Das Artensterben betrifft uns alle – ganz besonders aber die Zukunft unserer Kinder. Viele stellen sich die Frage: Was kann ich gegen das Verschwinden der Arten tun und, kann ich überhaupt etwas tun? Wir haben Tipps und Anregungen, die sich im Alltag  und vor allem zusammen mit Kindern leicht umsetzen lassen.

Besonders für unsere Kinder wird das Artensterben dramatische Auswirkungen haben. Laut einem globalen Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) sind eine Million Tier- und Pflanzenarten akut bedroht, für immer von unserem Planeten zu verschwinden. Für die aktuelle Neuauflage des Berichts, der vor wenigen Wochen erschienen ist, trugen 145 Autoren aus 50 Ländern drei Jahre lang Wissen aus Tausenden Studien und Dokumenten zusammen.

Insekten, Säugetiere und Pflanzen sind wichtige Bestandteile im Ökosystem und erfüllen wichtige Aufgaben. Robert Watson, der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrates, warnt nachdrücklich: „Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität.“

Doch was können wir tun, um das Artensterben zu verhindern? Laut einer Eurobarometer-Umfrage empfinden mehr als 90 Prozent der Europäer eine moralische Verpflichtung, die biologische Vielfalt zu erhalten. Hier sind Tipps, was wir im Alltag, auf dem Balkon und im Garten zusammen mit unseren Kindern tun können, um einen kleinen aber wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt zu leisten.

Mit den Kindern ein Insektenhotel bauen

Alle Welt spricht von den Honigbienen, doch ebenso wichtig sind ihre sogenannten „wilden Schwestern“. Auch sie sind für die Bestäubung von verschiedenen Nutzpflanzen unverzichtbar. Sie kommen sehr gut in einem Insektenhotel unter, das man mit ganz einfachen Mitteln basteln kann. Schon eine kleine Metalldose mit zugeschnittenen Bambusstäben darin die an der Wand (möglichst zur Sonne gerichtet) aufgehängt wird reicht, um den wilden Bienen einen Unterschlupf zu geben. Bunt bemalt sehen die Dosen zudem noch lustig aus. Wichtig ist zu beachten, dass die Bambusröhrchen bis ganz zum Ende durchbohrt werden.

Auch ein großes Holzstück oder ein Stück abgestorbener Baum in die man kleine Löcher bohrt, erfüllen denselben Zweck. Die Löcher dürfen nicht weiter sein als 9 mm Durchmesser, sonst werden sie gemieden. Übrigens muss man keine Angst vor den wilden Bienen oder Hummeln haben: Sie stechen nicht und sind völlig unaggressiv.

Natürlich kann man auch Insektenhotels kaufen, zum Beispiel im NABU Shop, wo es auch kleine Bienenhotels gibt, die die Kinder später bunt bemalen können.

 

Wildblumen und Kräuter pflanzen

Im Garten lässt sich ohne große Mühe eine Wildbienenwiese anlegen. Es reicht allerdings nicht, den Samen einfach auf dem Rasen zu verstreuen. Die Blumen gedeihen nur, wenn der normale Rasen zuvor entfernt wird. Auch auf dem Balkon kann man wildbienenfreundliche Pflanzen ansäen.

Eine echte Win-Win-Situation für Wildbienen und Mensch entsteht zum Beispiel bei einem kleinen Kräuterbeet, denn Hummeln und Wildbienen lieben die Blüten von Salbei, Zitronen-Thymian oder Bohnenkraut, ebenso von echtem Lavendel, Basilikum und Schnittlauch.

Eine ausführliche Liste, was Wildbienen und Honigbienen als Futterpflanzen mögen, findet ihr auch beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit 128 Arten.

Anregungen und Gartentipps gibt es auch in diesen Büchern, die wir speziell für kleine Gärtner ausgesucht haben.

Artensterben verhindern, Kräutergarten pflanzen; gettyimages

Bienen lieben einheimische Pflanzen

Wer öfter mal im Gartencenter einkauft weiß es: der Pflanzenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Doch nicht alle Blumen, die wir schön finden, sind bei Bienen beliebt. Viele Arten, die nicht heimisch sind, sind für Bienen, Hummeln und Co. völlig uninteressant weil sie nicht auf ihrem Speisezettel stehen.

