Mit einfachen Übungen könnt ihr eure Kleinen zuhause nach Montessori fördern. Wobei immer der Grundsatz von Maria Montessori gelten sollte: Hilf mir, es selbst zu tun.

Also auch wenn es euch in den Fingern juckt, euer Kind bei den Tätigkeiten zu unterstützen und anzuleiten, solltet ihr es allein „arbeiten“ und ausprobieren lassen. Natürlich zeigt ihr eurem Kind am Anfang, wie die Montessori-Übungen funktionieren, aber anschließend dürfen sie ganz allein ihren Weg finden.

Mit den Fingern malen

Bevor Kinder zu Hilfsmittel wie Stift oder Pinsel greifen, lernen sie mit Händen und Fingern zu malen.

Dafür könnt ihr auf gekaufte Fingerfarben zurückgreifen (Achtung: Prüft vor dem Kauf die Inhaltsstoffe. Besser Fingerfarben wählen, die keine Schwermetalle und andere schädliche Stoffe enthalten.). Ihr könnt Fingerfarben aber auch ganz leicht selber herstellen.

Dazu mischt ihr 3 EL Zucker mit 1/2 TL Salz, 1/2 Glas Maisstärke und 2 Gläsern Wasser. Die Masse so lange bei niedriger Temperatur erhitzen, bis sie eindickt. Jetzt die Mischung auf kleine Gefäße verteilen und Lebensmittelfarben zugeben. Die selbstgemachte Fingerfarbe hält abgedeckt und gekühlt ca. eine Woche.

Jetzt kann es losgehen mit dem Malen: Ein großes Zeichenblatt (oder Karton) auf den Boden legen oder mit Klebestreifen an einem Fenster befestigen. Die ersten Farbkleckse könnt ihr noch zusammen anbringen. Dann aber darf dein Kind nach Herzenslust mit den Fingern, der ganzen Hand oder (auch lustig) mit dem nackten Fuß malen.

Das lernt dein Kind dabei: Während des Malens entwickelt das Kind seine Konzentrationsfähigkeit, seine visuelle Wahrnehmung und seinen Tastsinn. Dazu natürlich auch seine Kreativität. Außerdem bekommt es einen kleinen Einblick in die Farbenlehre.

Montessori Übungen für 2-Jährige
Bevor Kinder zu Stift und Pinsel greifen, sollen sie mit den Fingern malen. Das fördert nicht nur ihre Kreativität.

Zeigt her eure Händchen…

Unsere Kinder lernen aus Alltagsdingen und durch Nachahmung. Vielleicht hat dein Kind jetzt schon großen Spaß am Händewaschen. Nach dem Malen mit Fingerfarben jedenfalls, ist es bitternötig.

Bei Montessori werden Alltagsdinge wie diese zelebriert und nach einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt. Darum brauchst du für diese Übung einen kleinen Tisch, ein Seifenstück, eine Schüssel, einen Krug mit lauwarmen Wasser, einen kleinen und einen großen Schwamm, ein Handtuch, einen Eimer, eine kleine Bürste.

1. Du erklärst deinem Kind, worum es jetzt geht: Hände waschen. Zuerst willst du es ihm zeigen, dann soll es alles nachmachen

2. Zuerst soll es sich die Ärmel hochkrempeln (und du auch)

3. Du schüttest lauwarmes Wasser aus dem Krug in die Schüssel. Wenn etwas daneben geht, tupfst du es mit dem großen Schwamm auf.

4. Jetzt nimmst du das Seifenstück und seifst dir langsam die Hände ein. Dabei reibst du jeden Finger ab und benennst ihn. Dann bürstest du die Fingernägel sanft mit einer Nagelbürste.

5. Jetzt spülst du deine Hände in der Schüssel ab bis alle Seife abgewaschen ist. Dann lässt du die Hände abtropfen und trocknest dir Finger für Finger die Hände mit dem Handtuch ab. Sag dabei ruhig immer, was du machst.

6. Danach schüttest du das Wasser in dem bereitstehenden Eimer und wischst die Schüssel mit dem großen Schwamm sauber. Dann stellst du den Wasserkrug wieder in die Schüssel.

7. Jetzt ist dein Kind an der Reihe, sich die Hände zu waschen. Es darf diese Übung so oft wiederholen, wie es will, aber es sollte immer die Reihenfolge einhalten.

Das lernt dein Kind dabei: Konzentrationsvermögen, Reihenfolgen einhalten, Selbständigkeit, Sauberkeit.

