Die Hauptstadt hat designmäßig einiges zu bieten. Neu auf dem Markt, das Gründer-Duo Cucú. Ein Studio für Workshops und gleichzeitiges Label für Kinder. Kindermöbel, mit denen wir einzigartige Erinnerungen im Leben unserer Kids schaffen. Inspirierend und offen haben die beiden Gründer uns Rede und Antwort gestanden!

Das Design-Duo hinter dem Konzept. Ixmucané und Jacob sind Eltern einer Tochter.

Hochwertige Kindermöbel, klares Design und natürlich reichlich Spielspaß

In ihrem Studio designen Ixmucané und ihr Mann Jacob maßgefertigte Möbel. Ihr Fokus liegt hierbei auf Nachhaltigkeit und hochwertig verarbeiteten Materialien. Mehr über ihr Konzept und ihre ersten Serienmöbel erfahrt ihr in unserem Gründerinterview.

Welche Idee steckt hinter eurem Start-up?

Die Idee hinter CUCÚ ist es, aus ausgewählten natürlichen Materialien Möbel und andere Produkte für Kinder zu kreieren, welche den Lebensraum ergänzen, nicht dominieren. Wir wollen Objekte im Raum schaffen, durch die der Geist wandern kann.

Wir glauben nicht an das perfekte Kinderzimmer, welches aus dem Katalog bestellt werden kann. Jedes Heim hat seine eigene Konstellation, die vom Kind entdeckt wird und sich mit der Zeit verändern kann. Abgesehen von der menschlichen Begleitung der Eltern, fängt die frühkindliche Entdeckungsreise alltäglich beim Erwachen in einem Bettchen an: Es beginnt mit dem Sehen von Formen, Farben, Mustern und Kontrasten, welche dann durch das Ertasten von Texturen und Materialen verinnerlicht werden. Es folgt der Blick in das Zimmer und der natürliche Drang dieses zu erforschen. Wenn man sich das Erwachen eines Kindes als den Beginn einer Entdeckungsreise vorstellt, scheint es fast absurd, dass klassischerweise an dieser Stelle Gitter im Wege stehen.

Unsere Vision ist es, eine sichere und geborgene aber auch inspirierende Welt zu schaffen in der sich Kinder frei bewegen und ihre Sinne und Phantasien kennenlernen können. Viele Designs für Kinder präsentieren eine fertige Darstellung, z.B. ein Bett in Form eines Piratenschiffes etc.. Wir glauben, dass diese Art von Design die fantastische Fähigkeit von Kindern unterschätzt, mit ihrer Phantasie jeden Gegenstand in das zu verwandeln, was sie sich wünschen – und dadurch das Streben zur Unabhängigkeit behindert wird.

Ihr seid Eltern einer Tochter, inwiefern spielt sie eine Rolle bei eurer Gründungsidee und dem Design ?

CUCÚ ist geboren aus Beobachtungen. Beobachtungen, nicht nur von unserer eigenen Tochter und von Kindern in unserem Umfeld Berlin, einer sehr kinderreichen Stadt. Sondern auch aus der Beobachtung, dass es immer mehr Eltern gibt, die, genau wie wir, alte Normen der Erziehung hinterfragen und neue suchen.

Das erste Bettchen haben wir für unsere Tochter gestaltet und gebaut. Es begann mit einem Ideenaustausch kurz vor der Geburt. Wir sahen das Bett als einen Ort, an dem man sich ausruhen und dennoch spielen kann. Ein geräumiges und offenes Bett, welches zur Bewegung einlädt. Damals waren wir noch weit entfernt von dem Gedanken ein Label daraus zu machen, aber uns gefiel die Idee und dieses erste Bettchen.

Unsere Tochter hat sechs Jahre darin geschlafen. Dadurch, dass es von der Grundgestalt und Funktion dem Bettchen von CUCÚ sehr ähnelt, ist das Produkt quasi eine sechs Jahre lange Testphase durchlaufen. Dabei haben sich viele unserer Ideen bestätigt und wir konnten einiges an dem Design verbessern.

Cucú „The Bed“, ca. 1.160€

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich euer Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?

Das Konzept „phantasieanregendes Design und Unabhängigkeit für Kinder“ war von Anfang an dabei. Die Gestaltung selber ging natürlich durch verschiedene Phasen, um aus einer Idee und einem Prototypen ein fertiges Produkt zu machen.

Irgendwann kam dann der Gedanke, dass man ein Label gründen könnte, über welches wir mehr anbieten können, als allein das Bett. Das Kissen kam dazu und die Astros – organische Bausteine aus Holz. Und weiter Produkte werden folgen.

Der Kindermöbelsektor wächst stetig. Wie grenzt ihr euch vom restlichen Markt ab?

