Die Masern sorgen momentan für Aufregung. Zahlreiche Schulen und Kitas berichten von gehäuften Krankheitsfällen und fordern eine Impfpflicht für Kinder. Doch viele Eltern sind skeptisch. Was ihr zum Thema Masern wissen solltet, wie hoch die Ansteckungsgefahr ist und welche unterschiedlichen Meinungen es dazu gibt lest ihr hier.

Die jüngsten Schlagzeilen stammen von einem Gymnasium aus Bad Segeberg. Dort konnten drei Schüler Anfang April nicht an den Abiturprüfungen teilnehmen, weil sie keine nachweisbare Masern-Impfung hatten. Nur Schüler mit Impfpass und einer noch aktuellen Impfung dürfen derzeit die Schule betreten. Der Grund: Ein Schüler des Gymnasiums war vergangene Woche an Masern erkrankt. Um Ansteckungen zu vermeiden, kontrolliert nun das Gesundheitsamt das Gebäude.

Ärzte empfehlen Impfung schon im Kleinkindalter

Weil es in letzter Zeit in Deutschland wieder häufiger zu Erkrankungen gekommen ist, herrscht momentan große Unsicherheit. In diesem Jahr gab es bisher 203 gemeldete Masernfälle. Das teilte das Robert Koch-Institut mit. Vergangenes Jahr waren es im gleichen Zeitraum nur 73. Der sprunghafte Anstieg verunsichert vor allem Eltern, deren Kinder bislang nicht geimpft sind. Fakt ist: In Deutschland gibt es aktuell keine gesetzlich verankerte Impfpflicht. Auch wenn die FDP das angesichts der gestiegenen Masernfälle nun wieder vorschlägt.

Es gibt die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Die Ärzte und Experten der STIKO empfehlen eine Impfung von Kindern gegen Masern (meist in Kombination mit der Impfung gegen Mumps und Röteln und gegebenenfalls Windpocken) bereits  zwischen dem vollendetem 11. und 14. Lebensmonat. Die Kosten der von der STIKO empfohlenen Impfungen übernehmen die Krankenkassen. Für Erwachsene empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Masern – für alle, die nach 1970 geboren wurden und noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden oder deren Impfstatus unklar ist.

Extreme Ansteckungsgefahr

Masern sind eine Viruserkrankung und extrem rasch ansteckend. Übertragen werden die Masernviren durch Tröpfcheninfektion. Sprich: Schon beim Sprechen, Niesen oder Husten kann es zu einer Ansteckung kommen. Hat man sich angesteckt, so bricht die Krankheit auch fast immer aus. Der einzig wirksame Schutz gegen eine Masernerkrankung ist eine Impfung.

Typisches Symptom bei Masern ist ein Hautausschlag mit rötlich-braunen Flecken. Begleitend oder schon vorher kann Fieber, Husten, Schnupfen oder eine Bindehautentzündung auftreten. Die Erkrankten fühlen sich schlapp und krank. Der einzige Vorteil: Nach einer Masernerkrankung ist man lebenslang immun gegen Masern und kann sich danach nicht mehr anstecken.

Keine harmlose „Kinderkrankheit“

Masern werden oft als „Kinderkrankheit“ abgetan. Aber natürlich können sich auch Erwachsene anstecken. Bei ihnen verläuft die Krankheit oft sogar schwerer. Mögliche Begleiterkrankungen von Masern, die oft mit hohem Fieber einhergehen, können eine Lungenentzündung, Mittelohrentzündung oder sogar eine Gehirnentzündung sein. Von 10.000 Erkrankten bekommen etwa 10 eine Gehirnentzündung. Bei bis zu jedem Dritten bleiben Gehirnschäden zurück.

Selten kann es auch noch Jahre später zu einer besonderen Form der Gehirnentzündung kommen. Diese sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) verläuft fast immer tödlich. Von 100 000 Masernkranken sind schätzungsweise 4 bis 11 betroffen. Erkrankte Kinder unter 5 Jahren bekommen häufiger SSPE: von 100 000 etwa 20 bis 60.

Schätzungen zufolge versterben von 1 000 Erkrankten etwa 1 bis 3 an Masern und deren Folgen. Insbesondere Kleinkinder, Säuglinge und alte Menschen sind gefährdet.

Impfung: Schutz mit geringen Nebenwirkungen

Gegen Masern, Mumps und Röteln wird üblicherweise mit einem Kombinationsimpfstoff geimpft, der gleichzeitig gegen alle drei Krankheiten schützt. Man nennt diesen Impfstoff auch MMR-Impfstoff. Geimpft wird mit Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Viren.

Deshalb können nach der Impfung nach einigen Tagen bis zu vier Wochen bei den Geimpften leichte, nicht übertragbare „Impf-Masern“ beobachtet werden: Fieber verbunden mit einem schwachen, masernähnlichen Ausschlag. Auch eine leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüse ist möglich. Bei Kleinkindern und Säuglingen kann es auch zu Fieberkrämpfen kommen. Diese Nebenwirkungen können mit fiebersenkenkenden Mitteln behandelt werden oder klingen von alleine ab. Die „Impfmasern“ sind nicht ansteckend und verlaufen in der Regel relativ mild.

Kindern und Jugendlichen werden zwei MMR-Impfungen empfohlen, da zwischen 5 und 10 von 100 Geimpften durch die erste Impfung nicht ausreichend geschützt werden. Durch die zweite Impfung können bis zu 99 von 100 Personen einen Impfschutz aufbauen.

Weitere Infos zum Thema Masern findet ihr unter anderem beim Bundesministerium für Gesundheit oder ihr fragt euren Kinderarzt!  

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