schließen oder langfristig zu pflegen. Sie konzentrieren sich vielmehr auf die kleinen Details statt die gesamte Geschichte und zeigen oft ein großes Interesse an speziellen Dingen (Pinguine in Sams Fall). Regeln, Routine und genaue Abläufe werden bevorzugt. Außerdem leiden die meisten Kinder mit Asperger-Syndrom an besonderen Empfindlichkeiten gegenüber Licht, Geräuschen sowie Berührungen. Wenn man so will, eine der wohl komplexesten und facettenreichsten Krankheiten unserer Zeit.

Autismus bei Kindern

Atypical – sehenswert oder schlechte Komödie?

So komplex sich die Krankheit – je nach Patient und Stadium – auch gestaltet, so generalisiert wird sie bei „Atypical“. Viele Kritiker loben zwar die schauspielerische sowie glaubwürdige Leistung von Keir Gilchrist. Aber sie kritisieren, wie die Serie ein derart vielschichtiges Syndrom auf einige Krankheitsmuster reduziert, die durch soziale Aktionen leicht zu therapieren scheinen. Durch Witze und urkomische Situationen punktet „Atypical“ zwar als humorvolle Familienkomödie, schafft es allerdings kaum ein realistisches Bild der Krankheit abzubilden.

Alle Bilder: © Greg Gayne/Netflix