Wie hat sich das Leben in der Schweiz und in Deutschland seit der Corona-Krise verändert? Was macht das mit uns und unseren Familien? Jede Woche schreiben sich Claudia Jucker, Journalistin aus der Schweiz, und Uli Morant, Chefredakteurin von Luna, und tauschen sich im Wechsel dazu aus.

Briefe aus der Bubble: Von frohen Ostertagen, ungewissem Schulanfang und Urlaubsträumen

Liebe Uli
Schön, von Dir zu lesen!

Du wirst es nicht glauben, aber unsere Mädels waren hell begeistert vom diesjährigen Osterfest. Ich denke, es lag an der Kombination: Strahlendes Sommerwetter, großzügig gefüllte Osternester – mit Schokolade und Schleich Pferden – und die Aussicht auf 2,5 Wochen hausaufgabenfreie Zeit. Besser als Weihnachten meinten sie. Die Großeltern ließen es sich nicht nehmen und haben heimlich süße Hasengrüße im Garten und bei uns im Briefkasten deponiert. Corona hat es also nicht geschafft, uns dieses Wochenende zu vermiesen. Zum Glück!

Wir haben alle hörbar aufgeatmet, als endlich Ferien waren! Die Anspannung der letzten Wochen war für uns alle groß. Ich hatte zwar das Gefühl, wir hätten einen guten Rhythmus gefunden, aber es war schon sehr happig, alles unter einen Hut zu bringen. Und in diesem Sinne gerade wirklich alles. Kinderbetreuung, Unterricht, Projekte, Jobs, Haushalt, einkaufen, kochen, putzen, lange Telefonate mit Angehörigen, Freunden und viel Administration.

Nachrichten? Lieber nicht mehr so viel Information

Anfangs haben wir viele Postkarten verschickt. Nun hat sich das aber etwas gelegt. Überhaupt empfinde ich im Moment die Lage als sehr ruhig. Meine Bubble hat sich nochmals verdichtet und ich habe kaum Kontakt zur Außenwelt. Die Tage sind trotz Urlaub immer noch zu kurz und abends schauen wir zuerst die Nachrichten, bevor wir uns Netflix oder einem Buch widmen. Es macht mich alles sehr müde und ich verfolge mittlerweile die Zahlen auch nicht mehr so aufmerksam wie am Anfang. Denkst Du, man gewöhnt sich an solche Ausnahmezustände?

Schule geschlossen Corona
In der Schweiz werden die Schulen am 11. Mai wieder öffnen.

Seit ein paar Tagen wissen wir nun, dass die Schulen am 11. Mai wieder öffnen sollen. Die Schweizer Regierung hat die Maßnahmen ein wenig gelockert. So dürfen ab Ende April gewisse Branchen ihren Betrieb wieder aufnehmen, zum Beispiel Friseure. Natürlich unter strenger Einhaltung der Hygiene-und Verhaltensregeln. Bisher gilt keine Masken-Tragepflicht und soweit ich weiß ist es auch für die Schüler*innen nicht angedacht. Grundschüler und Masken in Berlin? Uff. Das halte ich für keine gute Idee. Die gehen doch verloren.

Bei uns diskutieren sie gerade noch darüber, in welcher Form der Unterricht ab Mitte Mai stattfinden soll. Breaking News: Es wird keine Zeugnisnoten für dieses Semester geben. Das finde ich auch das einzig richtige. Ich mag es mir noch gar nicht ausrechnen, wie weit sich das Wissen der Kinder voneinander entfernt, wenn so lange kein regulärer Unterricht stattfinden kann. Und wie soll das überhaupt geprüft werden?

Digitalisierung an den Schweizer Schulen: Es könnte besser sein

Du hast noch gefragt, wie das mit der Digitalisierung an Schweizer Schulen ist. Das ist sehr sehr unterschiedlich. Bei uns war es zum Beispiel so, dass die meisten Kinder kurzerhand ausrangierte Tablets und Laptops der Eltern in Betrieb genommen haben. Das hatte aber zur Folge, dass gewisse Apps wie Quizlet (mein Homeschooling Tipp für Dich) oder Google Hangouts nicht funktionierten und so musste ich meiner Tochter zwischendurch meinen Rechner oder mein iPhone abtreten, was ich unmöglich fand.