An einem sonnigen Tag könnt ihr im Außenbereich des Gartencenters Insekten-Detektiv spielen: Die Blumen, um die die meisten Bienen herumschwirren, sind tatsächlich auch bienenfreundlich. Hier könnt ihr ohne Bedenken zugreifen.

Weniger Rasen mähen

Hält sich wirklich noch die Mode, einen „blumen- und unkrautfreien“ Rasen im Garten zu haben? Dabei gibt es doch kaum eine lustigere Blume als das kleine Gänseblümchen. Außerdem kann man daraus wunderschöne Ketten basteln, die zwar nicht lange halten, aber toll aussehen.

Wenn ihr nicht auf euren englischen Rasen verzichten wollt, dann sollte dieser zumindest (auch im Sinne der Kinder) nicht mit Pestiziden, Moosvernichtern oder ähnlichen gesundheitsschädlichen Substraten behandelt werden. Denn auch unter der Erde gibt es ein Ökosystem aus Würmern, Ameisen, Maikäferlarven usw., die für die Umwelt unglaublich nützlich sind.

Wer mähen will oder muss, der kann zumindest eine kleine „Wildwuchsblumeninsel“ stehen lassen. Die bietet Futter für viele Insekten von der Wildbiene bis über Schmetterlinge. Schon nach wenigen Wochen ohne Mähen gibt es eine Vielfalt von Blüten wie Löwenzahn, Hornveilchen, Klee… Sie locken Honigbienen, Mauerbienen, Hainschwebfliegen, Hummeln und viele Nützlinge mehr an. Vielleicht habt ihr sogar die Rotpelzige Sandbiene im Garten, die im Boden nistet (und übrigens auch völlig unaggressiv und für uns Menschen harmlos ist).

Insektenforscher werden

Kinder gehen völlig unvoreingenommen an Insekten heran. Wenn sie Spinnen und Co. „bäh!“ finden, dann nur weil wir Erwachsenen ihnen das anerziehen oder vorleben. Wir sind aber in Zukunft darauf angewiesen, dass Insekten überleben – und damit sind nicht nur die putzigen Honigbienen gemeint. Auch Schwebfliegen, Ohrwürmer, Florfliegen, Käfer und Ameisen erfüllen einen wichtigen Beitrag im ökologischen Kreislauf, bekämpfen Schädlinge von Nutzpflanzen oder sind eine wichtige Futterquelle für heimische Vogelarten.

Es ist also wichtig, unseren Kindern Respekt vor den kleinen Lebewesen beizubringen und ihnen aber auch die Faszination der Krabbeltiere näher zu bringen. Ein Insektensichtglas aus Kunststoff ist für kleine Insektenforscher die richtige Ausrüstung und man kann in Park, Wald, Wiese, Garten so manches Insekt einfangen und – ohne dass es dabei Schaden nimmt – beobachten und bestaunen.

Ein wunderschönes Buch über Krabbler aller Art ist „Die große Käferparade“ von Owen Davey (erschienen bei Knesebeck für 15 Euro), in dem man vieles über die bisher 400.000 bekannten Käferarten weltweit erfährt. Was Davey an Wissen und Kuriositäten zusammen getragen und schön illustriert hat, wird kleine und große Leser faszinieren, denn wie soll man sonst wissen, dass Mistkäfer gemessen an ihrem Eigengewicht die stärksten Tiere der Welt sind, dass bestimmte Rüsselkäferarten einen richtigen Bart haben oder dass es Käfer gibt, die Temperaturen von minus 100 Grad überleben können?

Mehr Bioprodukte einkaufen

Schon beim Einkauf kann man Naturschutz und damit Artenschutz betreiben. Es geht nicht nur darum, regional und saisonal einzukaufen, was natürlich auch die Umwelt schont. Noch mehr bringt es, im Bioladen einzukaufen, denn auf den nachhaltig bewirtschafteten Äckern der Biolandwirte kommen keine Pestizide zum Einsatz. Darum wachsen hier viele Ackerwildkräuter, die wiederum wichtig für viele heimische und zum Teil bedrohte Insektenarten sind.

