Mode steht seit jeher als Symbol für Individualität und Ausdruck der Persönlichkeit. Sollten Kinder also in der Schule ihr persönliches Lieblingsoutfit tragen dürfen? Oder ist es besser, wenn Eltern auf die Uniformität der Schulkleidung pochen und die Kinder mit Schuluniform zur Schule gehen?

Argumente für die Schuluniform

Freie Wesenentfaltung gerät mit einer Kleiderordnung unweigerlich in Konflikt. Doch ab wann legen Kinder überhaupt Wert auf ihr optisches Erscheinungsbild? Eine Frage, der sich die Designtheorektikerin Fredericke Winkler angenommen hat: „Kinder fangen schon sehr früh an, mit der Wirkung ihrer Erscheinung zu spielen, etwa indem sie sich verkleiden. Mit dem Vorschulalter beginnen, sie ihren Körper immer stärker als Eigentum zu verstehen und zu verteidigen. Das müssen wir Eltern unbedingt unterstützen.“ Zahlreiche Argumente sprechen dennoch klar für die Einführung einer Schuluniform: Vermeidung sozialer Ungerechtigkeit, gesteigertes Zusammengehörigkeitsgefühl, weder Marken- noch Mediendiktat.

Der eigentliche Sinn der Uniform

Wenn man es genau betrachtet, wurde die Uniform zu einem Zweck weit weg vom Schulalltag erfunden: um gemeinsam in den Krieg zu ziehen. Zwar dient die Uniform nicht als Waffe, bringt aber vielmehr die vermeintliche Gleichheit ihrer Träger zum Ausdruck, soll den Teamgeist fördern und vor allen Dingen die Truppe ökonomisieren. Einheitliche Kleidung war nämlich nicht nur einfacher zu organisieren, sondern auch billiger zu produzieren.  Ein Argument, das noch heute zahlreiche Schulen anführen: Kein Schüler ist mehr neidisch auf den teuren Markenlook des Banknachbarn, wenn alle das gleiche Outfit tragen.

Negativbeispiel Japan

Was aber, wenn der Look an der Schule vom teuren Luxuslabel bestimmt wird? Die öffentliche Taimei-Grundschule in Tokio echaffuierte Eltern rund um den Globus mit Designeruniformen – für stolze 600 Euro pro Set. Der Direktor, zuvorkommend wie eh und je, beließ den Schullook jedoch – nicht als Pflicht, sondern als bloße Option. Wer sich den Style nicht leisten kann, kauft eben die Billigkopie „made in China“ und hofft darauf, dass sich der reiche Banknachbar daran erinnern wird, das das Tragen seiner Luxusuniform eigentlich übles Mobbing vermeiden soll.

Dress Down Days in Amerika

Besonders in den USA, dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, sind Schuluniformen gang und gäbe – vorallem an öffentlichen Einrichtungen. Etwa jeder fünfte schüler besucht hier in Uniform die Schule. Eine logische Konsequenz, die sich auf die Gewalttat 1986 in Baltimore zurückführen lässt, bei der im Streit um eine Sonnenbrille ein Jugendlicher umgebracht wurde. Bei der darauffolgenden Debatte über den Markenkult bekamen die Befürworter der Schuluniformpflicht Oberwasser. Unterbrochen wird die Kleiderordnung heute lediglich von den sogenannten „Dress Down Days“. Wer einen Dollar in die Klassenkasse spendet, muss an diesem Tag keine Uniform tragen. Erziehung nach amerikanischer Art.

Die Schuluniform als Instrument für Helikoptereltern?

Dass die Uniform das soziale Gefüge festigen kann, aber auch dem elterlichen Kontrollzwang Genüge tut, beweist der brasilianische Bundesstaat Bahia. Rund 20.000 Kinder tragen dort eine Schuluniform mit eingenähtem RFID-Chip, der registriert, ob die Kinder auf dem Schulhof sind oder nicht. Die Information wird anschließend an die Eltern per SMS verschickt. Zuspätkommer und Schulschwänzer haben hier keine Chance, einige Müßiggänger werden zu Musterschülern. In Deutschland sind solche Überwachungsmethoden aktuell undenkbar. Schuluniformen dürfen hierzulande nicht einfach von der Schulleitung verordnet werden. Unser Grundgesetz garantiert das „Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.“

Schuluniformen an Eliteschulen

Ausnahmen bilden die unabhängigen internationalen Ganztagsschulen wie zum Beispiel die „Berlin British School“ (kurz BBS). Sie bietet Bildungsgänge an, die im staatlichen deutschen System nicht offiziell anerkannt sind. Die BBS ist wie beinahe alle Privatschulen kostenpflichtig. Für die Primary School zahlen Eltern circa 12.000 Euro Schulgeld im Jahr. Hinzu kommen natürlich die Kosten für die Uniform: den dunkelblauen Pullover mit V-Ausschnitt, das Logo der Schule, das weiße Poloshirt und die graue Hose. Mit Heldenkostüm oder Prinzessinenkleid zur Schule? An Institutionen wie dieser undenkbar.

Fluch oder Segen – die Meinungen und sozialen Folgen der uniformen Schulmode sind und bleiben umstritten. Ob Reduktion des Schuletats oder Abzocke der Eltern, eines wird definitiv dabei eingespart: die morgendliche Debatte darüber, was heute angezogen wird.

Sliderbild: Unsplash.com