Montessori-Übungen für 2-Jährige
Bei Alltagsdingen lernen Kinder ihre Fähigkeiten zu trainieren. Auch das Händewaschen lässt sich dazu Ritualisieren.

Zangengreifer

Etwas mit der Zange greifen gehört zum Standard der Montessori-Übungen. Die Kleinen bereiten sich dabei ganz nebenbei auf das Schreiben vor, denn dafür ist der sogenannte Pinzettengriff eine Grundvoraussetzung.

Ob dein Kind schon mit zwei Jahren so weit ist oder erst mit etwa 2,5 ist ganz individuell. Du wirst schnell merken, ob es an der Übung Spaß hat oder nicht. Wenn es nicht klappt, einfach ein paar Wochen abwarten und es dann noch einmal probieren.

Das brauchst du:

  • Eine einfache Zange.
    Für kleine Händchen ist eine Zuckerzange perfekt; oder aber du investierst in eine Holzzange.
  • Eine Muffinform
  • Walnüsse, Haselnüsse, aber auch Nudeln gehen für die Übung.

So geht’s:

1. Grundsätzlich ist es für Anfänger besser, größere Objekte auszuwählen. Diese lassen sich leichter greifen. Eine Haselnuss ist für die Kleinen schon eine Herausforderung.

2. Zeig dem Kind, wie man mit der Zange die Dinge greifen kann.

3. Die Aufgabe ist, mit der Pinzette in jede Muffinvertiefung eine Nuss, Nudel etc. zu legen.

4. Wenn dein Kind verstanden hat, lässt du es alleine üben, so lange es will. Nach und nach kannst du die Objekte immer kleiner werden lassen.

Das lernt dein Kind dabei: Vorbereitung für den Pinzettengriff, Feinmotorik, Konzentrationsfähigkeit, Feinmotorik der Handmuskeln und Finger.

Das Wäscheklammerspiel

Kinder lieben Haushaltsdinge. Und gerade mit Wäscheklammern kann man die schönsten Dinge spielen. Zum Beispiel kannst du weiter an dem Farbenverständnis arbeiten und deinem Kind die Aufgabe geben, alle roten Wäscheklammern aus einem bunten Haufen herauszusuchen und in ein extra Körbchen zu legen.

Etwas anspruchsvoller wird es für 2,5-Jährige. Sie bekommen eine Postkarte oder ein Stück festen Karton, fünf Wäscheklammern, einen Korb oder ein Tablett, in oder auf dem alles liegt.

So geht’s:

1. Zeig deinem Kind den Korb mit den Klammern und die Postkarte. Jetzt machst du ihm vor, wie man mit einer Wäscheklammer hantiert, ohne sich dabei die Fingerchen zu klemmen.

2. Klammere eine Wäscheklammer an den Rand der Postkarte.

3. Jetzt ist dein Kind an der Reihe und darf die Wäscheklammern an die Postkarte klemmen.

Das lernt dein Kind dabei: Konzentrationsfähigkeit, Übung des Pinzettengriffs, Unabhängigkeit, Farbenverständnis, Feinmotorik

Sortieren lernen

Für uns Erwachsene klingt das ganz einfach, für Kinder von 2 Jahren sind Sortierarbeiten eine große Herausforderung. Doch wenn man ihnen den Spaß dabei vermittelt, sind sie eine sinnvolle Vorbereitung auf logisches Denken und somit auf Mathematik.

Das brauchst du:

Nudeln in drei verschiedenen Farben

Vier identische Schalen

So geht’s:

1. Zeig deinem Kind die Schale mit den bunt vermischten Nudeln.

2. Jetzt schlägst du deinem Kind vor, die Nudeln nach der jeweiligen Farbe in die einzelnen Schalen zu sortieren.

3. Wieder kann dein Kind die Übung so lange wiederholen, wie es Lust und Freud daran hat.

Das lernt dein Kind dabei: Betrachten und Vergleichen von Unterschieden, Farben erkennen und zuordnen, sortieren, Konzentration, Feinmotorik, Aufgaben eigenständig lösen.

Mehr Übungen nach Montessori findest du in dem Buch „Montessori-Pädagogik für zu Hause“ von Céline Santini und Vendula Kachel, erschienen bei Anaconda.

Das könnte dich auch noch interessieren: Mit diesen 24 Spielzeugen fördert ihr die Kreativität eurer Kinder!

Bilder: Gettyimages