Wer im ländlichen Raum wohnt, hat oft auch die Gelegenheit, direkt ab Hof beim Biobauern einzukaufen. Das macht natürlich gerade Kindern großen Spaß, denn ein Bauernhof ist viel interessanter als jeder Supermarkt. Außerdem erfahren sie so, wo Milch, Gemüse, Eier, Fleisch usw. herkommen.

Artensterben verhindern, 10 Tipps, Gettyimages

In der Stadt sind Wochenmärkte neben den Biosupermärkten eine gute Alternative. Das Bioland-, Naturland- oder Demeter-Siegel garantiert auch bei den Marktständen, dass nachhaltig und biologisch produzierte Ware angeboten wird.

Auch plasikfrei leben mit Kindern schont die Umwelt. Wir haben Tipps für euch gesammelt, die sich im Alltag leicht umsetzen lassen..

Rettet die Regenwürmer

Sie sind die Lieblinge eines jeden Gärtners: Regenwürmer. Sie fressen abgestorbene Pflanzenteile und verwandeln sie in wertvollen Dünger. Außerdem lockern sie mit ihren Gängen den Boden und sorgen dafür, dass Pflanzenwurzeln Platz haben. In einem Quadratmeter Boden leben ungefähr hundert Regenwürmer. Doch auch sie werden durch Pestizide und intensive Landwirtschaft getötet und verdrängt.

Warum Regenwürmer bei Regen aus der Erde kommen ist noch nicht erforscht. Überhaupt umgeben das kleine Tierchen noch viele Mysterien. Früher dachte man, der Regenwurm ertrinkt bei Regen im eigenen Gang und kommt deshalb an die Oberfläche. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Vielleicht treibt ihn der Regen nach oben weil er auf der feuchten Erdoberfläche schneller von einem Punkt zum anderen kommt. Jedenfalls findet man nach einem Regen oft viele Regenwürmer auf dem Gehweg. Auf Steinplatten oder Asphalt können sie sich nicht eingraben und werden so schnell von Vögeln gefressen. Oder sie vertrocknen jämmerlich, sobald die Sonne wieder hinter den Regenwolken hervor kommt.

Es ist also sinnvoll, Regenwürmer zu retten, sie vorsichtig aufzusammeln und in eine Wiese zu setzen. So haben sie die Chance, sich schnell wieder einzugraben und in Sicherheit zu bringen.

Selber Schmetterlinge züchten

Über 3700 Arten leben in unseren Wiesen, Wäldern und Gärten. Doch leider sind inzwischen viele Schmetterlingsarten bedroht. Der Grund dafür ist, dass es viele der Pflanzen, die sich als Schmetterlingsnahrung eignen nicht mehr gibt oder nicht mehr so häufig gibt. Schmetterlinge oder ihre Raupen sind oft auf genau eine Pflanzenart spezialisiert. Wird die Pflanze durch eine Klimaveränderung oder durch Überdüngung auf Wiesen und Feldern immer seltener, dann stirbt auch der Schmetterling aus. Ein Beispiel dafür ist der Aurorafalter. Seine Raupen ernähren sich am liebsten von Wiesenschaumkraut oder der Knoblauchsrauke. Zu finden ist das Wiesenschaumkraut vor allem auf Feuchtwiesen, doch die gibt es immer seltener.

Mit einem Set zur Aufzucht von Schmetterlingen könnt ihr den Kindern ein kleines Wunder der Natur zeigen. Die Sets lassen sich einfach mit Volieren und allem was man braucht übers Internet bestellen. Verkauft werden bei seriösen Anbietern nur Raupen aus deutscher Zucht und verschickt wird so, dass die Tiere nicht unnötig lange unterwegs sind. Nach zwei bis drei Wochen verpuppen sich die Raupen und die Schmetterlinge schlüpfen. Nach einigen weiteren Tagen können sie in die Freiheit entlassen werden.

Rettungsdienst für Hummeln

Sie sind pummelig, pelzig und klingen wie kleine Hubschrauber: Hummeln sind gemütliche Brummer. Leider stehen schon viele der einheimischen Hummelarten auf der Roten Liste, das heißt sie sind vom Aussterben bedroht.