Wir leben in einer Gesellschaft des schnellen Konsums – der billigen Massenproduktion. Trotzdem gibt es einen Markt für „langsameren“ Konsum. Das heißt, für regionale Kleinserien von langlebigen Produkten, mit einem großen Anteil an Handarbeit und ökologisch vertretbaren Materialien. Wir möchten Menschen erreichen, die darin einen Wert sehen und denen Nachhaltigkeit und faire Produktion wichtiger sind als den günstigsten Preis zu ergattern.

Unser zentrales Produkt, ein gitterloses Baby-/Kinderbett, ist bis dato nicht auf dem Markt zu finden. Damit haben wir uns schon von der allgemeinen Tendenz, mal teurere und mal günstigere, sich aber immer gleichende Gitterbetten auf den Markt zu bringen, distanziert. Aber auch mit weiteren Produkten möchten wir einen Kontrast setzen zu rosa Blümchen und blauen Rennautos. Wir gestalten unisex, mit einem Schwerpunkt auf frisches und durchdachtes Design mit hochwertigen, als auch natürlichen Materialien.

Kissen „Meadow“ von Cucú Berlin, ca. 145€

Welche Märkte wollt ihr mittel- und langfristig erobern?

Im oben beschriebenen Sinne der Nachhaltigkeit sprechen wir mittelfristig Familien an, die kurz vor der Geburt stehen, die sich Gedanken über ein erstes Bettchen und ein passendes, multifunktionales Stillkissen machen.

Langfristig wollen wir auch Familien mit schon größeren Kindern ansprechen. Kids, deren Kinderzimmer kein Babyzimmer mehr ist und deren „Entdeckungsreise“ schon auf andere Weise stattfindet. Dabei sind wir auch daran interessiert, das innere Kind im Erwachsenen zu wecken. Durch Objekte Situationen schaffen, in denen die Erwachsenen in die Kinderwelt integriert werden und nicht umgekehrt.

Wo seht ihr Cucú in fünf Jahren?

Mit dem ständigen Bestreben, unsere Designprozesse zu verbessern und einen respektvollen Umgang mit unserer Umwelt zu wahren, möchten wir uns als kleines Label erhalten. Teil des Charms, den wir vermitteln und den unsere Produkte verkörpern, liegt in dem familiären, als auch ethischen, ökologischen und regionalen Charakter unserer Marke. Und das möchten wir beibehalten.

In  diesem Sinne, wollen wir in den kommenden Jahren einzelne Produkte der Kollektion beifügen. Beispielsweise sind wir grad an einer Kleinserie von Kinderteppichen aus Wolle beschäftigt. Aber auch andere Produkte sollen folgen.

Uns interessiert euer Familienalltag. Wie sieht ein typischer Tag mit Kind und Arbeit bei euch aus?

Wir genießen die einfache, aber kreative Lebenskunst, mit der man in Berlin leben kann. Man findet eine unkomplizierte Gegenseitigkeit im Kiez, die inspiriert und die Stadt, trotz ihrer Größe, sehr kinderfreundlich macht.

In unserem Designstudio mit Textil- und Holzwerkstatt arbeiten wir mit kreativen Prozessen und verschiedenen Materialien. Es ist uns wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, die Fokus hat, aber auch offen ist für Spontaneität, Musik und Begegnungen mit Freunden. Wir freuen uns wenn wir Kinder zu Besuch haben, die den wilden Garten entdecken oder mit Holzresten, Farben oder Garnen experimentieren.

In unserem Leben freuen wir über Begegnung mit verschiedenen Menschen. Gleichzeitig bleiben wir in enger Beziehung zu unseren kulturellen Hintergründen (Lateinamerika und Afrika). So ist unser Leben eine Inspirationsquelle und des Öfteren Teil der Gestaltungsprozesse.

Umgekehrt als Höhle oder normal aufgestellt als entspannter Pausen-Ort. Ein Bett, das definitiv viel kann!

Was sind die Herausforderungen für eure Familie aufgrund der Selbstständigkeit und was funktioniert so besonders gut?

Die Selbstständigkeit bringt gewisse Bewegungsfreiheiten mit sich, selbstverständlich aber auch Verantwortungen, die man als Angestellter vielleicht nicht hätte. Als Familie können wir uns sehr gut daran anpassen, mal nimmt man sich einen Tag frei – und des öfteren arbeiten wir am Wochenende oder in den späten Abend hinein. Als große Herausforderung sehen wir das nicht, eher als Chance das Leben spontan und flexibel zu gestalten.

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch Cucú Berlin und viel Erfolg für eure Zukunft!

Alle Bilder: Cucú Berlin