Wohl dem, der eine große Wohnung oder sogar ein Haus mit Garten hat. Im Moment aber verbringen Familien auf kleinem Raum viel mehr Zeit zusammen, als im normalen Alltag. Alles wegen der Coronakrise. Konflikte sind vorprogrammiert. Lagerkoller! Doch was tun, wenn es mal so richtig rauscht, im Karton? Wir haben Tipps bei Streit in der Familie…

Konflikte gehören zum Alltag

Gerade weil wir im Moment wegen der Ausgangsbeschränkungen als Familien so eng aufeinander sitzen, sind Konflikte vorprogrammiert. Meist knallt es wegen schon bekannter Themen.

Kommunikation mit den Kindern ist jetzt besonders wichtig. Aber auch ein Hineinhören in sich selbst: Bin ich gereizt weil ich selbst gerade nicht mit der Situation umgehen kann, Zukunftsangst habe, mich Existenzängste plagen, ich mir Sorgen um ältere Familienangehörige mache? Wie viel von meiner eigenen Gemütslage kann ich meinen Kindern offenbaren, ohne ihnen Angst zu machen? Wie sehr beeinflusst meine Stimmungslage meinen Umgang mit den Kindern?

Einfach mal drüber reden hilft meist schon | Bild: Getty

Warum Streiten und Konflikte wichtig sind

Wo Menschen zusammen kommen, stoßen unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und auch Forderungen aufeinander. Diese werden ausdiskutiert, ruhig oder auch mal lauter. Einen Konflikt austragen ist grundsätzlich gut, denn nur so kann sich eine Familie auch weiterentwickeln. Es ist eine Frage des gegenseitigen Vertrauens und des gegenseitigen Respekts herauszufinden, was das Gegenüber für Bedürfnisse/Wünsche/Probleme/Sorgen hat und auch, was gerade im Zusammensein nicht so gut läuft.

Wenn Konflikten immer nur aus dem Weg gegangen wird, ist kein ehrliches Zusammenleben möglich. Aber natürlich braucht es eine gewisse Streitkultur in der Familie. Wie könnte die aussehen?

Bei Konflikten in der Familie können folgende Tipps helfen:

Was löst den Streit aus?

Wenn jemand in der Familie „auf Krawall“ aus ist, steckt meist mehr dahinter. Frag in Ruhe worum es eigentlich geht. Oft hat ein Wutausbruch bei den Kindern völlig andere Hintergründe: Überforderung mit der aktuellen Situation, Sehnsucht nach den Freunden, nach den Kumpels im Sportverein, Sorge um die Großeltern… Es lohnt zu ergründen, warum das Kind traurig, wütend, enttäuscht, zickig, unkooperativ ist.

Auch unter Geschwistern sind es oft ähnliche Themen, die zu Auseinandersetzungen führen: Eines fühlt sich nicht genug gesehen, es fehlt ihm die Wertschätzung oder auch die Fairness, weil er/sie als älteres Geschwisterkind immer aufgefordert wird „vernünftiger“ zu sein, oder genau andersrum, der/die Jüngere fühlt sich übervorteilt, weil der/die Ältere viel eher zum Zug kommt. Gerade unter Geschwistern ist oft Thema, wann wer „nachgeben“ muss.

Ohnehin geraten Geschwister immer mal wieder aneinander – aktuell mit Sicherheit noch öfter | Bild: Getty

Den richtigen Zeitpunkt abwarten

Ruhe bewahren – oder vielmehr: wieder zur Ruhe kommen. Kein Konflikt lässt sich klären, wenn man gerade total verärgert ist oder die Situation eskaliert. Erst wenn Zorn und Wut verraucht sind, sowohl bei den Kindern als auch bei einem selber, kann man sich zu einem klärenden Gespräch zusammen finden.

Fair bleiben auch im Streit

Selbst wenn es im Konfliktgespräch heiß hergeht: Keiner darf dabei verletzend werden! Schimpfwörter sind tabu! Und sich gegenseitig niedermachen auch. Das gilt nicht nur für Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kind, sondern auch falls es zwischen den Geschwistern Streit gibt. Sollte die Situation eskalieren, wird das Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.

Versucht im Streitgespräch immer zugewandt und freundlich zu bleiben – auch wenn es schwer fällt. Den anderen ausreden lassen wenn er sein Anliegen vorbringt ist nur fair. Jeder darf zu Wort kommen, jeder wird gehört.

Bei einer Sache bleiben

Konzentriert euch auch beim Streiten auf das konkrete Thema. Unbedingt vermeiden sollte man Aussagen wie „Wenn wir gerade schon mal dabei sind…!“, oder „Was ich dir schon lange einmal sagen wollte….!“.

Bleibt gemeinsam bei dieser einen Sache, die es zu klären gilt, ohne Dinge zu vermischen und ohne abzulenken.

Was will ich, was willst du?

Jeder hat das Recht seine Interessen, Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren. Es ist nichts Falsches daran, wenn jeder etwas anderes will. Ein Kompromiss kann auch sein, die Wünsche/Interessen des anderen zu respektieren und zu akzeptieren. Auch das gehört zum richtigen Streiten: Das Anerkennen, dass zwei unterschiedliche Positionen bestehen bleiben können.

Jetzt gilt es Lösungsvorschläge zu machen. Wie könnte ein Kompromiss aussehen. Wie vermeidet man in Zukunft, wieder in dieselbe Streitfalle zu tappen.

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Entschuldigen und versöhnen

Streiten ist anstrengend und danach sind meist alle erschöpft. Jetzt ist es wichtig, das Ganze zu einem positiven Abschluss zu bringen. Im Streit ist jeder einmal unfair, sagt Sachen, die er nicht so gemeint hat.

Wichtig ist, dass auch das erkannt und benannt wird. Sich entschuldigen, eine Umarmung, ein Kuss, ein gemeinsames Eis essen… Versöhnungsrituale können ganz unterschiedlich aussehen.

Die Nummern für den Notfall

Wenn Streits doch eskalieren oder Kinder Sorgen haben, die sie nicht mit den Eltern besprechen wollen, steht auch das Kinder- und Jugendtelefon zur Verfügung. Dieses ist unter der Nummer 116 111 von Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr und ab sofort zusätzlich Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr erreichbar.

Das Elterntelefon berät unter der Nummer 0800 – 111 0 550 wie bisher von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und zusätzlich am Dienstag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr.

Die Online-Beratung steht Kindern und Jugendlichen unter www.nummergegenkummer.de im Chat am Mittwoch und Donnerstag von 15 bis 17 Uhr und zusätzlich am Dienstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr zur Verfügung. Die E-Mail-Beratung ist rund um die Uhr erreichbar.

Weitere Tipps wie man gute Gespräche mit Kindern führt könnt ihr hier nachlesen. Eine Therapeutin hat einige Anleitungen und hilfreiche Anregungen dazu gegeben.

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