„Systemsprenger“ heißt der Film von Regisseurin Nora Fingscheidt, der diese Woche (19.09.2019) in den Kinos startet. Im Mittelpunkt steht die 9-jährige Benni. Sie leidet unter aggressiven, unkontrollierten Gefühlsattacken und fällt durch jedes System der Kinder- und Jugendhilfe. Der aufwühlende Film erhielt im Februar bei der Berlinale einen silbernen Bären. Nun geht er als deutscher Beitrag für den besten ausländischen Film ins Oscar-Rennen. Alles, was ihr über „Systemsprenger“ wissen müsst, erfahrt ihr hier.

Worum geht es in „Systemsprenger“?

Mutter Bianca (Lisa Hagmeister) und Tochter Benni (Helena Zengel) Foto: Yunus Roy Imer/Port au Prince Pictures

Als „Systemsprenger“ werden Kinder bezeichnet, die sich in psychiatrischen Hilfseinrichtungen nicht integrieren können. Sie „sprengen“ mit ihrem Verhalten quasi das Hilfssystem und durchlaufen deshalb meist zahlreiche Einrichtungen. Um genau einen solchen Fall geht es im Film. Die 9-jährige Benni, beeindruckend gespielt von Helena Zengel, wandert von einer Pflegefamilie zur nächsten. Absichtlich zerstört sie mit ihren Wutausbrüchen jede Annäherung. Denn eigentlich will sie nur zurück zu ihrer Mutter Bianca (Lisa Hagmeister). Doch diese hat Angst vor ihrer Tochter und ihren unkontrollierten Emotionen. Die letzte Hoffnung für Benni und ihr Umfeld ist der Anti-Aggressionstrainer Micha (Albrecht Schuch) . Er fährt mit Benni drei Wochen in die Natur, um das Mädchen intensiv pädagogisch zu betreuen.

Worum geht es eigentlich?

Helena Zengel (Benni) beeindruckt in „Systemsprenger“ (Foto: Yunus Roy Imer/Port au Prince Pictures)

Um den emotionalen Ausnahmezustand, in dem sich ein Kind wie Benni befindet. Auf der einen Seite sehnt sie sich nach Nähe, Geborgenheit und Zuwendung. Auf der anderen Seite schreckt sie ihr Umfeld mit ihren massiven Wutausbrüchen komplett ab und weist jede Form der Hilfe auf aggressive Weise zurück. Helena Zengel, die bei den Dreharbeiten zehn Jahre alt war, verkörpert den Seelenzustand der blonden, zarten Benni beeindruckend intensiv. Eben noch ein niedliches Mädchen im rosa Kapuzenpulli – in der nächsten Minute ein wutentbranntes Monster. Benni kann mit ihren widersprüchlichen Gefühlen nicht umgehen. Sie suchen sich unkontrolliert und mit großer Wucht ihren Weg. Daher gilt sie unter Experten als „Systemsprenger“. Ob ihr der Anti-Aggressionstrainer Micha wirklich helfen kann, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Fest steht, dass wir bisher viel zu wenig über Kinder wie Benni und ihre Problematik wussten.

Lohnt sich das Anschauen?

Auf jeden Fall. Allerdings ist „Systemsprenger“ kein Film für zarte Gemüter. Die Wucht der Emotionen haut einen förmlich um. Das intensive Spiel von Hauptdarstellerin Helena Zengel ist fesselnd und abstoßend zugleich. Regisseurin Nora Fingscheidt ist es gelungen, ein einfühlsames Bild der 9-jährigen Benni zu zeichnen. Und sie fordert uns auf, über unseren Umgang mit unseren Kindern und deren Gefühlen ernsthaft nachzudenken. Knapp zwei Stunden geht diese emotionale Achterbahnfahrt, nach der man Erholung braucht. Aber man hat einen beeindruckenden Film gesehen, über den garantiert noch viel gesprochen wird.

„Systemsprenger“ startet am 19. September 2019 in den deutschen Kinos. 

Ein weiterer Film, der gerade im Kino läuft und den wir euch empfehlen wollen, ist „Mein Lotta-Leben: Alles Bingo mit Flamingo“.