Dabei gehören sie zu den fleißigsten Blütenbestäubern überhaupt. Eine Hummel sammelt von Februar (wenn es warm genug ist) bis November täglich 18 Stunden lang Pollen und Nektar. Pro Minute besucht sie im Schnitt fast 30 Blumen – so viel schafft keine Honigbiene. Hummeln lieben viele Blumen vor allem aber Krokusse und Primeln im Frühjahr, Lupinen, Klee, Löwenmaul, Kapuzinerkresse und Edelwicke im Sommer und Kugeldisteln und Efeu im Herbst.

Artensterben verhindern, Hummeln retten, gettyimages

Inzwischen werden Hummeln extra gezüchtet für die Bestäubung in Gewächshäusern. Im Garten lieben sie wilde Ecken in denen Steine, Reisig oder Totholz liegen, wo es wuchernde Grasbüschel, Moose (hier nisten übrigens die seltensten Hummelarten) oder Kräuter gibt. Als Nistplatz kommen für sie auch alte Vogelnester, verlassene Mauselöcher oder ein Komposthaufen in Frage.

Im Frühjahr findet man im Garten oder im Park erschöpfte Hummelköniginnen. Wenn die Brummer nicht wegfliegen wenn man sich ihnen nähert, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine entkräftete Königin. Jetzt kommt der Hummelrettungsdienst ins Spiel: Mit einem Stück Papier können die Kinder die Hummel vorsichtig aufheben und in Sicherheit bringen. Mit einer kleinen Pipette vorsichtig etwas Zuckerlösung vor die Hummel träufeln, damit sie sich stärken kann. Sobald sie genug Kraft hat, wird sie wegfliegen und einen eigenen Hummelstaat gründen.

Ein Heim für Ohrwürmer, Marienkäfer und Co.

Ja, Ohrwürmer rufen schnell ein „Iiih!“ hervor, wenn sie plötzlich auftauchen. Dabei sind sie supernützliche Blattlausvertilger im Garten und helfen auch dabei, Obstbäume von Schädlingen frei zu halten.

Ein Hotel für diese kleinen Tierchen mit ihren lustigen Kneifern lässt sich ganz schnell aus einem Tontopf bauen. Der wird mit Holzwolle (das lieben Ohrwürmer als Nistmaterial) gefüllt. Dann einen kleinen stabilen Ast an eine etwas dickere Schnur knoten. Die Schnur mit dem Aststückchen am Ende durch das Loch im Tontopf fädeln, am besten so, dass Topf und Stroh festgehalten werden. Wer möchte, dass sich Ohrwürmer leicht einnisten können, sollte den Topf jetzt kopfüber so in einem Strauch, einem Baum oder eben in der Nähe von Blattläusen aufhängen, dass die neuen Bewohner ohne Probleme reinkrabbeln können.

Auch Marienkäfer lieben diese Nistplätze. Sie bevorzugen allerdings Blätter, eventuell vermischt mit Stroh oder Holzwolle. Florfliegen ziehen hier ebenfalls gerne ein (auch sie sind super Blattlausvernichter), haben aber gern trockenes Stroh das locker im Topf sitzt als Unterschlupf.

Mehr tolle Bastelideen für Naturfreunde findet ihr auch in dem Buch von Susanne Pypke: „Wir retten die Bienen, Igel und Käfer!“ (erschienen im Topp Verlag für 14,99 Euro).

Was ihr außerdem noch tun könnt, um das Artensterben zu verlangsamen:

  • Weniger Fleisch essen.
  • Lokale Lebensmittel einkaufen und das möglichst nach Saison. Das garantiert kurze Lieferwege und geringe Lagerzeiten.
  • Im Garten einen Komposthaufen anlegen.
  • Das Auto öfter mal stehen lassen und zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren.
  • Auf Kosmetikprodukte mit Mikroplastik verzichten.
  • Nachhaltige Reinigungsmittel im Haushalt benutzen.
  • Auf Insektizide im Garten verzichten. Solltet ihr einen Hund oder eine Katze haben, dann legt ihm möglichst kein klassisches Flohhalsband an oder benutzt ein Flohmittel das man den Tieren ins Fell am Nacken träufelt, denn es tötet nicht nur Flöhe sondern alle möglichen Insekten. Außerdem ist es ungesund für die Kinder, die den Hund streicheln.
  • Im Garten blühende Hecken pflanzen, die Nahrung für Bienen und Co. bieten.

 

Bilder: Gettyimages