Bei uns im Schulhaus bekommen die Schüler*innen ab der 5. Klasse Tablets. Einige Klassen profitieren jetzt davon, dass sie schon daran gewöhnt sind. Aber ich denke, auch bei uns ist das Thema Digitalisierung noch sehr individuell und steckt noch in den Kinderschuhen.

Schule Zuhause
Auch in der Schweiz ist die Digitalisierung an Schulen noch nicht weit vorangeschritten

Wie seid ihr nach den Ferien gestartet? Kommt ihr klar mit dem Homeschooling oder spitzt sich die Lage zu? Es ist schon eine sehr große Herausforderung, wenn wir Eltern plötzlich wie die Polizisten neben unseren Kindern Wache halten müssen, um zu kucken, ob und wie sie die Hausaufgaben meistern. Wir werden jetzt nach dem Motto “weniger ist mehr” agieren und konzentrieren uns nur noch auf die Hauptfächer. Die restliche Zeit sollen die Kinder im Garten und mit Spielen verbringen. Ich hoffe, sie werden sich auf diese Weise im Guten an diesen verrückten Ausnahmezustand zurück erinnern.

Sommerurlaub? Vielleicht wenigstens Camping

Mein Mann und ich beraten gerade, wie wir dieses Jahr unsere Ferien gestalten sollen. Wir hatten zum Glück noch nichts Fixes gebucht, da wir nun seit einem Jahr den VW-Bus haben und damit verreisen wollten. Für den Sommerurlaub stand Schweden auf dem Programm. Das haben wir nun aber auf Eis gelegt. Wir machen uns jetzt mal schlau, wo wir in der Schweiz unser Camping Glück finden werden.

Und was plant ihr?

Ganz herzliche Grüsse aus Zürich – heute mit Sahara Sand am Himmel Claudia

P.S. Danke auch für Deine Tipps. Play at home|afilli gefällt mir besonders gut!
Leider habe ich mit den Fotobüchern noch immer nicht begonnen. Das Wetter war einfach zu schön!

Hier findest Du meine Tipps und Tricks für etwas Abwechslung im Corona Alltag:

Give it up to ?DJ MICHELLE!? Eine Instagram Entdeckung, die mich sofort in gute Laune versetzt, wenn meine Nerven vor lauter Homeschooling überstrapaziert sind. Wenn’s mit Mathe nicht klappt, dann vielleicht mit auflegen?

Ich war selten so „pur“ unterwegs wie jetzt. Keine Schminke, kein Make Up. Aber ein bisschen Wellness muss sein. Jeden Abend gönne ich mir vor dem Schlafen eine erfrischende Reinigung mit dem „Fabulous Face Cleanser“ von Aesop. So schaffe ich mir ein Gefühl von Frische. Danach verwöhne ich mein Gesicht mit der Sublime Replenishing Night Masque. Das tut unglaublich gut!

Der Trend zu nachhaltigem Verreisen wird durch die Corona Krise gestärkt werden, denke ich zumindest. Falls wir es dieses Jahr noch schaffen, das geplante Mädels Weekend zum Vierzigsten nachzuholen, lassen wir uns von der Reiseplattform Good Travel inspirieren. Spontan würde es mich in den „Bayerischen Urwald“ ziehen, aber wir wissen leider nicht, wie lange die Grenzen geschlossen bleiben … Vielleicht ist da ja auch ein schniekes Hideaway für Dich und Deine Familie mit dabei.

 

About:
Claudia Jucker arbeitet als freie Redakteurin und Texterin für verschiedene Print-und Online Magazine in Deutschland und in der Schweiz. Ihr Fokus ist das Reisen. Sie berichtet aber auch regelmäßig über Familienthemen und Nachhaltigkeit. Sie lebt mit ihren beiden Töchtern (5 und 9 Jahre) und ihrem Mann in Zürich. www.claudiajucker.com  
Bilder: Gettyimages, privat (1)