Der Wald als Spielplatz: Zwischen Blättern, duftendem Moos und lustigen Tieren lernen Kinder ihre Umwelt kennen und entdecken die Natur.

Der Wald ist für Kinder zu jeder Jahreszeit ein aufregender Abenteuerspielplatz. Ob täglich im Waldkindergarten oder beim sonntäglichen Spaziergang durch die bunten Blätter – im Wald gibt es allerhand zu entdecken. Der Wald regt durch seine ursprüngliche, unberührte Welt die Fantasie der Kinder an. „Kinder interessieren sich generell für alles in der Natur und sind sehr offen. Sie lieben es, Kleinlebewesen zu beobachten und anzufassen wie Eidechsen, Frösche, Käfer, Ameisen “, so Joachim Steinborn. Der Förster bietet zusammen mit seiner Frau Anneliese Steinborn, einer Gymnasiallehrerin, geführte Wanderungen für Kinder rund um den Klietzer See in Sachsen-Anhalt an. Auf der knapp 7,5 Kilometer langen Strecke versucht das Ehepaar hier, Groß und Klein die einheimische Flora und Fauna wieder näherzubringen. Im Sommer gibt es zudem auch Nachtwanderungen, auf denen Kinder einheimische Fledermäuse hautnah erleben können.

Kinder im Wald: Lernen durch die Natur

Insbesondere die Kleineren lernen viel über ihre Sinne und durch ein unmittelbares Erleben und das beste Material dafür findet sich in der Natur und im Wald. „Die aktive Auseinandersetzung mit der Natur fasziniert Kinder“, so Joachim Steinborn. „So sind viele Kinder immer wieder erstaunt über die Zersetzung von festem Holz bis zum Mulm durch Pilze und Kleinlebewesen.“
Dabei ist das kindliche Interesse an der Umwelt ganz natürlich vorhanden. „Um Kindern Interesse an der Natur zu vermitteln, muss man sie nur selbst tätig werden lassen und sie anhalten, Fragen zu stellen und Ursachen selbst zu finden“, sagt Joachim Steinborn.

Zurück zum Ursprung

Und tatsächlich: Führt man sich die menschliche Evolution vor Augen, verbrachte Homo sapiens die meiste Zeit seines Daseins in der Natur. Als Jäger und Sammler waren die Menschen darauf angewiesen, die Rhythmen und Phänomene der Natur zu erkennen und mit ihnen zu leben. Natürlich bedeutet das nicht, dass man sich wieder zurück in die Vergangenheit bewegen soll, sondern einfach nur, dass durch dieses ursprüngliche Leben und die dazugehörigen Fertigkeiten Kinder sich auch heute ganz automatisch mit der Natur zurechtfinden.

Was wächst da eigentlich?

Und Kinder wären nicht Kinder, wenn sie auf solchen Erkundungstouren durch den Wald nicht tausend Fragen stellen würden. Wer nicht gerade Biologe oder ausgesprochener Naturforscher ist, kann hier schnell ins Straucheln geraten. Insbesondere wenn man den Kleinen erklären will, warum Wildschweine nur an ganz bestimmten Plätzen wühlen oder warum das Moos hier auf einmal blau schimmert. „Auf einem Naturlehrpfad wird die Umgebung anhand einzelner Stationen erklärt und in vielen Fällen auch kindgerecht aufgearbeitet. Viele Lehrtafeln informieren über Artenvielfalt und nachhaltige Nutzung der Natur durch den Menschen“, erklärt Joachim Steinborn.

Vorbereitung ist alles

Aber natürlich kann jeder in den Wald gehen und die Natur genießen. Wer keinen Naturlehrpfad besucht, für den gibt es überall Bestimmungsbücher zu kaufen. Vor allem für Kinder, die eher städtisch aufwachsen, macht es oft Sinn, sie mit Bilderbüchern und Geschichten auf das Thema ‚Wald‘ vorzubereiten.

Immer mit Ruhe und Bedacht

Für einen Ausflug mit Kindern in den Wald empfiehlt es sich, genug Essen, Wasser und vor allem lange und geschlossene Kleidung sowie eine entsprechende Kopfbedeckung mitzunehmen. Kinder krabbeln gerne durch Dickicht und Unterholz, wobei sie sich schnell mal eine Zecke einfangen können. Hilfreich sind zudem ein Insektenspray und eine kleine Trillerpfeife für jedes Kind. Falls eines verloren geht oder in Gefahr ist, kann es so weit hörbar auf sich aufmerksam machen. „Das Wichtigste jedoch ist“, betont Joachim Steinborn, „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Menschen nur Gäste im Lebensraum Wald sind.“
Mehr Informationen gibt es auf der Webseite von Klietz am See.

Ausflugstipps: Mit Kindern den Wald erkunden

Abenteuer auf dem Löwenzahn-Erlebnispfad

Der Wanderweg ist mit einer Strecke von rund fünf Kilometern recht kurz – aber es ist ein unvergessliches Erlebnis für Klein und Groß. Auf den Spuren der alten Römer findet man hier mit etwas Glück sogar 380 Millionen Jahre alte Fossilien.
Unterwegs gibt es 20 verschiedene Stationen, an denen es viel zu entdecken und auszuprobieren gibt. Unter anderem kann man das Leben von Honigbienen aus nächster Nähe erleben, Nüsse sammeln und knacken wie die Eichhörnchen und über Stock und Stein durch das Unterholz pirschen.
2014 wurden die unterschiedlichen Mitmachstationen sogar von der ZDF-Kindersendung „Löwenzahn“ und dem Verband Deutscher Naturparke e. V. als Löwenzahn-Erlebnispfad ausgezeichnet. Aber auch für die Großen bietet das idyllische Urfttal mit seinen naturbelassenen Auenlandschaften Erholung und Entspannung vom stressigen Alltag. Start und Zielpunkt des Naturlehrpfads ist der kleine Ort Nettersheim in Nordrhein-Westfalen.
Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Naturzentrums Eifel.

Den Eisvogel an der Elbe entdecken

Die Urlaubsregion Altes Land am Elbstrom liegt bei Buxtehude und damit ganz nah an Hamburg. Hier, im größten Obstanbaugebiet Nordeuropas, lohnt sich ein Besuch im Spätsommer zur Erntezeit natürlich ganz besonders. Aber auch außerhalb der Hochsaison kann man auf abgelegenen Pfaden wandern.
Die Naturlehrpfade in der Region bauen dabei stets thematisch aufeinander auf, sodass man bei jeder Wanderung etwas Neues über Flora, Fauna, Bodenkunde und Kulturgeschichte lernen kann, mit großen Schildern und Beschreibungen der unterschiedlichsten Landschaftstypen. Während einer Wanderung durch das Auetal begegnet man mit ein wenig Glück sogar dem seltenen Eisvogel. Viele öffentliche Führungen werden das ganze Jahr über und speziell für Kinder angeboten.
Mehr Informationen gibt es auf der Webseite der Urlaubsregion Altes Land.

 

Fotos: Getty Images