Wie hat sich das Leben in der Schweiz und in Deutschland seit der Corona-Krise verändert? Was macht das mit uns und unseren Familien? Jede Woche schreiben sich Claudia Jucker, Journalistin aus der Schweiz, und Uli Morant, Chefredakteurin von Luna, und tauschen sich im Wechsel dazu aus.

Briefe aus der Bubble: Von Homeschooling, Familienzeit und Happy-Ends

Liebe Claudia!

wie war Euer Osterfest? Genauso ruhig wie unseres? In normalen Zeiten fahren wir zu meinen Eltern und feiern gemeinsam – aber das musste diesmal ja leider ausfallen. Wir haben lange telefoniert mit Oma und Opa, aber das kann ein richtiges Treffen natürlich nicht ersetzen.

Fängt bei Euch die Schule bald wieder an? Bei uns wird darüber noch diskutiert. Angeblich wollen sie die Grundschüler mit Masken in den Unterricht schicken – das halte ich für keine gute Idee. Dann haben sie erst recht ständig die Hände im Gesicht um an den Masken rumzuzupfen.

Trotzdem wäre ich froh, wenn endlich wieder Unterricht stattfinden könnte, denn Homeschooling ist mühsam. Wir kämpfen uns durch Zettel und Aufgabenlisten, bekommen teilweise Schulaufgaben per Mail zugesandt – und auch die Lösungen. Wir haben alles in einem kleinen Stundenplan organisiert, aber die Motivation des Juniors lässt zu wünschen übrig.

Wo bleibt die Digitalisierung an den Schulen?

Heute hat er uns erklärt, dass er die Corona-Auszeit zwar doof findet, aber die Schule vermisse er nicht. Eigentlich will er viel lieber nur Heimunterricht haben und kann gar nicht verstehen, warum das in Deutschland nicht erlaubt ist. Unser kulturgeschichtlicher Vortrag zu den Vorteilen der Schulpflicht hat ihn wenig interessiert.

Vor den Ferien hat die Klassenlehrerin eine Videokonferenz mit den Schülern einberufen. Immerhin! Es wird schwer werden für die Lehrer nach der Schulschließung wieder alle Kinder einzufangen und auf ein normales Unterrichtspensum einzustimmen. Zwar wird viel untereinander geskyped, aber das kann die sechs Stunden gemeinsamen Unterricht, Pausen und all das, was den Schulalltag eben ausmacht, nicht ersetzen.

Es  wäre doch toll, wenn der Unterricht problemlos online weitergehen könnte. Aber leider ist das an den wenigsten deutschen Schulen der Fall. Schon ein wenig peinlich für eine Industrienation. Wie sieht das denn in der Schweiz aus mit der Digitalisierung an den Schulen?

Schüler lernen

Der Alltag, der keiner mehr ist

Ansonsten hangeln wir uns durch den Alltag (der kein richtiger ist) und verstehen uns – nach anfänglichen Reibereien – doch erstaunlich gut. Wir mussten uns die ersten zwei Wochen langsam daran gewöhnen, so viel Zeit miteinander zu verbringen, denn normalerweise sehen wir uns zum Frühstück und dann erst wieder am Nachmittag oder abends zum Essen.

Was trägt uns durch die Krise? Und wie werden wir uns später an die Zeit erinnern? Was mir persönlich Struktur und Halt gibt ist die Arbeit, auch wenn sie im Moment im Homeoffice stattfindet. Ich freue mich, die Kolleginnen in den Video-Konferenzen zu sehen, Dinge zu besprechen… Ein Hauch von Normalität, aber trotzdem ist das alles kein Ersatz für unseren quirligen Redaktionsalltag, den ich sehr vermisse.

Wenn es ganz dick kommt und die Stimmung abzusacken droht sehe ich mit dem Junior eingekuschelt auf der Couch alte Filme, deren Ende ich schon kenne. Das ist unglaublich beruhigend in Zeiten, in denen keiner so richtig weiß wie alles ausgehen wird. Wir brauchen Happy-Ends!

Ghostbusters Film
Ein Klassiker, der sofort für gute Laune sorgt: Ghostbusters. @Sony Pictures

Oder ich gehe auf den Balkon, den wir bereits mit bunten Blumen bepflanzt haben, und sehe mir diesen kleinen Ausschnitt der großen, weiten Welt an. Eigentlich wollten wir in den Osterferien nach Portugal. Das Reisen fehlt mir mit am meisten. Ich tröste mein Fernweh mit Urlaubsbildern aus den vergangenen Jahren und habe – wie Du ja auch – fest vor, sie endlich in Fotoalben zu verewigen. Mal sehen, wer schneller ist von uns beiden…

Liebe Claudia, schreib mir wie es Euch geht und lass gerne hören, wenn Du kluge Tipps fürs Homeschooling hast. Nächste Woche sind die Ferien ja schon wieder vorbei…

Bleib gesund!
Ganz liebe Grüße,
Uli

Hier noch ein paar Tipps für kleine Freuden:

Das Spiel Super Mario Kart 8 Deluxe, bei dem man zu zweit, zu dritt oder zu viert an der Switch tolle Rennen gegeneinander fahren kann. Macht Spaß und ich tröste mich damit, dass es die Koordinationsfähigkeit der Kinder schult.

Das Wissens- und Mitmachbuch „Meer“ von dem polnischen Illustrator Piotr Karski, mit dem kleine Menschen sich stundenlang beschäftigen können, während die größeren Menschen sich im Homeoffice konzentrieren müssen. Erschienen im Moritz Verlag.

Die Seite grundschulkönig, auf der es viele, viele Arbeitsblätter zu allen möglichen Schulthemen auszudrucken gibt. Von „Fahrradprüfung“ bis „Satzglieder bestimmen“ ist alles da – mit Lösungen.

Auf der Seite von afilii haben sich alle möglichen Möbel- und Spielzeugdesigner zusammen gefunden und präsentieren kreative Ideen für Kinder unter dem Titel „Play at home“. Unser Favorit gerade: das Foto-Detektiv-Spiel.

 

Bilder: Gettyimages (2)