Der Frühling rückt immer näher, und wie es Tradition ist, denken die Eltern bereits über den Schulranzen nach, den sie den Kleinen schenken möchten. Wir haben mit der Orthopädin Dr. med. Uta Laukens gesprochen, um herauszufinden, welche Kriterien für den Kauf des Schulranzen gelten.

Luna: Wie ist die Wirbelsäule eines Kindes konstruiert und was sind die wichtigsten Wachstumsphasen?

Dr. med. Uta Laukens: Die Wirbelsäule kann gut Scher-und Rotationskräfte absorbieren, die wichtigste Wachstumsphase für die WS ist der große Wachstumsschub während der Pubertät, hier kann die WS innerhalb von einem Jahr bis zu 12 cm zunehmen. Hier ist sie aber auch für Erkrankungen besonders anfällig. Die knöcherne Skoliose entwickelt sich zum Beispiel überwiegend während dieser Wachstumsphase und kann schnell an Krümmung zunehmen.

Wie wichtig ist es, den richtigen Schulranzen zu finden?

Das ist sehr wichtig, denn aufgrund der zu erwartenden Mengen, die getragen werden müssen, ist eine gute Gewichtsverteilung besonders notwendig.

Wie sollte der Schulranzen im Idealfall sitzen?

Ein Schulranzen sollte eine gute und gleichmäßige Gewichtsverteilung auf dem Rücken gewährleisten, breite, gut gepolsterte Tragegurte haben, möglichst bei kleineren Schülern auch einen Bauchgurt besitzen, einen stabile Rückenverstärkung haben und ein geringes Eigengewicht besitzen.

Was können die Folgen sein, wenn er falsch getragen wird?

Ein falsches Tragen macht keinen krummen Rücken, aber kann durchaus zu Rückenschmerzen aufgrund von Dysfunktionen einzelner Wirbelabschnitte führen.

Kann ein Schulranzen für die gesamte Schulzeit ausreichen?

Nein, um Gottes willen, ein Schulranzen muss alle 2-3 Jahre ausgetauscht werden aufgrund von Längenwachstum und verschleiß (keine Tasche wird so heftig benutzt wie ein Schulranzen). Außerdem möchte ihre 12jährige Tochter nicht mehr mit dem Einhorn-Modell aus der ersten Klasse rumrennen – also Coolness ist natürlich auch etwas wichtig.

Worauf sollte man beim Kauf des ersten Rucksacks besonders achten?

Man muss beachten, dass der Rucksack gut am Rücken anliegt und die Größe proportional zu dem Kind passt (Erstklässler sind sehr unterschiedlich). Er sollte auch leicht sein. Niemals einen Rucksack ohne Kind kaufen, dieser muss anprobiert werden.

@Hänska

Wie stark wirkt sich das Gewicht des Rucksacks auf die Gesundheit und die Körperhaltung des Kindes aus?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Kinder ein Gewicht von 20% des Körpereigengewichtes tragen können, ohne dass Schädigungen oder Funktionsstörungen an der WS hervorgerufen werden. Das ist richtig viel. Ein Leichtgewicht von 25 kg kann einen Schulranzen mit 5 kg Inhalt also problemlos tragen.
Auch wenn wir denken, dass die Rucksäcke unserer Kinder zu schwer sind, können sie in den allermeisten Fällen bedenkenlos getragen werden.

Glauben Sie, dass die Materialien und die Form des Rucksacks auch einen Einfluss auf seine Tragbarkeit haben?

Klar – wie immer, wer gutes Material kauft, kauft nicht zweimal….

Wenn ein Kind bereits Deformationen der Wirbelsäule wie Skoliose etc. hat, sollte man sich besser für eine Tasche als einen Rucksack entschieden werden?

Hier ist der Rucksack wegen der gleichmäßigeren Gewichtsverteilung definitiv die bessere Alternative.

Haben Sie oft Patienten mit Rücken- oder Haltungsproblemen, die auf den Schulranzen zurückzuführen sind?

Nicht oft. Normalerweise ist Rückenschmerzen immer eine Folge mehrerer Einflussfaktoren. Die häufigsten sind Bewegungsmangel, Stress, zu viel Zeit am Handy oder Computer, Übergewicht oder Koordinationsschwächen.

Wie behandeln Sie Rückenprobleme bei Kindern?

98% der Rückenschmerzen von Kindern sind glücklicherweise nicht auf strukturelle Erkrankungen der WS zurückzuführen sondern auf gestörte Funktionen einzelner WS-abschnitte. Diese lassen sich gut mit manuellen Therapieverfahren, wie zum Beispiel sanften chiropraktische Techniken oder osteopathische Verfahren, behandeln. Wichtig ist dabei, die Ursachen zu erforschen (siehe oben) und diese zu vermeiden. Am allerwichtigsten ist hier zu sagen, dass unsere Kinder sich generell heutzutage viel zu wenig bewegen und leider, auch statistisch gesehen, immer dicker werden.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Dr. med. Uta Laukens Fachärztinnen für Orthopädie & Traumatologie Kinder und Jugendorthopädie Berlin

Teaser- und Sliderbild: @Hänska